Computer - Internet: Sport am PC

Daniel Heim (teleschau - der mediendienst)

Für den Deutschen Sportbund (DSB) ist die Sachlage eindeutig. E-Sport kann nicht als offizielle Sportart anerkannt werden, weil beim Spiel mit Maus und Tastatur der physische Charakter nicht ausreichend berücksichtigt werde. Dass das Schachspiel, als reiner Denksport als Sportart anerkannt wurde, sei für die DSB-Verantwortlichen eine historische Ausnahme. Andere Länder wie Brasilien oder China sehen das Spiel mit dem Rechner lockerer und nahmen das netzwerkbasierte Spielen in ihre jeweiligen Verbände auf. Doch: Den hohen Grad an Professionalisierung innerhalb der Gamer-Gemeinschaft mit eigenen Verbänden, Ligen und zum Teil hoch dotierten Turnieren wird der DSB womöglich nicht ewig ignorieren können. Professionelle Computerspieler - Pro-Gamer - gibt es längst nicht mehr nur in Südkorea, wo Computerspiel-Wettkämpfe die Massen vor den Fernseher locken, wie es hierzulande nur Fußball-Übertragungen schaffen.

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Wer kein Koreanisch versteht, ist aufgeschmissen. Dennoch ist die Darstellung des Starcraft-Spielers Lim Yo Hwan als Popstar unverkennbar. www.cafe.daum.net/yohwanfan
Dass ausgerechnet der frühere kleine Tiger-Staat zum Ausgangspunkt für das hauptberufliche Spielen wurde, liegt vielleicht auch in der hohen Technologieakzeptanz innerhalb der Bevölkerung begründet. Tatsächlich wurden Ende der 90er-Jahre in Folge der Asienkrise in Südkorea Breitbandanschlüsse und die Anschaffung von privaten PCs subventioniert, um den technologischen Fortschritt voranzutreiben. Die Anzahl der Haushalte mit internetfähigen Rechnern wuchs um ein Vielfaches, gerade zur Freude der jungen Generation, für die Computerspiele seit Jahren schon zum festen Kulturgut gehören.

Einer der ersten Stars der Pro-Gamer-Szene war folglich ein Südkoreaner: Lim Yo Hwan besitzt sogar einen ausführlichen Wikipedia-Eintrag und stellt sich auf der koreanischen Website www.cafe.daum.net/yohwanfan vor. Als Online-Spieler ist er eine Ikone, er wird gefeiert wie ein Popstar. Bis das Echtzeit-Strategiespiel "Starcraft 2000" auf den Markt kam, wollte Lim Fußballspieler werden - dann tauschte der Teenager Fußballschuhe gegen Maus und Pad und wurde zum Megastar. Was für viele Eltern in Europa die reinste Horrorvorstellung ist, verdient in vielen asiatischen Ländern Anerkennung. Dort dürfte auch der Versuch der deutschen Politik, bestimmte Computerspiele zu verbieten, höchstens für Kopfschütteln sorgen.

Aber auch in Europa hat sich, fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit eine professionelle Szene entwickelt. Im nationalen Rahmen gilt die ESL Pro Series (www.esl.eu/de) als höchste Spielklasse von amtlichen Spielern, vergleichbar etwa mit der Fußball-Bundesliga. Die Disziplinen hier sind so vielfältig wie die PC- und Konsolenspiele, die auf dem Markt landen. Der Zugang steht zunächst jedem geneigten Gamer offen. Zum Pro-Gamer steigt aber nur auf, wer ein wichtiges Turnier für sich entscheiden kann, für das er sich selbstverständlich zunächst qualifizieren muss.

Das Regelwerk für die Spiele in Deutschland legt der ESB, der Deutsche E-Sport Bund fest. Der im Dezember 2004 von Rene Korte, Holly D. Kreie, Ralf Reichert und Frank Sliwka gegründete Verein sieht sich, neben seiner sportpolitischen Verantwortung, auch als Repräsentant aller "E-Sportler" der Öffentlichkeit gegenüber verpflichtet. Die Website www.e-sb.de zeigt alle amtierenden Deutschen Meister in den verschiedenen Disziplinen wie "Counterstrike", "Warcraft" und "Fifa".

Zweifelsohne ist der Ego-Shooter "Counterstrike" eines der umstrittensten, aber auch erfolgreichsten Computerspiele aller Zeiten. Auf www.store.steampowered.com, der offiziellen Seite, können sich die Kommando-Jünger und Sportler mit dem nötigen Datenmaterial eindecken. Neben der Einmannkampfsimulation gilt "World of Warcraft" (www.worldofwarcraft.com) als zweite große Disziplin, der auf nationalen und internationalen Turnieren wie etwa den jährlich ausgetragenen World Cyber Games (www.wcg-europe.com/de) große Aufmerksamkeit zukommt. Ein wenig abgeschlagen - Sportspiele sind in der Gamer-Community eher verpönt - ist die Fussball-Simulation Fifa (www.fifa09.ea.com), die aber seit 2000 regelmäßig bei dem großen, internationalen und dank Sponsoren hoch dotierten Turnier gezockt wird.

Mit dem Einsatz zur Anerkennung des E-Sports als offizielle Sportart setzt sich der ESB hehre Ziele. Ansatz könnte zunächst sein, Computerspielen den Beigeschmack der sinnlosen Zeitvergeudung und der schädlichen Wirkung für die Heranwachsenden abzustreifen, demnach die positiven Eigenheiten des Zockens zu kommunizieren. Trainiert werden beim Spielen die Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit sowie räumliches Orientierungsvermögen ... und Biss. Allesamt Eigenschaften, die eine echte Sportart kennzeichnen.

weiterführende Links:


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Die "Counterstrike"-Seite richtet sioch an Anhänger des Ego-Shooters. www.store.steampowered.com
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Bilder vom neuen Fifa-Spiel gefällig? www.fifa09.ea.com präsentiert schon mal die ersten Screenshots. www.fifa09.ea.com
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Die ESL Pro Series gilt als höchste nationale Liga. www.esl.eu
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Ähnlich wie der DFB für den Fußball, ist der ESB zuständig für sportpolitische Strukturen beim E-Sport. www.e-sb.de
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Die World Cyber Games gelten als eines der relevantesten internationalen Turniere. www.wcg-europe.com/de
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Nur "Counterstrike" hat mehr Spieler als "World Of Warcraft". www.worldofwarcraft.com


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