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Service: Ein Klick Kompetenz?
Annekatrin Liebisch (teleschau - der mediendienst)
Zwei Jahre lang klagte sich eine Pädagogin aus Moers durch mehrere Instanzen, weil sie ihre Persönlichkeitsrechte durch eine schlechte Bewertung auf www.spickmich.de verletzt sah. Ihren Schülern, die auf der Lehrerbewertungsseite anonym Schulnoten verteilten, war ihr Deutschunterricht nur eine wenig schmeichelhafte 4,3 wert. Doch damit wird die Geschmähte wohl leben müssen: Der Bundesgerichtshof entschied nun, dass die Lehrerzeugnisse eine Form der freien Meinungsäußerung darstellen und deshalb legitim seien. Die AOK ist ganz Ohr ...
Noch bevor die Richter in Karlsruhe ihr Urteil fällten, kündigte die Krankenkasse an, mit dem "AOK Ärzte-Navigator" ein Bewertungssystem für Mediziner einführen zu wollen. Ähnlich den Pennälern, die bei www.spickmich.de unter anderem Fairness, Unterrichtsvorbereitung und Menschlichkeit ihrer Pauker in Zahlen fassen dürfen, sollen Patienten künftig ihre Ärzte beurteilen.Eine gute Idee, befand SPD-Politikerin Elke Ferner in einer themenbezogenen Diskussion bei Maybritt Illner, während Bundesärztekammervertreter Frank-Ulrich Montgomery ein anonymes Ranking aus Furcht vor "anekdotischen Extrembewertungen" ablehnte. Hitzig diskutierten beide Seiten, ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen - nur kurz wurde darauf verwiesen, dass im Netz bereits mehrere Plattformen dieser Art existieren.
So rief das Nachrichtenmagazin "Focus" beispielsweise die Seite www.jameda.de ins Leben, auf der die Internetgemeinde die Qualität ihrer Doktoren in Kriterien wie Wartezeit, Behandlung oder Sprechstundenzeiten in Schulnoten fassen dürfen. Unter www.klinikbewertungen.de werden - wie der Domainname schon verrät - gar ganze Krankenhäuser verarztet. Warum nun also die ganze Aufregung um das geplante AOK-Portal?
Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass selbiges von Beginn an ein großes Publikum anspricht: Egal, welchem Thema oder welchem Berufsstand sich ein Rankingportal widmet, in der Regel beteiligen sich zu wenige Nutzer aktiv am Bewertungssystem, um dieses wirklich repräsentativ erscheinen zu lassen. Sucht man beispielsweise auf www.friseurbewertungen.com einen Stylisten in Bayern, findet sich lediglich ein Eintrag eines Münchner Salons - und das, obwohl München eine der vielen Städte ist, die die größte Friseurdichte der Republik für sich beanspruchen möchte. Ähnlich sieht es auf den bisher existierenden Ärzteportalen aus: Nur ein Bruchteil der in der Datenbank aufgeführten Mediziner wurde bisher bewertet.
Da die AOK jedoch rund ein Drittel der Deutschen zu ihren Versicherten zählt, wäre der "Ärzte-Navigator" wahrscheinlich die erste Plattform, die tatsächlich von der breiten Masse wahrgenommen wird. Doch ist die breite Masse wirklich qualifiziert, die Fähigkeiten des Behandelnden einzuschätzen? Schlägt sich der Frust über eine nicht genehmigte Kur postwendend in eine Negativbewertung um?
Beim Präzedenzfall www.spickmich.de scheint dies nicht der Fall zu sein: Extreme Bewertungen tauchen selten auf, sodass man annehmen kann, dass die meisten Schüler ihre Lehrer durchaus sachlich beurteilen. Auch die Studentenvariante www.meinprof.de, bei der die Evaluierung von Hochschulen und Dozenten im Vordergrund steht, fällt nicht durch überzogene Kritiken auf. Dennoch sollte man davon absehen, diesen Trend auf andere Portale umzumünzen: Wird ein Lehrer online abgestraft, ist das für ihn ärgerlich, hat aber nicht unbedingt Einfluss auf seinen Beruf - die Schüler müssen so oder so am Unterricht teilnehmen. Lässt ein Patient aus einer Laune heraus seinen Frust per Mausklick ab, könnten qualifizierte Ärzte bald in leeren Sprechzimmern stehen.
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