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Computer - Internet: Wer ist eigentlich Twitter?
Annekatrin Liebisch (teleschau - der mediendienst)
Das niedliche kleine Vögelchen wird dicker und dicker: Geschätzte 25 Millionen Menschen sollen mittlerweile einen Account bei Twitter besitzen - und dabei soll es nicht bleiben, wie im Blog TechCrunch durchsickerte. Eine Milliarde User will der Mikro-Blogging-Dienst bis 2013 gewinnen, erfuhr die Internet-Gemeinde kürzlich aus internen, laut Unternehmen nicht mehr aktuellen Dokumenten, die ein Hacker Twitter-Mitbegründer Evan Williams virtuell abknüpfte. Während seitdem die ehrgeizigen Zukunftspläne diskutiert werden, beschäftigte sich ein Marktforschungsunternehmen mit der Gegenwart des zwitschernden Mediums.
11,5 Millionen Accounts durchforsteten Alex Cheng und Mark Evans um für den Medienanalysten Sysomos herauszufinden, wer das Vögelchen eigentlich mit Futter versorgt. Ein aufwendiges Unterfangen, für welches sie wohl vor allem von Werbern Dankes-Tweets bekommen werden. Denn dank "Inside Twitter" können sie nun die Zielgruppe des schnell wachsenden Mediums klarer definieren.Dass der Großteil der Nutzerschaft noch recht jung ist, überrascht nicht wirklich: Zwei Drittel der untersuchten Accounts gehörten Menschen unter 25, der typische Nutzer sei laut Studie 20 Jahre alt. Genauer formuliert, die typische Nutzerin, denn mit einem Anteil von 53 Prozent haben die Frauen knapp die Nase vorn. Ein Wert, der weit vom Ergebnis der ersten deutschen Twitterstudie entfernt ist: Im März 2009 kam Thomas Pfeiffer auf twitterumfrage.de zu dem Schluss, dass der Blogdienst im deutschsprachigen Raum zu 74 Prozent von Männern gespeist wird.
Ein Grund für diese große Schere könnte sein, dass Pfeiffer seine Umfrage auf die Angaben von rund 2.500 Menschen stützte. Ein anderer wäre wohl, dass Deutschland in Sachen Twitter im internationalen Vergleich kaum eine Rolle spielt: Laut Mitgliederzählung stammen rund 62 Prozent der "neuen User" aus den USA mit der heimlichen Twitter-Hauptstadt New York, Großbritannien folgt mit etwa acht Prozent auf Platz zwei. Ihr vergleichsweise geringes Mitteilungsbedürfnis brachte den Deutschen mit 1,5 Prozent Platz sechs ein. Bemerkenswert: Mit 2,0 Prozent twittert Schwellenland Brasilien dem Exportweltmeister den Rang ab.
Wann ein Nutzer des drei Jahre alten Blogsystems als "neu" gilt, wird in der Studie nicht näher benannt, wohl aber, wann die meisten Singvögel ihren Einstand gaben: Die größte Beitrittswelle erfolgte demnach im März 2009, wobei Juni 2009, in dem heftig diskutierte Ereignisse wie die Wahl im Iran und der Tod Michael Jacksons die Welt ins Netz zog, im Datensatz noch nicht berücksichtigt wurde.
Was aber tun 20-Jährige Twitternutzerinnen, die sich im März anmeldeten und in New York leben, werden Werbeexperten nun fragen. Die ernüchternde Antwort: in der Regel nichts. Glaubt man Cheng und Evans, haben 21 Prozent der User noch nie einen Tweet verfasst. Drei Viertel der Inhalte, die im Web gezwitschert werden, stammen aus den Tasten einer fünf Prozent starken Gruppe Hardcore-Twitterer. Schlimmer noch: Sowohl Thomas Pfeiffer als auch das Hamburger Marktforschungsunternehmen Fittkau & Maaß erkannten, dass die meisten Twitterer aus der Medien-, IT- oder Werbebranche stammen. Während Mikroblogging dort als das nächste große Ding gehandelt wird, scheinen "normale" Menschen noch tweetlos glücklich zu sein.
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