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Aufbegehrende Fußballer, beflecktes Olympia
Von Klaus Apitz
Die Siebziger, das waren kräftige Lohnerhöhungen und autofreie Sonntage. Die Aussöhnung mit dem Osten. Und beginnende Abkehr vom Obrigkeitsdenken. Und der Sport, wie auch anders, mittendrin im gesellschaftlichen Aufbruch.Vor der der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 stand für die Beckenbauers und Breitners nicht der Stolz im Vordergrund, für Deutschland spielen zu dürfen. Nein, sie feilschten um eine saftige Prämie. Ein entnervter Bundestrainer Helmut Schön war nahe dran, die Brocken hinzuschmeißen. Nach der 0:1-Pleite im letzten Vorrundenspiel in Hamburg ausgerechnet gegen die DDR, mischten sich die Anführer der Spieler in Schöns Geschäft ein. Sie erzwangen das Mitwirken von vier neuen Spielern. Und nur so wurde ein Rainer Bonhof oder ein Bernd Hölzenbein Weltmeister. Auch die Münchener Titelfeier nach dem 2:1 über die Niederländer zeigte das Aufbegehren der Fußballer. Diese protestierten, als ihre Frauen nicht mit zum Festbankett durften. Gerd Müller, der das Siegtor erzielt hatte, setzte ein Zeichen und beendete seine Nationalmannschaftskarriere.
Ihn kennt noch heute jedes Kind, denn 365 Tore in elf Jahren sind ein Rekord für die Ewigkeit. „Was soll ich mit einem Gewichtheber“, sagte Bayern-Trainer Tschik Cajkovski, als er es das erste Mal mit „kleines, dickes Müller“ zu tun bekam. Doch mit Müller wurden die Bayern von 1974 bis 1976 drei Mal Europokalsieger der Landesmeister. Und er fehlte dem Nationalteam bei der WM 1978 ebenso wie Beckenbauer,der wegen seines Wechsels in die USA nicht mitspielen durfte.
„I werd narrisch“ Noch ein Eigentor, das der DFB unter Hermann Neuberger schoss. Das „I werd narrisch“, des österreichischen Reporters, als Hans Krankl die Deutschen aus dem Turnier schoss, traf die deutsche Fußballerseele ins Mark.
Schon 1971 versetzte ein Skandal um verschobene Spiele der Bundesliga einen Tiefschlag. Es gab aber auch schöne Momente. Kenner meinen, eine besseres Team als jenes, das 1972 locker zum Gewinn der Europameisterschaft durchmarschierte, nie zuvor und nie mehr danach erlebt zu haben. Mit Sepp Maier im Tor, dem Verteidiger mit Offensivqualitäten, Paul Breitner. Mit Libero Beckenbauer, dem Spiellenker Günter Netzer und den Toremachern Uli Hoeneß und Jupp Heynckes.
Meyfarths Goldsprung
Olympia verlor in den Siebzigern seine Unschuld. Der palästinensische Terrorakt bei den Münchener Sommerspielen 1972 zerstörte das Märchen vom unpolitischen Sport. Daran konnte auch IOC-Präsident Avery Brundage mit seinem trotziges Appell zum Weitermachen („The games must go on“) nichts ändern. Zur heiteren Seite zählte eine 16-Jährige aus der Kölner Ecke. Ulrike Meyfarth verzückte mit der Weltrekordhöhe von 1,92 Metern im Hochsprung die Zuschauer. Und 1976 war es Rosi Mittermaier, die nach dem Doppel-Gold bei der Winterolympiade in Innsbruck die Herzen der Menschen eroberte.
20.05.2009













