Mark Keller

spielt in der ZDF-Serie "Der Bergdoktor" (ab 15.01., donnerstags, 20.15 Uhr)
Das Glück liegt im Kleinen

Von Melanie Grimm (teleschau - der mediendienst)

(tsch) "Ich liebe die Musik, und ich liebe die Filmerei." Mark Keller hat seine zwei großen Leidenschaften zum Beruf gemacht und weiß, wie viel Glück er damit hat. Denn nicht jeder schafft es, seinen Traumberuf zu ergreifen. Der 43-Jährige wäre, wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, Kfz-Mechaniker geworden. Doch Keller hatte andere Pläne und wurde als Dean-Martin-Imitator in der "Rudi Carrell Show" entdeckt. 1990 übernahm er eine Hauptrolle in der ARD-Serie "Sterne des Südens". Sechs Jahre später kam der endgültige Durchbruch als Kommissar André Fux in der Krimiserie "Alarm für Cobra 11" (RTL). Im Dezember ist er auch in Til Schweigers Komödie "1 1/2 Ritter" im Kino zu sehen. In der ZDF-Serie "Der Bergdoktor" (13 neue Folgen, ab 15.01., donnerstags 20.15 Uhr) spielt er die Rolle des unsympathischen Kollegen des Titelhelden.

Mark Keller
Schauspieler Mark Keller spielt in der ZDF-Serie "Der Bergdoktor" den unsympathischen Alexander Kahnweiler. teleschau
teleschau: Herr Keller, mögen Sie die Berge?

Keller: Ich komme vom Bodensee und bin eigentlich ein Wassermensch, aber die Berge sind auch super. Ich fahre zum Beispiel gerne Ski. Wandern und Bergsteigen sind eher nicht so meins - zu wenig Tempo.

teleschau: Ist es schwierig, unter der Woche immer unterwegs und getrennt von der Familie zu sein?

Keller: Ich habe einen sehr intensiven Kontakt zu meinen beiden Söhnen (zwölf und 15 Jahre, d. Red.). Die sind eigentlich jedes Wochenende bei mir oder ich bei ihnen. Beim "Bergdoktor" bin ich auch nicht jeden Tag am Set. Sondern vielleicht nur für einen der acht, neun Drehtage pro Folge.

teleschau: Können Sie etwas über Ihre Rolle erzählen?

Keller: Alexander Kahnweiler ist im Grunde ein sehr einsamer Mann, der in der Kindheit Probleme mit seinem alkoholsüchtigen Vater hatte. Als Reaktion darauf, versucht Alexander ein sehr guter Arzt zu werden. Aber leider ist er immer nur Zweiter, weil Martin Gruber (die Hauptfigur der Serie, d. Red.) immer einen Tick besser ist. Jetzt möchte er eine Schönheitsklinik aufmachen und arbeitet sehr hart dafür. Er ist eigentlich eine tragische Figur, weil er im Grunde ein absoluter Loser ist und wirklich keine Ahnung von seinem Job hat.

teleschau: Aber immerhin ist er mal Arzt geworden ...

Keller: Wahrscheinlich hat er seine Prüfung gekauft (lacht).

teleschau: Das klingt nicht gerade nach einem Sympathieträger.

Keller: Ich denke, so wie die Figur angelegt ist, ist sie sehr witzig. Dadurch wird er schon sympathisch, aber er ist eben ein kleiner Trottel. Alexander ist eine wunderbare, herausfordernde, kleine Rolle, die ich sehr gerne spiele. Ich arbeite auch an meinem Album, auf dem ich zum ersten Mal auf Deutsch singen werde.

teleschau: Musik oder Schauspielerei - welches ist die eigentliche Leidenschaft?

Keller: Ich kam über die Musik zum Film und betrieb eigentlich beides immer gleichermaßen. Aber bei der Musik bin ich eher ein Verhinderer. Ich muss richtig geil finden, was ich mache. Wenn es nicht perfekt ist, kommt es auch nicht raus. Ich habe schon so viele Sachen aufgenommen, die mir dann am Ende nicht gefielen und deshalb nicht veröffentlicht wurden.

teleschau: Unterscheiden Sie bei so viel Begeisterung für den Beruf überhaupt noch zwischen Arbeit und Privatem?

Keller: Ich liebe die Musik, und ich liebe die Filmerei. Deshalb empfinde ich das nicht so sehr als Arbeit. Ich langweile mich eher, wenn ich zu Hause nur herumsitze. Deshalb bin ich an so vielen Sachen gleichzeitig dran. Natürlich ist es nicht immer nur Spaß. Man muss auch erfolgreich sein und seine Brötchen damit verdienen. Wenn man eine Serie dreht, verdient man sehr gut und dann wieder über weite Strecken nur sehr wenig. Deshalb ist immer ein gewisser Druck da. Aber wenn man das macht, was man gerne tut, kann man auch mit wenig Geld ein Leben lang glücklich sein.

teleschau: Durch Liebe zum Beruf?

Keller: Ja, sicher. Wir haben nur ein kurzes Leben, das wir nicht am falschen Platz verschwenden sollten.

teleschau: Ist das ein Lebensmotto?

Keller: Für mich, ja.

teleschau: Woran liegt es Ihrer Meinung nach, dass so wenige Menschen ihren Traumberuf ergreifen?

Keller: Ich denke, das Problem liegt meistens in der Kindheit. Viele Eltern achten nicht darauf, was ihre Kinder gut und gerne machen. Sie gehen meistens nach den Standardregeln vor: "Mein Kind muss auf das Gymnasium gehen und Abitur machen, muss der Beste in der Schule sein, muss studieren." Nur die wenigsten Kinder können sich dagegen durchsetzen und den eigenen Weg gehen.

teleschau: Setzen Sie als Vater das auch um?

Keller: Ich weiß nicht, ob es mir immer gelingt, aber ich versuche es. Meine Söhne sollen das machen, was sie wollen, und ich unterstütze sie komplett darin. Ich habe glückliche, gesunde Jungs. Das ist für mich das Allerwichtigste. Ich habe die Jungs von klein auf gefördert und bestätigt. Der Große hat schon CDs aufgenommen und der Kleine hat auch schon in ein, zwei Filmchen mitgespielt.

teleschau: Machten Sie mit Ihrem Vater ähnliche Erfahrungen?

Keller: Mein Vater hat mich mit 15 in die Werkstatt gesteckt, obwohl ich auf die Schauspielschule wollte, und genau das werde ich mit meinen Söhnen sicher nicht tun. Am Ende ist mir wichtig, dass sie mit sich im Reinen und glücklich sind. Der Erfolg ist relativ - es gibt ohnehin nur einen einzigen Gesamterfolg.

teleschau: Das heißt?

Keller: Die Summe muss stimmen. Es geht nicht nur ums Geld oder den sozialen Status. Der berufliche Erfolg darf nicht auf die Kosten von anderen, wichtigeren Dingen wie Freunde und Familie gehen.

teleschau: Sie sagten vorhin, Ihre Eltern hätten Sie nicht unterstützt.

Keller: Meine Mutter ist früh gestorben, und ich wuchs bei meinen Großeltern auf. Glücklicherweise wusste ich durch sie sehr früh, was ich wollte. Die Kfz-Mechaniker-Lehre schloss ich zwar meinem Vater zuliebe noch ab, aber am Tag der Prüfung drückte ich ihm den Gesellenbrief in die Hand und kündigte. Ich ging meinen eigenen Weg, trotz aller Höhen und Tiefen.

teleschau: Wie kommen Sie mit den Tiefen klar?

Keller: Es hilft, wenn man sich klar macht, wie gut es uns hier in Deutschland eigentlich geht. Wir haben zu essen, ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett. Es gibt keinen Grund zu klagen, auch wenn es beruflich mal schlechter läuft. In Wahrheit wissen wir noch nicht einmal ansatzweise, was es heißt, wenn es einem wirklich schlecht geht. Wenn wir einen Monat lang kein Geld verdienen oder mal 1.000 Euro in den Miesen sind, denken wir gleich, die Welt geht unter. Außerdem muss man realistisch sein: Schauspielerei ist zwar nicht der sicherste Beruf, aber welcher Beruf ist das heutzutage überhaupt? Firmen schließen oder kürzen Arbeitsplätze, und plötzlich stehen 6.000 Menschen auf der Straße, die dort vielleicht 30 Jahre lang gearbeitet haben. Es gibt einfach keine Sicherheit, nur das Rezept, das Glück im Kleinen zu erkennen.

teleschau: Zum Beispiel?

Keller: Familie und Gesundheit und zu wissen, wie glücklich man ist, wenn man das hat.

Bereichtelevision
BrancheSchauspieler

weiterführende Links:


Mark Keller
Seine beiden Söhne sind für Mark Keller das Allerwichtigste. teleschau
Mark Keller
Mark Keller wollte schon als Jugendlicher Schauspieler werden. teleschau
Mark Keller
In der Serie "Der Bergdoktor" spielt Mark Keller den Klinikarzt Kahnweiler (rechts, mit Hans Sigl und Mariella Ahrens). ZDF / Walter Wehner