Tanz auf Tischen und Bänken

Heilbronn  Superstimmung beim 6. Oktoberfest des TSB Horkheim - Fast alle feiern in Dirndl und Lederhosen.

Von unserer Redakteurin Ulrike Bauer-Dörr

Tanz auf Tischen und Bänken

Die Fotowand im Foyer ist der Renner: Ununterbrochen lassen sich die Besucher einzeln, paarweise oder im Freundeskreis ablichten.

 

Es gibt Partys, da kommt man am besten erst Stunden später. Weil vorher nichts los ist. Beim sechsten Oktoberfest des TSB Horkheim in der Stauwehrhalle hätte man dann allerdings das Beste versäumt.

Schon zum Fassanstich um 19 Uhr sind am Samstag fast alle da. Keine halbe Stunde später stehen die ersten Was´n- und Wies´n-Fans auf den Bänken. Alle singen, klatschen, schunkeln, umarmen und fotografieren sich, toben und tanzen. Das geht so durch bis weit nach Mitternacht. Kommuniziert wird wegen der Geräuschkulisse via Körpersprache. Oder man winkt sich mit dem Bierkrug zu: "Ein Prosit" - auch wenn Gemütlichkeit etwas anderes ist.

Leuchtende Bierkrüge

Die Stimmungskapelle Waldmühlbacher hat die erlebnishungrigen und trinkfreudigen Besucher fest im Griff. Zwei Dutzend Musiker, darunter eine gute Handvoll Sänger, rocken den Saal. Songs und Texte sind wohlbekannt. Bei "Sierra Madre" leuchten Hunderte voller Bierkrüge im Saal, von unten mit der Smartphone-Lampe angestrahlt.

Herwig Jarosch und Joachim Weineck vom Orga-Team machen bei ihren Rundgängen ein zufriedenes Gesicht, auch wenn die Anspannung erst am Sonntagnachmitag nach zweieinhalb Tagen Oktoberfest von ihnen abfällt. "Wir vom TSB Horkheim waren die ersten, die hier in Heilbronn ein solches Fest mit authentischer Bierzeltatmosphäre aus der Taufe gehoben haben", sagt Vorsitzender Jarosch. "Die richtigen Bands, eine aufwendige Deko, das Catering - bei uns passt alles." Am Freitag sind rund 1100 Besucher da, vorwiegend Gruppen aus Firmen und Vereinen, ein Teil der Einnahmen geht an die Stiftung Große Hilfe für kleine Helden.

Stammgäste

Die 1400 Karten für den Samstag sind seit April schon weg. Da hatte der TSB allen Vorjahresbesuchern zwecks Vorbestellung eine Mail geschickt. Mit Glück bekommt man Restkarten. Deshalb sind 90 Prozent Stammgäste. Das Publikum ist ein wenig älter als beim Handballerfasching im Februar.

"Das Catering für so viele Besucher an drei Tagen ist eine logistische Herausforderung", sagt Weineck. Ehrenamtliche kaufen ein, kochen, bedienen, räumen ab, spülen. 1600 Portionen Hähnchen und 270 Haxen gehen am Freitag und Samstag weg wie nichts, dazu tausend Knödel, Rotkraut, Soße - alles selbst gemacht. Dass Bier und Radler, Sekt und Schnaps in Strömen fließen, gehört dazu; spätabends haben die Sanitäter gut zu tun.

Fast alle Frauen kommen im sexy Dirndl, die Männer tragen zünftige Lederhosen, Karo- oder bestickte Hemden. Selten sieht man hierzulande so viele Frauen mit Zöpfchen und Haarkränzen. Mitten drin: Lisa Stollsteimer (17) und Jasmin Röhrich (20) aus Heilbronn. Sie finden die Musik und die Atmosphäre gigantisch. "Hier machen alle zusammen was, jeder geht auf jeden zu, keiner muss sich hier alleine fühlen." Dirndl und Lederhosen seien wie eine Uniform. "Das verbindet."