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Computer - Internet: Die Piraten verkaufen ihr Schiff
Annekatrin Liebisch (teleschau - der mediendienst)
Auch wenn es vor Gericht für sie nicht wirklich gut laufen will, um eine Kleinigkeit müssen sich die Betreiber von The Pirate Bay nun keine Gedanken machen: Falls sie auch in der Berufung scheitern sollten, können die vier Schweden zumindest die bereits über sie verhängte Geldstrafe von 30 Millionen Schwedischen Kronen (2,75 Millionen Euro) problemlos abstottern. Denn exakt diese Summe plus Gegenwert in Aktien erhalten die Piraten von der Global Gaming Factory für den Verkauf der berühmt-berüchtigten BitTorrent-Trackerseite, die wohl bald die Segel streichen wird.
Doch wirklich beruhigt scheinen die Nutzer der heftig umstrittenen Torrentbörse nicht: "Kapitalisten" ist wohl die netteste Beschimpfung für die flüchtigen Piratenführer, "Verräter" die häufigste. Denn mittlerweile gaben auch die neuen Kapitäne ihr Statement ab und benutzten darin das gefürchtete L-Wort: Legal.
"The Pirate Bay ist eine von den 100 weltweit meistbesuchtesten Internetseiten. Trotzdem benötigt sie ein neues Geschäftsmodell, um weiterzuleben. Eines, das den Ansprüchen aller Parteien genügt: Inhaltlieferanten, Netzanbietern, Endnutzern und Justiz. Urheber müssen Kontrolle über ihre Inhalte haben und dafür bezahlt werden. Filesharer wollen hingegen schnellere Downloads und bessere Qualität", ist Hans Pandeya, Chef der Global Gaming Factory überzeugt.
Falls Pandeya das tatsächlich ernst meint, setzte er soeben eine Menge Geld in den Sand. Denn über Downloadgeschwindigkeiten und Datenqualität wird sich die verschworene Pirate-Bay-Gemeinde angesichts Nutzungsgebühren wohl genauso begeistert zeigen wie echte Piraten über Glasperlen. Ein Wort blitzt in ihrem Unterbewusstsein auf. Ein Wort, das schlimme Erinnerungen weckt: Napster.
Sage und schreibe 80 Millionen Nutzer sollen bei der Mutter aller Tauschbörsen registriert gewesen seien, bevor sie 2001 nach langem Rechtsstreit umstrukturiert wurde. Napster wagte den Schritt in die Legalität - die Community jedoch nicht. 2007 verzeichnete der nun kostenpflichtige Musikanbieter gerade einmal 830.000 Mitglieder. Seither gab das Unternehmen keine neuen Zahlen mehr bekannt.
Und auch im Fall Pirate Bay werden nach den Kapitänen wohl auch die Ratten das sinkende Schiff verlassen: Natürlich wollen die Besucher der Seite Filme, Serien und Musik. Gern auch in hoher Qualität und schnell verfügbar. Aber dafür zahlen? Da könnten sie ja auch in einen Laden gehen wie jeder andere auch. Und das entspricht nun gar nicht dem Wesen eines Piraten. Salutschüsse dürften hingegen von den Klägern aus der Medienindustrie abgefeuert werden. Die können nun beruhigt ihre Anwälte zurückpfeifen, sich zurücklehnen und vergnügt den Untergang beobachten.
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