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Computer - Internet: Mit fünf im Urwald
Annekatrin Liebisch (teleschau - der mediendienst)
Lesen können sie zwar noch nicht, surfen jedoch schon: 21 Prozent der Vier- bis Sechsjährigen sollen bereits fleißig den Internetzugang in ihrem Elternhaus nutzen. Zu diesem Schluss kam der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in einer gemeinsamen Studie mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Obwohl sich die Bundesregierung kürzlich über exzessive Internetnutzung Gedanken machte, beobachtet sie das Heranwachsen der WLAN-Zwerge relativ gelassen. Jedenfalls unter bestimmten Voraussetzungen.
Sandkastenfreundschaften gehören wohl bald der Vergangenheit an: Die Generation 2.0 trifft sich nicht mehr auf Spielplätzen. Oder nur dann, wenn es zuvor per Messenger ausgemacht wurde. 96 Prozent der befragten Kids ab 14 Jahren fanden bereits Freunde im Netz, 90 Prozent kommunizieren per Messenger oder Onlinenetzwerk. Zugegeben, die meisten Zehn- bis 17-Jährigen, aus deren Angaben sich die Werte ergaben, dürften aus dem Spielplatzalter heraus sein. Aber die 71 Prozent große Gruppe der surfenden Sieben- bis Zehnjährigen ist es definitiv nicht.BITKOM-Präsident Dr. August-Wilhelm Scheer zeigt sich begeistert von den klickenden Kids: "Junge Leute sind Pioniere des Web 2.0. Bei interaktiven Angeboten sind sie doppelt so aktiv wie der Durchschnitt. Sie sind die Digital Natives, die digitalen Ureinwohner." Doch bei allem Enthusiasmus weiß auch er, dass selbst Ureinwohner sich manchmal im Dschungel verirren. Zum Glück stehen die meisten Entdecker nicht allein da: "Nur jeder sechste Elternteil sagt: Ich mische mich grundsätzlich nicht ein. Das ist eine wirklich gute Nachricht. Eine Mehrheit begleitet ihren Nachwuchs zwischen sieben und 17 Jahren im Web", stellt Scheer zusammenfassend fest.
Ob durch Zeitbeschränkungen, Jugendschutzsoftware oder Gespräche, die Mehrheit der Eltern versucht, ihre Kinder über die Gefahren des World Wide Web aufzuklären. Denn Mobbing, Gewalt und Kriminalität lauern bekanntlich auch in der virtuellen Welt. "Es muss unser gemeinsames Anliegen sein, dass der Jugendschutz nicht im Cyberspace abgehängt wird", befand Familienministerin Ursula von der Leyen. Deshalb empfehlen der Verband und das Bundesministerium eine umfassende Internetbegleitung, deren Richtlinien auf www.bitkom.org abrufbar sind.
Darin liegt das Hauptaugenmerk vor allem auf einem Aspekt: Kommunikation. Zwar sprechen sich beide Institutionen auch für eine Begrenzung der Internetzeit aus, doch diese sollte unbedingt durch Gespräche über die Webnutzung ergänzt werden: Wie viel darf man im Netz über sich preisgeben? Warum drohen Strafen, wenn man Musik herunterlädt? Wieso sollte man sich nicht mit unbekannten Chattern verabreden?
Doch nicht nur über Fragen des Urheberrechts, Jugendschutzes und der Privatsphäre müssen Eltern und Kinder achten. Auch Hacker wissen um die Netzbegeisterung der jüngeren und versuchen daraus Profit zu schlagen. So lauerten laut einer Studie des Virenschutzanbieters McAfee im Jahr 2008 hinter dem Suchbegriff "schüler vz" die meisten Möglichkeiten, sich einen Computervirus zuzuziehen. Auf dem zweiten Platz landete "DSDS".
Dafür sorgt das Gesundheitsrisiko der Internetnutzer nun nicht mehr für so viel Kopfzerbrechen wie noch vor einigen Wochen: Nachdem Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing in diesem Jahr erstmals Online- und Computersucht in den jährlichen Drogenbericht der Regierung aufnahm, fand man an der Berliner Humboldt-Universität kürzlich heraus, das lediglich 1,4 Prozent der 12- bis 19-Jährigen der digitalen Welt auf bedenkliche Art und Weise verfallen seien.
Auch Scheer ist nicht der Ansicht, dass die Web-Kids den Anschluss zur realen Welt verlieren: "Gerade bei beliebten Communitys wie SchülerVZ oder Facebook gehen Web-Freundschaften aufs Engste einher mit dem 'realen Leben'. Es gibt für Jugendliche gar keinen Widerspruch zwischen 'realem' und 'virtuellem' Leben. Beides ist längst verschmolzen", erklärt der BITKOM-Chef. "Schulzeit und Freizeit, Klassenverbände und individuelle Freundschaften werden im Internet gespiegelt. Was dort stattfindet, ist auch: Realität."
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