Der „echte“ Heilbronner ist Sontheimer

Hier erinnert nichts mehr an Krankenhausatmosphäre: Lesersommer besucht Alice-Salomon-Schule

Von Gertrud Schubert

Der „echte“ Heilbronner ist Sontheimer
Die meisten Lesersommer-Teilnehmerinnen verbindet eine persönliche Geschichte mit der heutigen Alice-Salomon-Schule: Sie haben oder sie wurden hier geboren. Der 15. Oktober ist „Sonn-Tag“ der offenen Tür. (Foto: Dittmar Dirks)

Von Gertrud Schubert

Die Alice-Salomon-Schule am Ortsrand von Sontheim ist eine besondere Schule. Verhaltensauffällige Kinder, nach den Sommerferien werden es 54 Jungen sein, bekommen hier individuelle schulische und sozialpädagogische Betreuung, damit sie sich in gewöhnliche Schule und Alltag einfügen lernen.

Die Septembersonne taucht das Jugendstilgebäude in goldgelbes Licht, als sich die Lesersommer-Teilnehmerinnen, mit dabei drei Männer, im Schulhof versammeln. Es war schon ein bemerkenswert schönes Fleckchen Erde, das sich die israelitische Gemeinde Stuttgart zu Beginn des 20. Jahrhunderts für ihr Altersheim ausgesucht hatte. Im Dritten Reich wurden die Bewohner, die hier auch Zuflucht gefunden hatten, vertrieben, deportiert und umgebracht. Nach dem Krieg war das jetzt so sorgfältig renovierte Haus Frauen-, später bis 1991 Nachsorgeklinik, seit 2001 ist hier die Schule E, die Schule für Erziehungshilfe der Diakonischen Jugendhilfe Region Heilbronn.

So umringen die Lesersommer-Gäste Schulleiterin Claudia Fritz und die Erzieherin Christa Bürkle-Carius mit zahllosen Fragen zum pädagogischen Geist, der hier überall sichtbar Einzug gehalten hat. Von den Einzeltischen im Klassenzimmer (damit sich die Kinder nicht gegenseitig stören) bis zum Hausschuhtragen (damit kickt es sich nicht so leicht und die Nerven der Putzfrauen werden geschont) - hier ist das kleinste Detail pädagogisch durchdacht.

Den Physiksaal hat Claudia Fritz extra hübsch geschmückt, es gibt Sprudel - und Erinnerungen. Fünf der Lesersommer-Frauen haben hier neun Kinder geboren, drei sind hier geboren, eine Teilnehmerin kann beides von sich erzählen: Gerlinde Sulzberger geborene Nesper. Und Elisabeth Bauscherts Zwillinge hätten hier oben auf die Welt kommen sollen, bloß waren sie schneller da als gedacht. Auch Ernst Kachel aus Güglingen hat hier eine Krankenhausgeschichte erlebt: 13 Jahre alt war er bei seiner abenteuerlichen Mandeloperation 1949.

Die Bildergalerie von dem Schulbesuch findet sich unter www.stimme.de