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Karl Seglem - Reik (Jazz)
Alfons Marian (teleschau - der mediendienst)
"Verdaustig war's und glasse Wieben rotterten gorkicht im Gemank, gar elump war der Pluckerwank und die gabben Schweisel frieben." Es ist feucht und kalt, die klare Luft duftet nach Holz und Moos. Es herrscht Friede. Da kommt ein Horn vorbeigedudelt. Es sieht aus, als hätten früher die Wikinger daraus gesoffen, doch diesmal führt es der Norweger Karl Seglem an den Mund. Um zu spielen, ihm Töne wie aus einem Saxofon zu entlocken. Und wie er so spielt, macht sich ein Rhythmus auf, mit Bässen aus dem Sumpf und einem verspielten Geklingel wie Irrlichtern."Reik" heißt Seglems neues Album, ein altnorwegisches Wort für "in Bewegung sein". Und wie schon auf seinem vorhergehenden Werk "Femstein", das erst im Februar in Deutschland erschien, lässt Seglem Bilder entstehen, wie sie auch Lewis Carrolls Fantasiegedicht vom Zipferlak-Monster in Worte fasst: absurd, aber treffend. Niemand weiß, was glasse Wieben sind, und warum - inmitten des elumpen Pluckerwanks! - ausgerechnet die Schweisel frieben. Aber vor dem inneren Auge öffnet sich eine düstere Moorlandschaft, und der Morast, in dem wir knöcheltief versinken, ist mit schwülem Grün überwuchert.
Ebenso wild verwachsen sind Seglems Klanggemälde. Auch hier verstehen wir nicht jedes Wort der musikalischen Sprache, aber wissen sofort, was er meint. Vertraut ist allenfalls mal eine Gitarre oder Fidel hier und da, sonst gibt es nichts, was in der deutschen Musikfauna heimisch wäre. Diese Klänge sind grün und weit, die Feuchtigkeit aus der kalten Luft klettert langsam die Hosenbeine hinauf. Doch bevor es ungemütlich wird, sind da die Melodien aus Seglems Hirtenhorn, die das Dickicht beiseite klingen, um einen Sonnenstrahl, dampfend und warm, an uns heranzulassen. Das ist schwermütig, fremd und schön. So wie wir uns den Norden selbst dann noch herbeisehnen, wenn schon der Herbst Einzug hält.
| Label | Ozella |
| Vertrieb | Ozella |
| Erscheinungsdatum | 07.10.2005 |
| Genre | Jazz |
| Bewertung | Überzeugend |
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