Bundesrepublik Deutschland wird 60



Wie wir wurden, was wir sind – aus Ruinen ins Wohlstandsland.

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 Bildergalerie: 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland
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Bum-Bum-Boris, die Hand Gottes und Big Ben

Von Lars Müller-Appenzeller

Die achtziger Jahre
Der 17-jährige Boris Becker hechtet während des Turniers in Wimbledon im Juli 1985 hinter einem Ball her. Als jüngster Spieler und erster Deutscher überhaupt gewann der ungesetzte Boris Becker am 7. Juli 1985 spektakulär in vier Sätzen das Wimbledon-Finale. HSt/dpa
Sport - Die Deutschen sind das Volk der Dichter und Denker. Gut, seit Erfindung des Automobils könnte man auch vom Volk der Dichter und Lenker sprechen. Der 7. Juli 1985 hat das alles grundsätzlich verändert. An besagtem Sonntag sind die Deutschen zum Volk der Tennisspieler geworden. Durch einen Teenager, einen Jungen mit 17 Jahren: Boris Becker hat mit seinem Wimbledonsieg gegen den Südafrikaner Kevin Curren Deutschland verändert.

Wie in Trance

„Ich bin erst nach dem Matchball wieder zu mir gekommen“, sagte Bobbele. Ein Finale wie in Trance – eine Nation wie in Trance. Die Becker-Faust, der Becker-Hecht, die spielerischen Höhen und die mentalen Tiefen haben sehr viele Menschen mit dem Bazillus Boris infiziert. Der Leimener war plötzlich der wichtigste Mann im Staat, was auch das Fernsehverhalten veränderte: Jedes Tennisspiel wurde übertragen. Intellektuelle waren schlagartig auf Ballhöhe, wenn es um Asse, Doppelfehler und den Tiebreak ging. Tennis war Bum-Bum-Boris. Bis Steffi kam. Und Michael. Und Anke.

Graf, Stich und Huber waren zusätzlicher Treibstoff für den Tennis-Boom. Den Motor hatte aber erst der rothaarige Junge aus Leimen mit seinem im Bauch geborenen Serve-and-volley-Spiel zum Laufen gebracht. Sie waren schön, die 80er in Deutschland: Man saß vor dem Fernseher und schaute hauptsächlich Tennis. Das wärmte.

Kalt war es auf der internationalen Sportbühne geworden. Da waren beispielsweise der Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau und der Gegenboykott der Spiele in Los Angeles 1984. Da war das legendäre Spiel des Argentiniers Diego Maradona bei der Fußball-WM 1986 in Mexiko. Viertelfinale. Gegen England. Erst machte Maradona ein unglaubliches Tor mit dem Fuß Gottes, dann folgte im Luftkampf mit Torhüter Peter Shilton die Hand Gottes. Und dann war da der 24. September 1988.

Duell der Giganten

Der 100-Meter-Endlauf der Olympischen Spiele in Seoul ist das Duell der Giganten. Big Ben gegen Carl den Großen, Muskelberg mit Stiernacken gegen Sprintästhet, Ben Johnson gegen Carl Lewis. Das Rennen ist eine Explosion. Johnson trommelt mit 49 Schritten ins Ziel, Lewis starrt ungläubig hinterher und auf die Anzeigetafel. Unfassbar. Fabelweltrekord. 9,79 Sekunden. Wie kann das sein? Am 27. September, nachts um 1.45 Uhr, ist es klar: Stanozolol, ein anaboles Steroid, hat dem Muskelberg Beine gemacht, wie die Doping-Kommission des Internationalen Olympischen Komitees bekannt gibt. Die Sportgeschichte hat einen ihrer spektakulärsten Skandale. So waren sie, die 80er.
27.06.2009