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Computer - Internet: Datenschutz für Selbstdarsteller
Annekatrin Liebisch (teleschau - der mediendienst)
Verbraucherschützer haben derzeit alle Hände voll zu tun: Nachdem sie bereits den Analog-Käse medienwirksam verdammten, wenden sie sich nun wieder der digitalen Welt zu: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) teilte mit, Unterlassungsverfahren gegen mehrere soziale Netzwerke in die Wege geleitet zu haben. Facebook, myspace, Lokalisten und Co. würden ihre Nutzer im Hinblick auf Datenschutz benachteiligen, befand die Organisation. Nur scheinen die meisten das nicht zu wissen.
Ob Lokalisten, Facebook oder Wer-Kennt-Wen, stets wird in den Datenschutzerklärungen der Communitys eingeräumt, dass Nutzerdaten gespeichert und an Dritte weitergegeben werden. Genutzt werden diese, um Werbung auf den Seiten möglichst genau an die individuellen Vorlieben des Users anzupassen. "Wenn du beispielsweise einen Lieblingsfilm zu deinem Profil hinzufügst, werden wir dir wahrscheinlich eine Werbeanzeige zeigen, welche die Vorführung eines ähnlichen Films in deiner Stadt hervorhebt", erklärt Facebook in seinen Datenschutzrichtlinien.
Mit dieser Erläuterung ist die Plattform in Sachen Information schon sehr weit vorn. Dennoch reiche es nicht aus, um Mitglieder umfassend aufzuklären: "Sie sind überfordert, sich mit den Bestimmungen inhaltlich genau auseinanderzusetzen", findet Verbraucherschützerin Carola Elbrecht. "Die Betreiber müssen sicherstellen, dass Daten nur verwendet werden dürfen, wenn der Nutzer ausdrücklich einwilligt."
Das Lokalisten-Modell dürfte dabei allerdings nicht gemeint sein: Deren Datenschutzerklärung besagt, dass "personenbezogene Daten weder zu Werbezwecken noch sonstigen Zwecken an Dritte weitergegeben" werden, es sei denn, "der Nutzer hat hierzu sein Einverständnis gegeben". Und genau das tut er mit der Datenschutzeinwilligung, die nur mit Löschung des eigenen Profils widerrufen werden kann.
Für die Verbraucherschützer ist eben dieses verbreitete Alles-oder-Nichts-Prinzip inakzeptabel, denn schließlich, so vzbv-Vorstand Gerd Billen, nehme die Bedeutung sozialer Netzwerke stetig zu. 6,5 Millionen Menschen seien mittlerweile bei Wer-Kennt-Wen angemeldet, Lokalisten und die deutsche Facebook-Variante verzeichnen jeweils über drei Millionen Nutzer. Und für diese sei Datenschutz sehr wohl ein wichtiges Thema, wie eine Studie der Berliner Humboldt-Universität unlängst ergab. Die klagenden Verbrauerschützer sehen sich bestätigt.
Als erste Plattform reagierte XING auf die Beschwerde des Verbandes und versprach sofortige Besserung. Andere Netzwerke dürften es den Datenschützern schwerer machen: Während XING sich unter anderem durch Premium-Mitgliedschaftsbeiträge finanziert, sind Facebook und Co. als kostenfreie Plattformen auf die Einnahmen aus Werbung angewiesen. Darum ist nicht davon auszugehen, dass sie den Forderungen des vzbv ohne Weiteres nachkommen werden. Denn die Alternative zur Werbefinanzierung stellt die Einführung von Mitgliedsbeiträgen dar. Und gegen diese wird in Gruppen wie "We Will Not Pay To Use Facebook. We Are Gone If This Happens" bereits jetzt Stimmung gemacht. Die Nutzer wollen nichts kaufen. Aber verkaufen lassen wollen sie sich auch nicht.
weiterführende Links:
- Homepage Verbraucherzentrale Bundesverband
- Plattform Facebook
- Plattform Wer-Kennt-Wen
- Plattform Lokalisten
- Plattform XING
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