Oscar Ortega Sánchez

spielt im ARD-Krimi "Mordkommission Istanbul - Die Tote in der Zisterne" (Do., 02.10., 20.15 Uhr, ARD) und der ZDF-Mini-Serie "Unser Mann im Süden" (Do., 09.10., 20.15 Uhr, ZDF)
Der Südländer vom deutschen Fernsehdienst

Von Eric Leimann (teleschau - der mediendienst)

(tsch) Oscar Ortega Sánchez - sehr viel spanischer kann man nicht mehr heißen. Fast jeder, der regelmäßig fernsieht, kennt sein Gesicht. Dennoch gehört der 1962 in Mannheim geborene Sohn eines Arbeiters aus Saragossa zu den eher unbekannten Dauerdarstellern des deutschen Fernsehens. Aktuell ist er als türkischer Kriminalist ("Mordkommission Istanbul") und spanischer Tapas-Kumpel von Fritz Wepper zu sehen ("Unser Mann im Süden"). Vor Kurzem verkörperte er einen südamerikanischen Liedermacher (im ARD-Fernsehfilm "Patchwork"). Als Auftritt mit XXL-Kultfaktor erwies sich die Rolle als argentinischer Fußballstar in der Schalke-Komödie "Fußball ist unser Leben" aus dem Jahr 2000. Die Auswahl zeigt's: Oscar Ortega Sánchez ist fürs deutsche öffentlich-rechliche Fernsehen so etwas wie der Ausländer vom Dienst.

Oscar Ortega Sánchez und Christine Neubauer im ARD-Krimi "Die Tote in der Zisterne". ARD Degeto / Reiner Bajo
Er ist klein, schmächtig und im Besitz eines fast schon unverschämt klischeehaft wirkenden spanischen Charaktergesichts. Oscar Ortega Sánchez könnte einen drahtig traurigen Stierkämpfer geben, einen dramatischen Tango-Gitarristen oder eben - etwas schnöder, aber weitaus häufiger im deutschen Fernsehen zu finden - einen südländischen Kneipenwirt. Als solcher ist Oscar Ortega Sánchez regelmäßig in Lars Beckers ausgezeichneter ZDF-Krimi-Reihe "Nachtschicht" zu sehen, in der der Wahlhamburger den italienischen Restaurantbesitzer Martinelli spielt. Dass gut die Hälfte der Rollen von Oscar Ortega Sánchez die von Südländern ist - gerne mit effektvollem Akzent versehen - stört das bühnengeschulte und akzentfrei sprechende ehemalige Ensemblemitglied des renommierten Hamburger Thalia-Theater jedoch wenig.

"Das Image des Südländers nervt mich überhaupt nicht. Mein Äußeres ist eben nun mal so, wie es ist. Da ist es doch klar, dass man öfter einen Ausländer spielt. Ich werde ja auch auf der Straße angesprochen und gefragt, wo ich denn herkomme. Schauspiel hat eben auch mit der Besetzung bestimmter Typen zu tun." Als Schauspieler war der Sohn eines Spaniers aus der ersten Gastarbeiter-Generation ein Spätberufener. Nichts deutete nach der Mittleren Reife und einer Ausbildung zum Industriekaufmann bei Daimler-Benz auf eine Bühnen- und Fernsehkarriere hin.

Erst als er mit 24 Jahren zum ersten Mal im Leben ein Theater besuchte, war es um ihn geschehen - er fragte nach der Vorstellung, ob er bei dem kleinen Kasseler Kellertheater mitmachen könnte und hatte nach wenigen Wochen einen neuen Berufswunsch: Schauspieler an einer Bühne. "Zu dieser Zeit arbeitete ich bereits seit drei Jahren als Buchhalter. Dass jemand freiwillig einen Job bei Daimler-Benz kündigt, hatte die Personalabteilung damals noch nie gehört. Und als ich meinen Eltern erzählte, dass ich auf die Schauspielschule wollte, haben die mich auch für verrückt erklärt."

"Ich habe dann bei rund einem Dutzend Schauspielschulen vorgesprochen. Die meisten lehnten mich ab, da sie mich mit 25 Jahren für zu alt hielten. Daraufhin habe ich Lebenslauf und meine Papiere ein bisschen frisiert und aus meinem Geburtsjahr 1962 einfach ein 1968 gemacht - was ja nicht besonders schwer ist." Sechs Jahre jünger erspielte sich Ortega Sánchez einen Ausbildungsplatz an der berühmten Essener Folkwangschule. Kurze Zeit später packte den Urkundenfälscher jedoch das schlechte Gewissen, und er gestand sein Vergehen. "Ich wollte mein neues Leben nicht mit einer großen Lüge beginnen. Das hätte vielleicht schlechtes Karma bedeutet."

Dennoch wurde Oscar Ortega Sánchez der Schule verwiesen, was er heute als Glück empfindet, denn so schrieb er sich bei einer privaten Schauspielschule in Hamburg ein, jobbte als Statist beim Hamburger Thalia-Theater, wo er nach kurzer Zeit von Kult-Regisseur und Intendant Jürgen Flimm entdeckt wurde. "Jürgen Flimm besetzte mich immer wieder in seinen Stücken. Er wollte lieber, dass ich bei ihm spiele, als dass ich die Ausbildung weiterführe. So kam es, dass ich nach einem dreiviertel Jahr in Hamburg bereits fest an einem großen Theater arbeitete, bei dem sich jährlich hunderte von Schauspielern um einen Job bewerben. Als ich zwei Jahre dort war, kamen meine ehemaligen Jahrgangskollegen aus der Folkwangschule und sprachen für Rollen vor. Das hat mir natürlich eine gewisse Genugtuung bereitet."

Von 1989 bis 1996 spielte Oscar Ortega Sánchez am Thalia-Theater, danach wandte er sich den weitaus besser bezahlten Film- und Fernsehrollen zu. Regisseur Lars Becker engagierte ihn 1995 für seinen Kultfilm "Bunte Hunde". Seitdem hat sich der deutsche Vorzeige-Spanier in Film und Fernsehen etabliert. "Ich kenne viele Kollegen, die sich dagegen wehren, die sagen: Ich will nicht immer den Türken spielen. Mir ist die Nationalität der Figur egal. Mich interessiert nur, ob sie inhaltlich und dramaturgisch etwas zu erzählen hat."

Gar nicht so viel zu erzählen hatte Ortega Sánchez eigentlich in seiner bislang die größten Wellen schlagenden Rolle: Die Komödie "Fußball ist unser Leben" mit Uwe Ochsenknecht als verrücktem Schalke-Fan, der den argentinischen Starkicker seines Lieblingsteams entführt, ist ein Meisterstück des Ortega Sánchezschen Mimenspiels. "Das größte Kompliment, das ich beim Film 'Fußball ist unser Leben' bekommen habe, stammt von einem Premierengast, der sagte: 'Dafür, dass sie Fußballer sind, können sie wirklich gut schauspielern." Noch heute sprechen Schalke-Fans den Hobbykicker und Schauspieler auf der Straße an oder lassen ihre königsblauen Trikots mit seinem Filmnamen "Dios" beflocken.

Einen Nachteil hat Südländer-Spezialist Oscar Ortega Sánchez in Bezug auf die eigenen Karriere-Perspektiven dennoch ausgemacht: "Man muss aufpassen, dass man nicht ausschließlich in Rollen mit Akzent auftritt. Es gibt ja auch Leute im Filmbusiness, die haben ein bisschen weniger Fantasie. Die sagen dann: Den Ortega Sánchez können wir nicht besetzen - der spricht ja mit Akzent!"

Bereichtelevision
BrancheSchauspieler

weiterführende Links:


Kultrolle, die Oscar Ortega Sánchez ins kollektive Schalke-Gedächtnis katapultierte: als arroganter argentinischer Star-Kicker "Dios" im Film "Fußball ist unser Leben". kabel1
Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander, links) und sein Assistent Mustafa Tombul (Oscar Ortega Sánchez) im ARD-Krimi "Die Tote in der Zisterne". ARD Degeto / Reiner Bajo
Am Ende wird's actionreich: Kommissar Mehmet Özakin (Erol Sander, links) und sein Assistent Mustafa Tombul (Oscar Ortega Sánchez). ARD Degeto / Reiner Bajo
Oscar Ortega Sánchez als spanischer Kommissar neben Fritz Wepper in der ZDF-Miniserie "Unser Mann im Süden". ZDF / Jennifer Oladeinde