Bundesrepublik Deutschland wird 60



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 Bildergalerie: 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland
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Neue Welle und Neue Wilde

Von Uwe Grosser

Die achtziger Jahre
Sängerin Nena lässt 99 Luftballons steigen und erobert damit die Charts: HSt/dpa
Kultur - Lausige Musik, lausige Kunst, lausige Literatur, lausige Mode. Es gibt Leute, die nörgeln an den 80er Jahren nur herum. Anderen ist das völlig schnuppe. Aus ihren Stereoanlagen dröhnen heute noch Textzeilen wie „Ein Tretboot in Seenot“, „Ich lieb’ dich nicht, du liebst mich nicht“ oder „99 Luftballons“. Es sind die Jahre der Neuen Deutschen Welle, die fast alle anderen Musikrichtungen wegspült.

Es gibt zwar auch noch Synthie Pop (Depeche Mode, Eurythmics) oder New Wave (Talking Heads, The Cure), aber die NDW räumt alles ab. Nenas „99 Luftballons“ schaffen es 1983 in der deutschen Version auf Platz zwei der US-Charts, als englische Version „99 Red Balloons“ sogar auf Platz eins der britischen Charts. Und wie sieht die Jugend aus? Punker und Popper markieren die gegensätzlichen Pole.

Begonnen hat das Jahrzehnt für die Musikwelt tragisch: John Lennon wird am 8. Dezember 1980 in New York erschossen. Erschütternd ist auch die Mitte des Jahrzehnts: Modern Talking startet 1985 mit „You’re My Heart, You’re My Soul“ seinen Angriff auf den guten Musikgeschmack – mit Erfolg.

Süskinds Erfolgsroman

Die deutsche Literatur bringt einen Erfolgsroman hervor, wie ihn bis heute niemand mehr geschrieben hat. Patrick Süskinds „Parfum“ stürmt 1985 auf die Bestsellerlisten. In 46 Sprachen wird das Buch übersetzt, rund 15 Millionen Exemplare sind bis heute verkauft. Ein Aufreger in der islamische Welt ist der Roman „Die satanischen Verse“ (1988) von Salman Rushdie. Nach Meinung des iranischen Ayatollah Chomeini wird darin der Prophet Mohammed verhöhnt. Es kommt zu Demonstrationen und einem Mordaufruf Chomeinis in Form einer Fatwa.

Die Jugendliteratur beschreitet neue Wege und widmet sich verstärkt gesellschaftskritischen Themen. Gudrun Pausewang gilt mit „Die Wolke“ (1987) über den Super-GAU in einem Atomkraftwerk als wichtigste Vertreterin.

Eine Erfolgssendung für Literaturfreunde startet das ZDF 1988: „Das literarische Quartett“, in dem die Kritiker Marcel Reich-Ranicki, Hellmuth Karasek, Sigrid Löffler und ein Gast sich verbal balgen.

Junge Kunst

In der bildenden Kunst lassen die Neuen Wilden aufhorchen. Namhafte Vertreter dieser subjektiven, lebensbejahenden Malerei, die sich bewusst vom Intellektualismus der 70er Jahre abwendet, sind A. R. Penck, Helmut Middendorf oder Martin Kippenberger.

Der deutsche Film bringt dagegen nur wenig Bemerkenswertes hervor. Die großen Kassenschlager sind „Das Boot“ (1981) und „Otto – Der Film“ (1985). Unter den Oscar-Gewinnern dieses Jahrzehnts sind Filme wie „Gandhi“ (1983), „Amadeus“ (1985), „Jenseits von Afrika“ (1986) oder „Rain Man“ (1989).
27.06.2009