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Die 1980er: Heilbronn im Brennpunkt der Weltpolitik
Von Kilian Krauth
Bis 1988 dient die Heilbronner Waldheide als Atomwaffen-Stützpunkt. Nach dem Pershing-Unglück 1985 wird sie zu einem Ziel der Friedensbewegung. HSt/dpa
Region Heilbronn - Auf der Waldheide explodiert am 11. Januar 1985 der Motor einer Atomrakete, drei Soldaten sterben. Heilbronn rückt schlagartig in den Brennpunkt der Weltpolitik. Der Pershing-Unfall spaltet die Bevölkerung. Die Friedensbewegung organisiert Demonstrationen und Blockaden, lockt linke Promis in die Provinz. Befürworter wie Gegner des Rüstungswettlaufs zwischen West und Ost wähnen sich 1989 beim Fall der Mauer bestätigt.Energiefragen
Grenzen sind relativ. Am 26. April 1986 explodiert in Tschernobyl ein Atomreaktor, die radioaktive Wolke erreicht auch das Unterland. Zur Verunsicherung bei tragen verwirrende Behördenangaben. Vor dem Genuss von Milch, Wild, Gemüse wird gewarnt, Landwirte müssen ihre Erzeugnisse vernichten. Anti-Atomkraft-Aufkleber werden hoch gehandelt. Die Grünen erringen 1985 im Heilbronner Gemeinderat fünf Sitze.
Als vorläufig letztes Kernkraftwerk der Bundesrepublik, so ein Minister, liefert ab Januar 1989 GKN II in Neckarwestheim Strom. In Heilbronn baut die EVS bereits von 1982 bis 1985 an ihrem Block 7, der mit Kühlturm und zwei Schloten zum neuen Wahrzeichen des Unterlandes wird. Derweil wird Energie immer teurer. 1981 schimpfen Autofahrer, dass der Liter Benzin 1,40 kostet, Mark, nicht Euro.
Im Vorfeld der Landesgartenschau 1985 entsteht auf Acker- und Grabeland am Neckar der 15 Hektar große Heilbronner Wertwiesenpark. HSt/dpa
Die Unterländer Feierlaune wird nicht getrübt. Den Höhepunkt markiert die Landesgartenschau 1985 in den Heilbronner Wertwiesen. Neben Wimpfener Talmarkt, Heilbronner Pferdemarkt oder Unterländer Volksfest tauchen immer mehr Festtermine im Kalender auf: vom ersten Neckarfest über das inzwischen begrabene Traubenblütenfest bis zu allerlei Dorf- und Straßenfesten. Großraumdiscos ziehen die Massen an, sie werfen auch Schatten: vom Mord im Living bis hin zum Drogen- und Sexskandal um den Landtagsabgeordneten Rüdiger Peuckert. Eppingen macht auch Schlagzeilen mit seinem VfB, der in der Saison 1980/81 ein Zwischenspiel in der Zweiten Fußball-Bundesliga gibt.Gaffenberg-Festival
Auch bei den schönen Künsten holt die einst als Kulturwüste titulierte Region auf. Zwölf Jahre nach dem Abbruch von Fischers Jugendstilbau weiht Heilbronn 1982 das neue Stadttheater ein. An der Basis kommt einiges ins Rollen: vom Kindertheater Radelrutsch über diverse Kabaretts bis zum ersten Gaffenberg-Festival 1986. An der Kunst im öffentlichen Raum scheiden sich die Geister.
27.06.2009














