Bundesrepublik Deutschland wird 60



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 Bildergalerie: 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland
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Friedensbewegt bis zum Mauerfall

Von Detlef Hintze

Die achtziger Jahre
Jubelnde Menschen sitzen mit Wunderkerzen auf der Berliner Mauer am 11.11.1989 Nach der Öffnung eines Teils der deutsch-deutschen Grenzübergänge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 reisten Millionen DDR-Bürger für einen kurzen Besuch in den Westen. In der Folge wurde die innerdeutsche Grenze abgebaut, seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wieder vereint. HSt/dpa
Die Angst vor einem Atomkrieg hat die 80er Jahre maßgeblich geprägt. Mit der Stationierung von Mittelstreckenraketen auf der Waldheide in Heilbronn gerät die Stadt ins Fadenkreuz sowjetischer SS-20-Raketen. Es ist die hohe Zeit der Friedensbewegung, drei Millionen demonstrieren 1983 gegen das Wettrüsten zwischen Ost und West. „Frieden schaffen ohne Waffen“, heißt es im Westen, „Schwerter zu Pflugscharen“ im Osten. Doch erst ein Machtwechsel in Moskau – „Glasnost“ und „Perestroika“ und ein um Ausgleich bemühter neuer Parteichef, Michail Gorbatschow – schafft Schritte zur Abrüstung. Auf der anderen Seite, ein oft belächelter ehemaliger Schauspieler. US-Präsident Ronald Reagan sagt 1987 an der Berliner Mauer Denkwürdiges: „Mr. Gorbatschow, reißen sie diese Mauer nieder!“ Zwei Jahre später ist es so weit.

Deutsche Nacht

Am 9. November 1989 weht der Mantel der Geschichte durch Deutschland: Die Berliner Mauer fällt, die DDR öffnet ihre Grenzen gen Westen. Tausende fliehen schon zuvor im Sommer über Ungarn, hunderte Flüchtlinge warten in der Prager BRD-Botschaft auf die erlösenden Worte von Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Der Wortfetzen „Ausreise“ geht im Jubelschrei unter. In der DDR verlangen auf Montagsdemonstrationen immer mehr Menschen politische Veränderungen. Der 40. Geburtstag des selbst ernannten Arbeiter- und Bauernstaats wird der letzte sein. Gorbatschows geflügeltes Wort nimmt die Entwicklung vorweg: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“ Egon Krenz löst die Riege der Reformverweigerer um Erich Honecker ab. Es ist zu spät, die Montagsdemonstranten von Leipzig geben die Tonlage vor: „Wir sind ein Volk!“

Duell der Giganten

Die 80er Jahre – zwischen Wettrüsten, Waldsterben und Wiedervereinigung – sind am Ende ein Glücksfall der deutschen Geschichte. Angefangen hatte das Jahrzehnt mit einer Horrornachricht: Deutschlands Wälder sterben. Umweltschutz wird von den sich als Partei formierenden Grünen auf die politische Tagesordnung gesetzt. Bei der Bundestagswahl im Jahr 1980 kommt es zum Duell der Giganten: Kanzler Schmidt (SPD) gegen CSU-Chef Strauß, das Gespann Schmidt (SPD) und Genscher (FDP) wird noch einmal bestätigt. Erstmals werden die Uhren auf Sommerzeit gestellt, fesselt die Magie eines Zauberwürfels die Deutschen. Nach 198 Jahren besucht mit Johannes Paul II. erstmals wieder ein Papst Deutschland – und Millionen jubeln ihm zu.

Weniger friedlich geht es ein Jahr später bei der Schlacht um Brokdorf zu. 100.000 demonstrieren gegen den Bau des Atomkraftwerks Brokdorf. Im Fernsehen läuft die erste Folge des „Traumschiffs“ vom Stapel, der „Tatort“ macht den Sonntag zum Krimi-Abend. 1982 ist Helmut Schmidts sozialliberales Bündnis am Ende. Am 1. Oktober beginnt die Kanzlerschaft Helmut Kohls, 16 Jahre sollte sie dauern. Auch die Aktionswoche der westdeutschen Friedensbewegung mit drei Millionen Teilnehmern, einer 108 Kilometer langen Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm, können Kohl nicht umstimmen. In Deutschland werden neue US-Mittelstreckenraketen stationiert.

Die Windkraftmühle „Growian“ begründet den Erfolg einer Zukunftstechnologie. Der „Kat“ zur Entgiftung von Auto-Abgasen wird Pflicht. Die Parteispenden und „Flick-Affäre“ kommt vor Gericht. Westdeutschland macht sich unter dem Eindruck der Arbeitslosigkeit auf den Weg zur Freizeitgesellschaft. Kurzurlaube, Freizeitparks, Fun-Sportarten und Lebenslust – die Voraussetzungen dafür werden in der Arbeitswelt geschaffen. Die IG Metall setzt 1984 nach sieben Wochen Arbeitskampf die schrittweise Einführung der 35-Stundenwoche durch. Gleichzeitig kann man ab 58 Jahren in Rente gehen.

Freizeit und Sport

Mit den Wimbledon-Siegen von Boris Becker und Steffi Graf gerät Deutschland ins Tennis-Fieber. An der Saar geht Oskar Lafontaines Stern auf, als er Ministerpräsident wird. In Wiesbaden tritt der Sponti und Grünen-Politiker Josef Fischer als erster Turnschuh-Minister nicht ganz standesgemäß zur Vereidigung an. In späteren Jahren sollte sich der dann als Außenminister auch an diplomatische Etikette gewöhnen.

Glaubwürdigkeitsfalle

 Die 80er Jahre sind in Deutschland oft angstbesetzt: Erst Atomkrieg, dann Waldsterben und 1986 wieder Atom, diesmal die radioaktive Wolke nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. 1986 verspielen die Gewerkschaften mit der Neuen-Heimat-Affäre Reputation – am Ende werden die Wohnungen für den symbolischen Wert von einer Mark an einen Bäcker verkauft. 1987 bewegt das Magazin „Stern“ mit neu entdeckten „Hitler-Tagebüchern“ – Fälschungen, wie sich bald herausstellen sollte. Der CDU-Politiker Uwe Barschel wird in Genf tot in einer Badewanne gefunden. Bei einer Flugschau in Ramstein sterben 70 Menschen in einem Feuerball. Das Geiseldrama von Gladbeck hält die Nation 54 Stunden lang in Atem. Die Aufgeregtheiten der frühen 80er Jahre, der Protest, haben sich gelegt – da fällt in Berlin die Mauer und stellt die Nation in den 90er Jahren vor die Aufgabe, die Einheit zu gestalten. 
27.06.2009