Diakon Pape wehrt sich gegen anonyme Stasi-Vorwürfe

Seltsame Schreiben in Böckingen aufgetaucht - Der Onkel war "IM" - Theologe verdächtigt Zeugen Jehovas, die er kritisierte - Strafanzeige gestellt

Von Carsten Friese

"An die Bewohner von Böckingen" ist ein Schreiben ohne Absender adressiert. Das Innenleben birgt Texte, zum Teil geladen aus dem Internet, mit Fettmarkierungen, Leuchtstift-Strichen und ergänzenden Kommentaren. Zentrale Themen sind der "Kreuzzug" der Familie Pape gegen die Zeugen Jehovas und die Verbindung der Familie mit der Staatssicherheit der DDR.

Eine kritische Auseinandersetzung mit den Zeugen Jehovas ist Fakt. Papes Vater Gerhard war selbst Zeuge Jehovas, wurde in der DDR unterdrückt und floh in den Westen. Dort löste er sich von der Gemeinschaft und schrieb ein kritisches Buch. Der Onkel kam in der DDR in Haft. Später engagierte auch er sich gegen die Zeugen Jehovas. An der DDR-Zeitschrift "Christliche Verantwortung" wirkte der Onkel maßgeblich mit. Wie sich durch Unterlagen der Gauck-Behörde herausstellte, hatte das Ministerium für Staatssicherheit bei der Zeitschrift alle Fäden in der Hand - und Papes Onkel war "IM Wilhelm".

Klaus-Dieter Pape, in Waldshut-Tiengen geboren, wusste von Stasi-Verbindungen des Onkels nichts, wie er versichert. Als Student gab Pape in Tübingen 1993 eine Zeit-

Das verteilte anonyme Schreiben verbindet Fakten über das Wirken und die Stasi-Mitarbeit des Onkels mit Klaus-Dieter Pape. "Unter der gide der Familie Pape erwuchs die 'Christliche Verantwortung' zu einem zentralen Instrument der Stasi gegen die Zeugen Jehovas. Nach dem Ende der DDR 1990 wurde die Zeitschrift im Westen vom Tübinger Theologen Klaus-Dieter Pape weitergeführt", heißt es da. "Weder ich noch mein Vater hatten mit der Staatssicherheit je etwas zu tun", sagt der 42-Jährige, der die Seelsorgeeinheit Böckingen mit 9000 Katholiken betreut. Eine Verbindung zwischen seiner Zeitschrift und der Stasi sei "absoluter Blödsinn".

Den Verfasser der anonymen Schreiben vermutet Pape im Umfeld der Zeugen Jehovas. In einem Stimme-Bericht am 22. März hatte Pape den Zeugen Jehovas unter anderem eine "Angst einflößende Erziehung" attestiert. Ein Internet-Auszug in den anonymen Briefen trägt das Datum 22. März, 20.37 Uhr. Zufall?

"Die Strafanzeige ist in Bearbeitung", sagte Polizeisprecher Peter Lechner am Freitagmittag. Ermittelt werde in zwei Richtungen: Wer der Verfasser der anonymen Schreiben sei und ob an den Behauptungen etwas dran sei. Wenn Verleumdung vorliegt, ist es ein Straftatbestand.