Bundesrepublik Deutschland wird 60



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 Bildergalerie: 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland
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Die 70er: Reformen, Beton, Wein und Bockbier

Von Kilian Krauth

Die siebziger Jahre
Typisch: Am 18. Juli 1970 wird das 1913 eingeweihte und 1944 beschädigte Heilbronner Stadtheater in die Luft gesprengt. HSt/dpa
Region - Betonklötze, Strukturreformen, Festlesfreude: Zwischen diesen Extremen bewegen sich die 70er Jahre in Unterland, Zabergäu und Kraichgau. Das Jahr 1970 leitet eine vor allem an den neuen badischen „Grenzen“ heiß diskutierte Verwaltungsreform ein, an deren Höhepunkt 1973 eine neue Größe entsteht: die Region Franken, mit 750.000 Einwohnern die größte im neu strukturierten Südweststaat.

Großstadt

Das Oberzentrum Heilbronn wird schon 1970 mit der Eingemeindung von 1684 Klingenbergern zu Großstadt, indem es die magische Marke von 100 000 Einwohnern um genau 1384 übertrifft. Bei der Feier stimmt Oberbürgermeister Hans Hoffmann eine so genannte Stadthymne an: „Wir sind Heilbronner Bürgersöhn’ und lasse uns net lumpe. Mir len koi saub’res Mädle steh’n und au koin volle Humpe.“ Ton und Text sind typisch für das Taktgefühl der 70er Jahre.

Noch im selben Jahr wird das seit dem Krieg beschädigte Jugendstiltheater am Nordende der Allee in die Luft gesprengt. Zuvor stimmen HSt-Leser mehrheitlich für den Erhalt, worauf der OB meint, die Lokalpolitik werde nicht im Stimme-Hochhaus, sondern im Rathaus gemacht. Unter Hofmann, dem Preußen, wird unter anderem 1972 das klassizistische Stadtbad gesprengt und durch das Wollhauszentrum ersetzt. Beton ist in den 70ern in. Davon zeugen neue Verwaltungsbauten Schulen, Sporthallen, Genossenschaften und nicht zuletzt das Kernkraftwerk Neckarwestheim.

Das Wirtschaftswachstum zeigt erste Dellen: von der Ölkrise über autofreie Sonntage bis zur drohenden Schließung von Audi NSU. Nach dem legendären Marsch der 7000 kann immerhin das Neckarsulmer Werk erhalten bleiben, das Heilbronner wird geschlossen, das Neuensteiner verkauft.

Käthchenwahl

Die Geister scheiden sich an Vielem: an moderner Kunst im öffentlichen Raum ebenso wie an Jugendhäusern. Vereint ist die Region im Jubel über den Turnweltmeister Eberhard Gienger und die erste Deutsche Weinkönigin aus Württemberg, Friedlinde Gurr-Hirsch. Für die angenehmen Seiten des Jahrzehnts stehen auch das erste Heilbronner Weindorf, die erste Wahl zur Käthchen-Symbolfigur, neue Discos und Vereinsfeten wie das Duttenberger Bockbierfest.

22.05.2009