Wächst bald Gen-Mais in Leingarten?

Die Firma Monsanto will in Leingarten auf einer Fläche von einem Hektar gentechnisch veränderten Mais anbauen. Das Genehmigungsverfahren läuft.

Von Reto Bosch und Andrea Bußmann

Wächst bald Gen-Mais in Leingarten?
Unweit des Leingartener Industriegebiets, an der Gemarkungsgrenze zu Heilbronn-Frankenbach, liegt das Feld, auf dem genveränderter Mais getestet werden soll. (Foto: Marc Schmerbeck)

In ganz Baden-Württemberg gibt es derzeit fünf Kommunen, in denen gentechnisch veränderter Mais wächst. Und nun soll Leingarten hinzukommen. Monsanto, Hersteller von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln, hat im Gewann „Annungsgrund“ eine Parzelle gepachtet. Besitzer des Areals ist ein Landwirt aus Heilbronn-Frankenbach.

Dort sollen verschiedene genveränderte Maissorten getestet werden. Monsanto will aber auch das Pflanzenschutzmittel „Roundup Ready“ testen und Anwendungsempfehlungen für dieses Produkt erarbeiten.

Wolfgang Voegeler, Produktentwickler bei Monsanto, verweist auf die Sicherheitsmaßnahmen: Die Testflächen werden mit einer sechs Meter breiten Mantelsaat aus konventionellem Mais eingefasst.

Von einem nur vier Quadratmeter großen Versuchsfeld der TU Aachen in Talheim abgesehen, dringt gentechnisch veränderter Mais nun zum ersten Mal in das Unterland ein. Joachim Rukwied, Vorsitzender des Kreisbauernverbands, ist darüber nicht glücklich. „Wir empfehlen unseren Mitgliedern, den Anbau nicht zu machen.“ Zum einen wegen der Haftungsfrage, wenn gentechnisch verändertes Saatgut konventionelle Flächen verunreinigt und darauf gewachsene Produkte unverkäuflich macht. Zum anderen weist Rukwied darauf hin, dass die Parzellen im Unterland vergleichsweise klein sind. Eine Koexistenz der unterschiedlichen Anbaumethoden sei deshalb nur schwer zu realisieren. Außerdem sollten die Bauern das produzieren, was die Verbraucher wünschen. Und laut Umfragen lehne die Bevölkerung Gen-Lebensmittel ab.

Protest gegen den Test ist vom Vorsitzenden des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Leingarten, Helmut Gahse, allerdings nicht zu erwarten: „Ich stehe der Sache neutral gegenüber.” Eine Verunreinigung anderer Sorten befürchtet er nicht. Gahse plädiert dafür, nicht „jeden Versuch sofort im Keim zu ersticken”.

Der Nabu-Kreisverband kritisiert das Vorhaben heftig. Vorstand Alfred Monninger: „Der Konzern Monsanto verdient doppelt, weil er zwei Übel im Doppelpack verkauft: gentechnisch verändertes Saatgut und den dazu passenden Gift-Hammer Roundup.“ Welche Risiken von der Grünen Gentechnik ausgehen, sei noch lange nicht erforscht. „Aber was wir über die negativen Folgen wissen, ist mehr als bedenklich.“ Er befürchtet, dass sich das Saatgut weiterverbreitet.

Monninger will eine breite Koalition schmieden gegen das Projekt. Gespräche mit Verbänden und Parteien habe es bereits gegeben. Bio-Landwirt Jürgen Winkler weist darauf hin, dass die Gruppe Öko-Landbau Heilbronn über das Thema sprechen wird. „Wir wollen mobilisieren.“

Ab Montag liegen die Unterlagen für das Zulassungsverfahren vier Wochen lang im Leingartener Rathaus aus. „Noch vor Fristbeginn hat es bereits einen Einspruch gegeben”, erzählt Hauptamtsleiter Roland Dietz, der mit „etlichen weiteren Widersprüchen” rechnet.