Das Erbe der Könige

Das Rap-Rudel ist groß geworden, und nur die Stärksten überleben lang genug, um Legendenstatus zu erreichen. Nun haben sich zwei solche Legenden zusammengetan. Doch wie viel Kraft haben die Berliner Rapper Sido und Savas wirklich in ihr gemeinsames Album "Royal Bunker" gesteckt?

Von Arne Lehrke

Savas & Sido: Royal Bunker
Savas & Sido - Royal Bunker   Foto: 2017 Urban / Universal

Muss man 2017 noch jemandem erklären, wer Sido und Savas sind? Und: Wo sollte man da anfangen? Man müsste bei HipHop in den 90-ern einsetzen, als es harten Rap in Deutschland eigentlich nicht gab, bis Berlin sich der Sache annahm. Man müsste das legendäre Café Royal Bunker erklären, in dem so viele Rapper ihre ersten Live-Erfahrungen sammelten und nach dem nun auch das Album des Giganten-Duos Savas & Sido benannt ist. Müsste die Labels Optik Records und Aggro Berlin erklären und hätte mit all dem noch nicht einmal die letzten zehn Jahre erreicht, in denen KKS und der Maskenmann mit jedem neuen Album ihre Machtposition in der Rapszene zementierten. Man muss 2017 eigentlich niemandem mehr erklären, dass die gemeinsame Platte "Royal Bunker" von Sido und Savas die größte Kollabo der Deutschrap-Geschichte darstellt. Die Erwartungen könnten kaum größer sein.

Dass auch die beiden Protagonisten selbst um ihre Bedeutung wissen, kann man schon an den ersten Zeilen ablesen. "Zwei der Besten, die es je taten / Zwei der Besten, die je gelebt haben", heißt es auf "Haste nich gesehen", und anstatt das Ganze monumental mit Hans-Zimmer-Samples zu unterlegen, liefern Savas und Sido, was man nur in Phrasen umschreiben kann: Das ist straighter Rap, das ist die Quintessenz von HipHop. Das ist ein Ausdruck der unglaublichen Souveränität zweier Künstler, die sich gefunden haben.

Doch genauso klar kann man schon nach wenigen Minuten konstatieren: Bahnbrechend ist das alles nicht. Der vorab veröffentlichte Titeltrack, der Oldschool- und Newschool-Fans gleichermaßen unruhig auf ihren Sitzbänken hat hin- und herrutschen lässt, ist das beste Beispiel dafür. Savas, der den Beat mit seinen Reimen präziser auseinandernimmt als ein Sternekoch einen Kugelfisch, trifft auf Sido, der es gemächlicher angeht. Dazwischen streuen die Star-Rapper ein paar Referenzen ein, bei der Langzeitfans wissend lächeln.

So verhält es sich auch mit dem Rest der vierzehn Songs. Sido bringt zusätzlich etwas Pop-Appeal von seinen Reisen in die Radiosphären mit, und Savas erdet die Songs mit Stakkato-Flow, damit die Stücke nicht abheben wie ein "Astronaut".

Unterbaut wird alles von Beats, die ebenfalls einen unverkrampften Mittelweg finden. Hier scheppern 90er-Jahre-Drums, dort spielen Instrumente wie Klavier ("Jedes Wort ist Gold wert") und Orgel ("Unterschied") große Dringlichkeit ins Ohr, damit niemand das Interesse verliert. Allerdings: Trotz ehrlicher Einblicke in die Gedankenwelten von Sido und Savas ("Freund/Feind", "Leben geben") wirkt kein Song wie die brutalen Kracher, die beispielsweise "Haus & Boot" oder "Strassenjunge" waren.

"Royal Bunker" ist kein Kompromiss, sondern lässt beiden Künstlern den Raum, ihre jeweilige Stärken auszuspielen. So haben sie ein wirklich gutes Album auf die Beine gestellt, aber: Solo waren sowohl Sido als auch Savas schon mal besser. Dass man seit knapp 20 Jahren niemandem mehr erklären muss, wer die beiden sind, ist der beste Beweis.

Bewertung überzeugend
CD-Titel Royal Bunker
Bandname/Interpret Savas & Sido
Genre Deutsch-Rap
Erhältlich ab 29.09.2017
Label Urban
Vertrieb Universal

Savas & Sido: Royal Bunker
Im Berliner Café Royal Bunker traf sich einst die HipHop-Elite, auf dem Album "Royal Bunker" treffen nun die Rap-Titanen Savas (links) und Sido zusammen.   Foto: 2017 Boogie / Urban / Universal