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Zuwanderer suchen neue Heimat
Von Kilian Krauth
Hier wohnte einmal die US-Militärgemeinde: Blick in die Hoover-Siedlung im Süden Heilbronns. Ihren Namen erhielt sie vor 15 Jahren.Foto: Dittmar Dirks
Region Heilbronn - Zwei Vorboten des Klimawandels markieren den Beginn und das Ende der 90er Jahre. Am 1. März 1990 tobt der Orkan Wiebke im Unterland, am zweiten Weihnachtsfeiertag 1999 reißt Lothar die Bürger aus der Festtagsruhe.Die politische Großwetterlage ist ähnlich. Der „Wind of change“, so singen die Scorpions, hat die Mauer zwischen Ost und West hinweg gefegt. Nun suchen immer mehr Menschen aus der ehemaligen DDR, Deutschstämmige aus der Ex-UdSSR, aber auch Kriegsflüchtlinge aus dem zerfallenen Jugoslawien ihr Heil in der florierenden Region Heilbronn. Kommunen richten notdürftig Sammelunterkünfte ein.
Militärareale
Im Gegenzug ziehen sich die Militärs weitgehend zurück, Kasernengebäude dienen als Asylbewerberheime. In Siegelsbach zeigt die Bundeswehr noch Flagge: mit einem Depot für ausgedientes Material. Auch im einst von der Army genutzten Teil steckt Symbolkraft, hier steht heute ein Solarkraftwerk. Die ehemalige Neckarsulmer Kaserne wird in ein neues Gewerbegebiet integriert, Heilbronn kauft dem Bund gleich vier Flächen ab. Die Waldheide wird nach dem Abtransport der letzten Atomrakete renaturiert und dient seit 1996 der Erholung. Badenerhof und Wharton Barracks werden dem Boden gleich gemacht und neu erschlossen: für Wohnen und Gewerbe. Weiter als Wohnraum dienen ehemalige „Housings“ im Süden der Stadt.
Der Bedarf ist groß. Überall wird gebaut – vor allem in neuen Stadtteilen: Plattenwald, Amorbach II, Bad Rappenau-Zimmerhof, Möckmühl-Brandhölzle. Es gibt gestalterische und soziale Reibepunkte. Manche schüren den Ausländerhass, andere organisieren Lichterketten. Die Region ist keine Insel der Seligen. Neckarwestheims Bürgermeister schafft 40 Millionen Mark ins Ausland. Ein Heilbronner Rathausmitarbeiter schädigt die Stadt um 5,7 Millionen.
Stadtbahn
Ein Traumprojekt kommt schneller als erhofft, die Stadtbahn: Von Karlsruhe her erreicht sie 1997 Eppingen und drei Monate vor der Jahrtausendwende Heilbronn. Anliegergemeinden entlang der Trasse profitieren, werden attraktiver. Im Oberzentrum setzt zwischen Bahnhof und Harmonie eine Gestaltungsoffensive ein.
Vergessen kann man den Ozonversuch, vier Mal wird er abgeblasen, die Ergebnisse des fünften verpuffen. Heiße Debatten um Müllverbrennung und Kalte Rotte schärfen immerhin das Umweltbewusstsein.
21.07.2009













