Wo Eisenbahn-Nostalgiker hören, riechen und staunen können

Heilbronn - "Hmm, dieser Duft." Genüsslich schnuppert Karin Müller aus Nordheim in die Luft und atmet tief ein. "Ich liebe den Geruch von alten Dampfloks", erklärt sie und lacht. Sie steht mitten drin im Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Böckingen und freut sich zusammen mit vielen anderen Besuchern der Dampftage über den Anblick der herausgeputzten historischen Fahrzeuge.

Von Ulrike Bauer-Dörr

Wo Eisenbahn-Nostalgiker hören, riechen und staunen können
Liah und Nele aus Neckarsulm geben das Signal zur Abfahrt.Fotos: Dittmar Dirks

Heilbronn - "Hmm, dieser Duft." Genüsslich schnuppert Karin Müller aus Nordheim in die Luft und atmet tief ein. "Ich liebe den Geruch von alten Dampfloks", erklärt sie und lacht. Sie steht mitten drin im Süddeutschen Eisenbahnmuseum in Böckingen und freut sich zusammen mit vielen anderen Besuchern über den Anblick der herausgeputzten historischen Fahrzeuge.

Als Enkelin eines Nordheimer Eisenbahners stecke ihr die Liebe zu den schwarzen Dampfrössern und den alten Waggons noch im Blut, erzählt sie. Obwohl sie täglich komfortabel und schnell mit Zug und S-Bahn zur Arbeit fährt, ist sie von den nostalgischen Fahrzeugen vergangener Tage fasziniert. Zuhause hat sie eine HO-Modellbahn stehen. Ihr Partner Hans-Dieter Kupfer ist Eisenbahnfan wie sie. "Live ist halt doch etwas anderes", lacht er.

30 Aktive

Er kann sich noch gut erinnern, als man vor wenigen Jahrzehnten noch ganz regulär mit Dampfloks auf Reisen war, bevor sie ausgemustert und von technikbegeisterten Fans aufgekauft und restauriert wurden. Die Böckinger Eisenbahnfreunde zum Beispiel haben 300 Mitglieder, davon verbringen etwa 30 Aktive fast jede freie Minuten am Sonnenbrunnen, berichtet zweiter Vorsitzender Oliver Sauer. Der Mann mit dem schwarzen Mantel rangiert an diesem Wochenende Loks und Waggons, bedient die große Drehscheibe im ehemaligen Heilbronner Betriebswerk und nimmt Besucher zu Führerstandsfahrten mit.

Wo Eisenbahn-Nostalgiker hören, riechen und staunen können
Ein historischer Schienenbus kam aus Stuttgart zu den Dampftagen.

Timo Ortwein und seine Söhne Maximilian (6) und Benjamin (4) aus Heilbronn-Kirchhausen haben die kleine Rundfahrt mit der Schnellzuglok 01 1066 gerade hinter sich. "Wir haben in den Kessel reingeguckt und gesehen, wie die Lok gebremst wird", erzählt Maximilian. Alle drei Männer bezeichnen sich spontan als Dampflokfans.

Roter Flitzer

Außer der 011066 gab es weitere eiserne Gäste in Böckingen. Die Ulmer Eisenbahnfreunde und die Münchner Dampflokgesellschaft hatten extra ihre Güterzugloks hergefahren. Am Samstag traf in Böckingen auch der "Rote Flitzer" ein, ein nostalgischer Schienenbus mit einem typisch knatternden Motorsound. Der Kornwestheimer Reiseveranstalter DNV-Tours hat ihn wieder auf die Schiene gebracht und bietet damit touristische Fahrten an. Die Einweihungsfahrt ging zu den Dampftagen nach Heilbronn.

Wegen des eher durchwachsenen Wetters kamen am Wochenende nur 1500 Besucher an den Sonnenbrunnen, bedauert Sauer. Wem es draußen zu kalt wurde, ging in die Spur-1-Modellbahnanlage im ersten Stock des Museums. Seit sechs Jahren bauen "außer mir noch drei andere Verrückte", so Alexander Strohhäcker, an den Details der 18 mal 6 Meter großen Anlage im Maßstab 1 zu 32. Zugänglich ist sie immer am letzten Sonntag im Monat ab 13 Uhr.