Es ist ein Halt für das aufgedrehte Kind

Stephen (10) hat ADS und geht in die fünfte Klasse der Alice-Salomon-Schule in Sontheim - Teil 3

Von Gertrud Schubert

Es ist ein Halt für das aufgedrehte Kind
Kritischer Blick: Stephen und seine Mutter schauen in sein Verhaltensbuch. Der zehnjährige Salomon-Schüler hat ADS. (Foto: Rabea Sattar)

Von Gertrud Schubert

Das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom diagnostizierte die Kinderpsychologin früh. Deshalb wurde Stephen Mertins in der Schule für Erziehungshilfe eingeschult. Heute geht er mit sieben anderen Jungen in die fünfte Klasse und ist kein ganz typischer Alice-Salomon-Schüler. Die meisten Jungen müssen ja schon nach etwa anderthalb Jahren in eine Regelschule zurück.

Das kann sich Stephen gar nicht vorstellen. Er hat die Staufenbergschule in Sontheim ja schon mal ausprobiert und fand alles mehr als gewöhnungsbedürftig: Die Klasse so groß, „die arbeiten viel schneller“, ein Lehrer geht, ein anderer kommt. In seiner Schule sind immer zwei Erwachsenen für die Kinder im Klassenzimmer da. Sie haben nur ein Schulhaus, also keine Ganztagsbetreuung. Und so schätzt Stephan: „In der normalen Schule wäre ich Klassenschlechtester.“ Das sind aus Stephens Perspektive viele gute Gründe, der Alice-Salomon-Schule nicht den Rücken zu kehren.

Seine Mutter Erika Mertins weiß die Begleitung der Sontheimer sehr zu schätzen. Ihr Kind geht hier gern in die Schule. Sie empfindet es als „eine totale Entlastung“, dass Stephen im kleinen Rahmen lernt, Regeln zu befolgen. Das Tagebuch, mit dem der Junge wichtige Informationen zwischen seiner Mutter und den Pädagogen hin- und herträgt, hält sie für „ein ganz wichtiges Medium“. So kann sie die Gemütsverfassung ihres Kindes nach dem langen Schultag immer nachvollziehen.

Schon ihr großer Bub, der schwerbehinderte Dennis, war in der Sontheimer Schule für Erziehungshilfe. Doch inzwischen besucht er die Paul-Meyle-Schule, weil er dort besser gefördert werden kann, ohne sich ständig an seinem kleinen Bruder messen zu müssen.

Was er einmal werden will? Stephen weiß es noch nicht

Was Stephen später werden will, weiß er noch nicht. Zuerst ist die normale Schule sein Ziel. Trotzig behauptet er, was ihm keiner abnehmen will: „Ich hab’ die Lehrer hier satt.“ Er will nicht gehen, und muss nach der Schulzeit doch weiter lernen. Vielleicht etwas mit Computer? Doch von den letzten Neuntklässlern der Schule hat nur einer eine Lehrstelle bekommen. Die anderen wechselten nach der Schule ins Berufsvorbereitungsjahr der Jugendwerkstätten Heilbronn. Dort sind sie willkommen.