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Cécile de France
Diemuth Schmidt (teleschau - der mediendienst)
Oft burschikos, aber sympathisch wie das Mädchen von nebenan, hat Cécile de France seit ihrem internationalen Durchbruch mit "L'auberge espagnole" (2002) immer wieder überrascht. Clint Eastwood holte die in den USA völlig unbekannte Belgierin für seinen Film "Hereafter - Das Leben danach" (2010) nach Hollywood, und mit Gérard Depardieu lieferte sie sich schon 2006 mit "Chanson d'Amour" ein Schauspiel-Duell. Den neuen Film von Luc und Jean-Pierre Dardenne, "Der Junge mit dem Fahrrad", sollte Cécile de France auf eine ganz andere Art zum Leuchten bringen. Was ihre Landsmänner von ihr verlangten, darüber spricht sie unter anderem im Interview.
Cécile de France: Den "echten" Belgier gibt es nicht. Das Land wurde immer wieder besetzt, unter anderem von Römern, Spaniern und Holländern. Und mein Ursprung scheint in Frankreich zu liegen.
teleschau: Die Dardenne-Brüder, mit denen Sie "Der Junge mit dem Fahrrad" gedreht haben, sind die international bekanntesten Aushängeschilder des belgischen Kinos.
de France: Die beiden zeigen unser Land auf eine realistische Art, die ich sehr mag. Ich bin stolz darauf, Belgierin zu sein und drehe gerne dort. Allerdings hätte ich nie gedacht, dass ich mal in einem ihrer Filme mitspielen kann. Das schien verpasst, denn sie arbeiten eigentlich immer nur mit Laien.
teleschau: Wie haben Sie auf das Angebot, die Samantha zu spielen, reagiert?
de France: Ich war sehr, sehr überrascht und fühlte mich sehr geehrt. Beim Drehbuchlesen sah ich dann den Film schon vor mir, denn sie sind sehr genau beim Schreiben. Und ich wusste, dass ich nicht die Hauptfigur sein werde, denn es gibt bei ihnen nur einen Helden, dem die Kamera immer folgt.
teleschau: Und das war hier Thomas Doret. Wie war die Zusammenarbeit mit einem 13-Jährigen?
de France: Ich habe ihn nicht wie ein Kind behandelt, sondern wie einen jungen Erwachsenen. Ich kam mir nicht überlegen vor. Im Gegenteil, er hatte mir zwei Sachen voraus: Als Hauptfigur verbrachte er viel mehr Zeit mit den Dardennes und wusste viel besser als ich, wie der Film wird. Und er ist ein Laie. Wenn man mit den beiden arbeitet, ist das ein Vorteil: Als unbeschriebenes Blatt kann man die Regieanweisungen besser umsetzen.
teleschau: Was hieß das für Sie als Schauspiel-Profi?
de France: Ich musste viel vergessen und habe einen Monat lang bei den Proben daran gearbeitet, keinen Charakter zu erschaffen. Das war wie eine Übung auf der Schauspielschule, wenn der Lehrer von einem verlangt, neutral zu sein. Ich habe mich darauf eingelassen und es war eine bereichernde Erfahrung auch für meine zukünftige Entwicklung als Schauspielerin.
teleschau: Aber warum wollten die Dardennes ein solches Neutrum?
de France: Die Geschichte ist ein modernes Märchen und ich die Fee darin. Und Feen haben in Märchen auch keine Vergangenheit oder Familie, die sie zu dem gemacht haben, was sie sind. Die Dardennes haben mich für mein Gesicht, meine Stimme und meinen Körper ausgesucht. Ein Mensch, der für sie nicht das Leid der Welt auf seinen Schultern trägt, so wie die von ihnen erfundene Samantha.
teleschau: Fiel es Ihnen schwer, sich darauf einzulassen?
de France: Nein, denn ich handle sowieso lieber instinktiv als intellektuell. Ich habe den beiden vertraut. Ich verstehe meinen Beruf als Schauspielerin so, dass ich ein Werkzeug für den Regisseur bin und mich dem anpasse, was gewünscht wird.
teleschau: Das klingt sehr bodenständig und professionell.
de France: Das liegt vielleicht an meiner belgischen Herkunft und passt auch zu den Dardennes. Mit ihnen zu filmen bedeutet auch, sehr hart zu arbeiten. Es wurde viel geprobt und alles musste bis ins kleinste Detail abgestimmt werden. Da darf man kein Wort einbringen oder improvisieren. Am Set gab es keinen Friseur und die Visagistin war auch schon ganz frustriert, weil sie nichts zu tun bekam.
teleschau: Da darf man kein verwöhntes Glamour-Girl sein ...
de France: Ich nehme mich selbst nicht so wichtig. Der Rummel am roten Teppich ist nicht meine Spezialität, aber ich versuche, ihn trotzdem zu genießen. Ich spiele das Spiel mit, weil es wichtig ist für meinen Beruf, aber eigentlich liegt es mir nicht. Und Partys feiere ich lieber mit Leuten, die mir wirklich nahe sind.
| Bereich | kino |
| Branche | Schauspielerin |
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