Zwei, die Grenzen überschritten

Brillantes Biopic über die Begegnung der Tennis-Legenden John McEnroe und Björn Borg bei ihrem ersten Wimbledon-Finale 1980.

Von Eric Leimann

Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Fantastisches Sportlerdrama "Borg/McEnroe": Das mit Shia LaBeouf (McEnroe) und dem schwedischen Borg-Doppelgänger Sverrir Gudnason besetzte Drama ist einer der besten Filme des Kinojahres 2017.   Foto: 2017 Universum Film

Zwei fantastische Hauptdarsteller und die Bildgewalt des dänischen Newcomer-Regisseurs Janus Metz machen aus dem Sportfilm über zwei Tennis-Legenden ein mitreißendes Kinoerlebnis. Metz und der 32-jährige Drehbuchautor Ronnie Sandahl erzählen die Tage und Wochen vor dem Wimbledon-Finale 1980 aus zwei Perspektiven: der von Borg und jener von McEnroe. Man sollte sich unbedingt die schwedisch-englische Originalversion von "Borg/McEnroe" ansehen. "Die unterschiedliche Art, wie man Mensch sein kann" (O-Ton Regisseur Janus Metz) lässt sich auch darüber verstehen, wie Borg und McEnroe mit ihren jeweiligen Vertrauten sprechen. Schade, dass der mit Shia LaBeouf (McEnroe) und dem schwedischen Borg-Doppelgänger Sverrir Gudnason besetzte Film bisher auf Festivals kaum Preise einheimsen konnte. Es ist eines der besten Sportfilm-Dramen aller Zeiten.

Das Setting war wie das einer griechischen Tragödie. Nur mit dem Unterschied, dass es beim ersten Wimbledon-Finale von Björn Borg und John McEnroe nicht um Leben oder Tod ging, sondern nur um den Sieg im wichtigsten Tennis-Match des Jahres 1980. Doch was heißt schon "nur", wenn Niederlagen für extreme Charaktere wie Borg und McEnroe in etwa mit dem Tod gleichzusetzen sind?

Der Schwede Borg, im Sommer 1980 erst 24 Jahre alt, galt damals als bester Tennisspieler aller Zeiten. Er hatte das wichtigste Turnier der Welt viermal in Folge gewonnen. Ein fünfter Sieg hätte ihn zum alleinigen Rekordhalter gemacht. Im Sommer 1980 fühlte er sich jedoch, als wäre er in einem Käfig gefangen. Ängste plagten ihn, die Formkurve zeigte nach unten. Borg, der schon mit 15 Jahren für sein Land im Davis Cup spielte und ein Jahr nach dem Finale 1980 mit Mitte 20 die Karriere beendete, fühlte sich ausgebrannt. Ganz anders der 20-jährige Newcomer und Tennis-Rüpel John McEnroe. Dessen Stern ging damals gerade am Sporthimmel auf. In einer Zeit, als Tennisspieler noch wie Rockstars gefeiert wurden, sollte dem Amerikaner die Zukunft gehören.

Sandahl und Metz springen mit ihrer Erzählung zwischen verschiedenen Zeitebenen hin und her. Um die beiden Extrem-Charaktere zu verstehen, sieht man sie auch in zwei verschiedenen Phasen ihrer Jugend - unter anderem dargestellt von Björn Borgs tatsächlichem Sohn Leo. Was an "Borg/McEnroe" neben den großartigen Schauspielern so verfängt - auch Stellan Skarsgård ("River") ist als Borg-Trainer Lennart Bergelin eine Wucht - ist die Nähe, die Metz zu seinen fast dokumentarisch ausgeleuchteten Figuren aufbaut. Viele Szenen sind einfach still. Sie zeigen die Spieler in ihren Hotelzimmern. Wie sie duschen oder an die Wand starren. Auch andere Routinen der Hochleistungssportler werden wie heimlich von der Kamera beobachtet. Doch nie mit der Idee, zwei heldenhafte Titanen zu zeigen, sondern über das äußere Betrachten zweier Männer in deren getriebene Seelen einzudringen. Dies gelingt auf großartige Weise.

Ein bildgewaltiges Tennis-Match gibt es am Ende dennoch. Das Finale vom 5. Juli 1980 setzt Metz so mitreißend in Szene, dass man glaubt, man stände als Balljunge selbst auf dem Centre Court. Auch das ist eine Überraschung, denn gerade mit der Inszenierung des Sports an sich tun sich fiktional erzählte Sportlerdramen gemeinhin schwer. Im Prinzip verständlich: Wie soll man allerhöchstes Niveau von Leibesübungen inszenieren, die es leider nur "in echt" gibt? Der 1974 geborene Janus Metz hat diese Quadratur des Kreises auf seinem in Prag nachgebauten Centre Court dennoch geschafft. "Borg/McEnroe" mag von vielen Kritikern als Sportler-Biopic übersehen werden, tatsächlich ist es einer der besten Filme im Kinojahr 2017.

Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Zwei Legenden, die sich auch in der fiktionalen Variante ihres Lebens und des vielleicht größten Tennis-Matches aller Zeiten sehen lassen können - vor allem auf der großen Leinwand. Shia LaBeouf (links) als John McEnroe und Sverrir Gudnason als Björn Borg.   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Begegnung auf dem Flughafen in London: Die angestrengten Kontrahenten John McEnroe (Shia LaBeouf) und Björn Borg (Sverrir Gudnason) sprechen zum ersten Mal miteinander. Schön, dass sie im wirklichen Leben später enge Freunde wurden.   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Stellan Skarsgård ist als Borg-Trainer Lennart Bergelin ebenfalls eine Wucht.   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Ein Rüpel auf dem Court und durchaus auch bei Presse-Konferenzen: Shia LaBeouf als John McEnroe.   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Dem jungen Borg wie aus dem Gesicht geschnitten: Schauspieler Sverrir Gudnasson, immerhin schon 39 Jahre alt, entstammt einer isländischen Familie, lebt aber schon lange in Schweden. In seiner Heimat erhielt er bereits zweimal den "Guldbagge", eine der renommiertesten Auszeichnungen Schwedens für Schauspielkunst.   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Toll inszeniertes Tennis-Match: Das Wimbledon-Finale 1980 setzt der dänische Regisseur Janus Metz bei seinem Spielfilmdebüt brillant und mit viel Zeitkolorit in Szene. Der in jungen Jahren preisgekrönte Dokumentarfilmer drehte übrigens auch eine Folge der zweiten Staffel des HBO-Dramas "True Detective".   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Immer am Beschweren: John McEnroe (Shia La Beouf), der eine extrem strenge und fordernde Erziehung genossen hatte, brauchte auf dem Platz offenbar ein Ventil.   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film
Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren
Motiv aus "Borg/McEnroe - Duell zweier Gladiatoren"   Foto: 2017 Universum Film