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Im Unterland prägen Autos und Kräne den Alltag
Von Kilian Krauth
Als auf der Fleiner Straße noch Autos den Ton angaben. Das 1951 gebaute Kaufhaus Merkur (hinten) musste 1969 dem Horten weichen, der heute Galeria Kaufhof heißt. HSt/dpa
Region Heilbronn - Eigentlich gelten die 60er Jahre ja als das Jahrzehnt des gesellschaftlichen Umbruchs. Im bürgerlich und bäuerlich geprägten Unterland kommt die Jugendrevolte kaum oder mit Verspätung an – aus Mangel an kritischen Geistern? Sicher aus Mangel an Studenten: So nimmt der Vorläufer der Hochschule Heilbronn zwar 1961 als Ingenieursschule den Lehrbetrieb auf, doch verhalten sich die Studierenden meist staatstragend. Zum Ausklang des Jahrzehnts kommt es immerhin ansatzweise zu Demos und frechen Schüler-Aktionen.Musik
Inseln der Jugend- und Subkultur bilden der Jazz-Club Cave 61 und diverse vom Swing der Amis geprägte Lokale. Die offizielle Kultur leistet sich mit Kammer- und Sinfonie- gleich zwei hochrangige Orchester. 1965 strahlt die restaurierte Kilianskirche fast wie neu. Mit dem Theater lässt sich die Käthchenstadt Zeit. 1960 weiht Willy Brandt am Berliner Platz immerhin einen Bärenbrunnen ein; nur ein Jahr später stärkt der Mauerbau die Solidarität. Viele Unterländer spenden für DDR-Flüchtlinge, manche finden am Neckar sogar eine neue Heimat, wie auch italienische Gastarbeiter, die eigentlich nur zum Geldverdienen über die Alpen kamen oder wie Enzo Presutti zum Eisverkaufen.
Man kann sich wieder etwas leisten. Mit den Wirtschaftswunderjahren prägen Baustellen Gemeinden und Landschaften. Größere öffentliche Bauten, ganz neue Wohn- und Gewerbegebiete entstehen. Straßen werden immer breiter. Vom Weinsberger Kreuz wächst die A 6 in den Kraichgau. Teuerstes Teilstück ist mit 30 Millionen Mark die 1320 Meter lange Neckartalbrücke bei Obereisesheim. Wegen Geldmangel geht es in Richtung Nürnberg und Würzburg erst Ende der 60er weiter.
Wirtschaft
Der Aufschwung führt auch über Schienen und über die gut ausgebaute Bundeswasserstraße Neckar. Am Heilbronner Osthafen siedelt sich mit der Handels-Union AG ein großes Stahlunternehmen an, die EVS baut ein Dampfkraftwerk, Telefunken erweitert. Lidl & Schwarz eröffnet 1960 an der Austraße den ersten Handelshof (Jahresumsatz: 5,5 Millionen Mark). 1967 erreicht die erste Wirtschaftskrise der BRD das Unterland: 35 Betriebe mit 9000 Mitarbeiten melden Kurzarbeit an. Als es schon wieder aufwärts geht, fusioniert 1969 der mit 10 000 Beschäftigten größte Arbeitgeber der Region, die NSU-Motorenwerke AG Neckarsulm, mit der Audi Union GmbH Ingolstadt.
20.04.2009













