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Linkin Park - A Thousand Suns (Alternative-Rock/Elektro)
Stefan Weber (teleschau - der mediendienst)
Wer, wenn nicht eine der erfolgreichsten Rockbands der letzten zehn Jahre, kann es sich erlauben, die künstlerische Messlatte hoch anzusetzen? "Ehrliche Kunst" wollen Linkin Park laut eigener Aussage mit ihrem vierten Album abliefern. Die Fesseln kommerzieller Erwartungen abwerfen. Eine Reise ins kreative Ungewisse antreten. Alles große Worte, die in einer Art Manifest dem Album im Booklet vorangestellt sind. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass die US-Band dem auch Taten folgen lässt: "A Thousand Suns" markiert einen musikalischen Wendepunkt für Linkin Park, der Fans der ersten Stunde ratlos zurücklassen könnte.Denn die Band ignoriert so ziemlich jede Schublade, in die man sie früher fast ohne Bedenken stecken konnte. Nu-Metal? Tatsächlich dauert es bis zu Track neun, "Blackout", bis Linkin Park richtig in die Gitarrenseiten dreschen und Sänger Chester Bennington unnachgiebige Schreilaute von sich gibt. Klar: Linkin Park arbeiteten schon immer eher mit atmosphärisch-dichten, fast klaustrophobischen Breitwandsounds als hemmungslos kraftmeierische und plumpe Riffs aneinanderzureihen wie es etwa die "Kollegen" von Limp Bizkit taten. Eine Überraschung ist es dennoch.
Ähnliches gilt für die Rapsongs des Albums: Bei "When They Come For Me" bilden Tribal-Rhythmen das Grundgerüst für den Titel, bei "Wretches And Kings" werden die Gitarren so weit verzerrt und verfremdet, dass am Ende ein höchst synthetischer Industrial-Track steht, über den Mike Shinoda gewohnt seine Verse schleudert. Crossover? Ist das kaum noch zu nennen.
Die entstehenden Lücken, die sich aus dem hörbaren Rückzug der Gitarren ergeben, füllen Linkin Park mit emotional und politisch aufgeladenen Samples (aus Reden von Studentenprotest-Führer Mario Savio, Atomphysiker Robert Oppenheimer und Bürgerrechtsikone Martin Luther King), experimentellen Skizzen und - Pop. Richtig gelesen: Pop. Jener mag im Fall von "Robot Boy" auf Drumcomputer-Beats entlanglaufen, Melodie führend ist jedoch das Piano. Genauso wie bei "Iridiscent", das sich in seinem fünfminütigen Verlauf zur pathetischen Mutmachhymne à la U2 oder The Killers entwickelt - großer Chor und The-Edge-Gedächtnissolo inklusive.
So weit, so mutig. Das Problem von "A Thousand Suns" ist allerdings, dass das Album nach Wunsch der Band "als Ganzes" verstanden werden soll. Bei der durchaus schlüssig durchdachten Aneinanderreihung fehlen aber ein ums andere Mal wirklich zündende Songideen, Hooks und Melodien. Aber vielleicht lassen sich diese ja auch eher mit der Zeit entdecken. Denn um sich mit "A Thousand Suns" anfreunden zu können, werden die Fans wohl ohnehin eine Weile brauchen.
Linkin Park auf Deutschland-Tournee
20.10., Berlin, O2 World
22.10., Stuttgart, Schleyerhalle
27.10., Köln, Lanxess Arena
29.10., Hamburg, O2 World
02.11., Frankfurt, Festhalle
| Label | Warner Bros. |
| Vertrieb | Warner |
| Erscheinungsdatum | 10.09.2010 |
| Genre | Alternative-Rock/Elektro |
| Bewertung | überzeugend |
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