Howard und Wayne Carpendale

Eric Leimann (teleschau - der mediendienst)

Der Vater, eine Schlagerikone. Der Sohn, Schauspieler für romantische TV-Stoffe. Was kann man da von einer Zusammenarbeit erwarten - 100 Prozent Kitsch? In "Lebe dein Leben" stehen der 66-jährige Sänger und sein 34-jähriger Sohn zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera. Auch wenn ihr Film vor Schmonzetten-Klischees trieft, man sieht Howard und Wayne gerne dabei zu, wie sie sich - spät im Rollenleben - als Vater und Sohn kennenlernen. Liegt ihre erfreuliche Nüchternheit daran, dass die Carpendales schwören, keinen Kitsch zu mögen? Und wie lebt es sich eigentlich als Kitschverächter, wenn man seinem Publikum zuverlässig als Romantik-Lieferant dienen muss?

Howard und Wayne Carpendale
Keine Freunde tränendrüsiger Dialoge: Im Film "Lebe dein Leben" müssen Wayne Carpendale (links) und sein Vater Howard eine Reederei retten - und sich zuvor erst mal kennenlernen. ARD Degeto / Tivoli Film / G. Pauly
teleschau: Die Carpendales stehen zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera - als Vater und Sohn. Ist das nicht der Traum eines jeden Kitschfilm-Freundes?

Howard Carpendale: Ja, genau (lacht). Und weil wir wussten, dass jeder denkt, dass dabei nur Kitsch herauskommen kann, haben wir das bisher auch bleiben gelassen. Es wurde erst aktuell, als dieses Drehbuch auf dem Tisch lag - das gefiel uns. Dennoch hatten wir immer noch Angst, dass es kitschig werden würde. Deshalb sind wir extrem kritisch an die Dialoge zwischen Vater und Sohn herangegangen und haben an fast jeder Zeile noch gearbeitet.

teleschau: Ein romantischer Film über Liebe ist es trotzdem geworden.

Wayne Carpendale: Ja, aber kein triefend romantischer. Auch weil wir viel über die Beziehung zwischen Vater und Sohn nachgedacht haben. Normalerweise denkst du als Schauspieler nur an deine Rolle und überlässt dem Drehbuchautor den Rest. Hier haben wir intensiv an dem Ganzen mitgearbeitet. Wir wollten etwas Wahres, Authentisches abliefern. Wir wollten auf keinen Fall diese Erwartung erfüllen - nach dem Motto: Wenn die Carpendales etwas zusammen machen, kann doch nur Kitsch bei rauskommen.

teleschau: Transportiert der Film eine Botschaft, wie Vater und Sohn miteinander umgehen sollten?

Wayne Carpendale: Wir spielen im Film ja keine normale Vater-Sohn-Beziehung, da die beiden erst voneinander erfahren, als der Sohn schon erwachsen ist. Aber der Titel "Lebe dein Leben" - der steckt als Botschaft schon in dem Film drin. Es gibt auch Parallelen zwischen den Rollen und uns. Ich bin ein Kopfmensch, mein Vater ist Bauch- und Gefühlsmensch. Und wie im Film hat mir mein Vater auch im richtigen Leben selten gesagt, was ich zu tun habe. Er lebte die Dinge vor, überließ die Entscheidung aber letztlich mir. Mein Vater ist Teil meines Lebens, aber er mischt sich nicht unangenehm ein. Er hat mich immer dazu ermutigt, auch mal rechts und links des Wegesrandes zu gucken, was mir manchmal genauso schwerfällt, wie meiner Rolle Finn. Dennoch hoffe ich, dass ich im wirklichen Leben nicht so verkrampft bin, wie mein Charakter anfangs im Film (lacht).

Howard Carpendale: Unser Ziel war nicht, die Filmfiguren möglichst dicht an unser eigenes Leben heranzuführen, aber natürlich gibt es Parallelen zwischen Film und Realität. Auch im Film gehen wir eher ernsthaft miteinander um, statt uns ständig zu sagen, wie lieb wir uns haben - wir mögen halt beide keinen Kitsch.

teleschau: Moment mal, die Carpendales mögen keinen Kitsch?

Howard Carpendale: Ja, das ist so. Auch wenn ich "Spuren im Sand" gesungen habe. Aber ich habe es immer mit einem Lächeln getan. Ich bin auch der Letzte, der sagt: Das ist Mist, ich singe das nicht mehr. Und doch muss man sehen: Ich habe das in einer Zeit gesungen, da man im Musikgeschäft viele Kompromisse eingehen musste. Kompromisse, die heute nicht mehr nötig sind.

Wayne Carpendale: Wenn man Unterhaltung macht, so wie mein Vater und ich, liegt beruflich ein Leben voller Kitschfallen vor dir. Ich denke, wir beide sind darauf bedacht, diese Fallen stets haarscharf umschiffen zu wollen. Sodass es im Genre bleibt - schließlich weiß man, was Freitagabend im Ersten erwartet wird - und doch authentisch, wahrhaftig ist und auch immer wieder überrascht.

teleschau: Leiden Sie nicht schrecklich im romantischen Genre, wenn Sie mit Kitsch eigentlich wenig anfangen können?

Howard Carpendale: Wenn wir leiden, dann auf hohem Niveau (lacht). Nein, was Wayne und ich schätzen, ist Understatement. Das ist unser englischer Einfluss. Vielleicht treten wir deshalb nicht so leicht in Fallen, in die deutsche Schauspieler vielleicht hineintappen würden.

teleschau: Romantische TV-Filme nach Groschenromanen der Marke Rosamunde Pilcher gibt es weder in England noch Amerika. Warum sind diese Art Filme in Deutschland so erfolgreich?

Howard Carpendale: Vielleicht eben deshalb, weil der Deutsche nüchtern ist und solche Filme als Ausgleich braucht.

Wayne Carpendale: Ich möchte trotzdem widersprechen. Romantische Weichzeichnerfilme gibt es auch in England und den USA. Sicher, Sender wie zum Beispiel HBO produzieren einzigartige Filme und Serien, aber die leben auch von Abonnenten und können ihre Produktionen ganz anders finanzieren als die gebührenfinanzierten Sender und das Werbefernsehen in Deutschland. Ansonsten läuft auch im amerikanischen Fernsehen eine Menge Mist, wovon es der größte Teil nicht nach Deutschland schafft. Das geht eben gar nicht erst in den Export. Deshalb haben wir in Deutschland generell ein besseres Bild, was die Qualität von Filmen oder Serien aus dem Ausland angeht. Grundsätzlich sind die deutschen TV-Filme auf einem sehr hohen Niveau. Und zum Beispiel auch die deutschen Soaps finde ich viel unkitschiger und qualitativ besser als die meisten amerikanischen.

teleschau: Gibt es Unterschiede darin, welche Art von Kitsch ankommt, wenn man das mal international vergleicht?

Howard Carpendale: Es gibt eher einen Unterschied wie man damit umgeht. Ein Engländer oder ein Amerikaner weiß, wann er Kitsch macht. Und er lässt das den Zuschauer, Leser oder Zuhörer auch wissen. In Deutschland tut man gerne mal so, als würde man das alles total ernst meinen.

teleschau: Nun haben Sie gemeinsam einen Film gedreht. Wäre es denkbar, dass Sie auch mal zusammen singen?

Wayne Carpendale: Sie glauben nicht, wie oft man uns das schon angeboten hat. Wir haben immer abgelehnt. Mich fragte dabei nie jemand, ob ich überhaupt singen kann. Die Antwort lautet übrigens: Nein, ich kann es nicht. Zumindest nicht so gut, wie ich es von mir erwarten würde, um einen Song aufzunehmen.

Howard Carpendale: So ein Duett wäre tatsächlich Kitsch pur. Genauso verhielt es sich lange mit der Filmidee. Wir sagten immer: Das Konzept muss stimmen, dann kommen wir ins Spiel. Das Konzept kann nicht lauten: Die Carpendales sollen zusammen drehen - dann überlegen wir uns, wie so ein Film aussehen könnte. Das wäre ganz schlechter Stil. Bei diesem Drehbuch war es das erste Mal, dass wir telefonierten und zu dem Schluss kamen, wir sollten uns das überlegen.

teleschau: Haben Sie durch diese Arbeit Neues über Ihr Verhältnis als Vater und Sohn gelernt?

Howard Carpendale: Eigentlich habe ich mehr über mich selbst gelernt. Ich bin als Schauspieler ja nicht allzu erfahren. Bisher drehte ich vier oder fünf Filme. Alle Filme vor diesem waren eher mäßig, aber ich habe das nicht als meine Schuld betrachtet. Ich habe mich auf diese Projekte eingelassen, weil ich die Schauspielerei unbedingt ausprobieren wollte. Es war mir aber auch wichtig, mal einen Film zu machen, auf den ich stolz sein kann. Das ist jetzt geglückt.

Wayne Carpendale: Auch ich habe durch die Zusammenarbeit mit meinem Vater mehr über die Schauspielerei gelernt als über uns selbst. Mit dem eigenen Vater zu drehen, ist etwas Einmaliges. Einerseits kann man sich total fallen lassen. Andererseits muss man unglaublich aufpassen, nicht in die Beobachterrolle zu verfallen. Wenn mein Vater in einer Szene eine Geste macht, die ich von ihm als Vater kenne, besteht die Gefahr, dass ich plötzlich aus meiner Rolle falle. Deswegen habe ich diese Rolle auch konzentrierter gespielt als irgendeinen anderen Charakter zuvor.

teleschau: Es war also durchaus anstrengend, mit dem eigenen Sohn beziehungsweise dem Vater zu arbeiten?

Wayne Carpendale: Ich habe meinen Vater vorher gewarnt vor diesem Dreh. Ich sagte ihm: "Weißt du eigentlich, auf was du dich einlässt?" Ich wusste, dass das saumäßig anstrengend wird. Auch weil mir klar war, dass wir sehr viel an unseren Dialogen feilen würden. Aber - mein Vater wollte es unbedingt.

Howard Carpendale: Es war intensiv, aber es hat auch viel Spaß gemacht. Ich habe gelernt, dass mein Feuer, neue Dinge ausprobieren zu wollen, auch mit 66 Jahren noch sehr hell in mir brennt.

teleschau: Haben Sie im wirklichen Leben eigentlich eine enge Vater-Sohn-Beziehung?

Howard Carpendale: Was ist eng? Und ist eng immer gut? Wayne ist auf jeden Fall einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Und auch wenn das jetzt nach Kitsch klingt - ich könnte mir keinen besseren Sohn wünschen. Obwohl ich mir nie den besten Sohn der Welt gewünscht habe. Sehen Sie, ich habe zwei Söhne. Mein zweiter Sohn ist elf Jahre jünger als Wayne. Mit ihm habe ich auch ein sehr liebevolles, aber anderes Verhältnis. Bei Wayne und mir war es immer so, dass wir uns auch als dicke Freunde sehen. Wir haben den gleichen Geschmack in vielen Dingen.

teleschau: Sind Sie denn zufrieden mit Ihrem Vater?

Wayne Carpendale: Klar. Mein Vater hat sich und seinen Erziehungsstil zwar immer sehr kritisch gesehen, aber ich finde nicht, dass er damit Recht hat. Er hat mir alle Freiheiten gegeben, mir aber auch gleichzeitig Grenzen aufgezeigt. Und zwar nicht durch Regeln, sondern indem er mir seine eigenen Grenzen vorlebte und sich nie verstellte. Das ist für mich die beste Erziehung, die ich mir vorstellen kann.

Bereich television
Branche Schauspieler

weiterführende Links:


Howard und Wayne Carpendale
In "Lebe dein Leben" umschiffen Howard (links) und Wayne Carpendale die Kitschklippen haarscharf, aber gekonnt. Ihr Charme macht die ARD-Schmonzette "Lebe dein Leben" sehenswert. ARD Degeto / Tivoli Film / G. Pauly
Howard und Wayne Carpendale
"Mein Vater hat mir alle Freiheiten gegeben, aber auch gleichzeitig Grenzen aufgezeigt" sagt Schauspieler Wayne Carpendale. ARD / Jo Bischoff
Howard und Wayne Carpendale
"Ich könnte mir keinen besseren Sohn wünschen", sagt Schlagerikone und Nachwuchsschauspieler Howard Carpendale. ARD Degeto / Tivoli Film / G. Pauly
Howard und Wayne Carpendale
"Ich habe in einer Zeit gesungen, da man im Musikgeschäft viele Kompromisse eingehen musste": Schmusesänger und Kitschverächter Howard Carpendale stand erstmals mit Sohn Wayne vor der Kamera. Manfred Esser / Koch Universal
Howard und Wayne Carpendale
Mein Vater, der Therapeut: Im Film "Lebe dein Leben" schickt Jonathan (Howard Carpendale, links) seinen Sohn Finn (Wayne Carpendale) gemeinsam mit der hübschen Caro (Luise Bähr) auf Seereise. ARD Degeto / Tivoli Film / G. Pauly
Howard und Wayne Carpendale
Meldete sich im Februar 2011 mit dem neuen Album "Das alles bin ich" zurück: Howard Carpendale. Christian Barz / Koch Universal
03.02.2012


termine22besenkalenderverkehrspiele



Archivsuche