Kein Computer im Kinderzimmer

Heilbronn - Eltern diskutieren im Haus der Familie über Mediennutzung

Von Gertrud Schubert

Kein Computer im Kinderzimmer
In der virtuellen Welt müssen sich Kinder oft alleine zurechtfinden. Der Psychologe Thomas von Stosch kritisierte die Laxheit der Erwachsenen: Beim Essen, bei den Kleidern, immer mischen sie sich ein, aber vor dem Computer kapitulieren sie.Foto: Colourbox

Heilbronn - Computer haben im Kinderzimmer nichts verloren. Da herrschte auf dem Podium und − soweit man das abschätzen kann − im Publikum große Einigkeit. Dennoch war die Diskussion im Haus der Familie über Medien im Kinderzimmer hochspannend und voller Anregungen für Eltern, die sich Sorgen machen, was ihre Kinder im Internet erleben.

Zahlen präsentierte Ursula Kluge vom Landesnetzwerk für medienpädagogische Elternarbeit als Einstimmung. Falls doch noch jemand unter den 100 Zuhörern an dem Zusammenhang zwischen Schulleistung und exzessiver Computernutzung zweifelt. Jungen sind stärker gefährdet als Mädchen, in den Sog der virtuellen Spielwelt zu geraten. Und 95 Prozent der Eltern lassen ihre kleinen Kinder fernsehen. Kluge, Mutter von drei Söhnen zwischen 14 und 18 Jahren, empfahl den Eltern zu beobachten, wie Mediennutzung ihre Kinder verändert − und konsequent zu handeln.

Die Argumente der Podiumsteilnehmer, die Stimme-Redakteurin Bärbel Kistner geschickt zusammenführte, lassen sich am Ende zu einem Leitfaden zusammenfügen: Was können, ja müssen Eltern tun, damit ihre Kinder den Gefahren des Internets nicht ausgesetzt sind?

Kompetenz: Es ist wichtig, dass Eltern Medienkompetenz entwickeln, forderte der Kinderpsychotherapeut Thomas von Stosch, damit sie überschauen, was ihre Kinder tun. Sie müssen keine Killerspiele ausprobieren, so Kluge, aber sie müssen mit ihren Kindern im Gespräch bleiben: "Was machst du da?"

Grenzen setzen: Mediennutzung ist altersabhängig. Von Stosch: "Ein 14-Jähriger spielt keine Spiele für 16-Jährige." Dasselbe gilt für Filme. Sperrprogramme wie Surf-Sitter ersetzen das Gespräch mit den Kindern nicht. Ursula Kluge weiß, wie sich Eltern und Kinder mit technischen Kniffen gegenseitig aushebeln und zu immer weiterer Aufrüstung in der Computersicherung zwingen. Verträge regeln, was erlaubt ist − und wie lange. Es ist sinnvoller, Wochen- als Tageszeiten auszuhandeln, das erspart Streit.

Vorbild: Eltern müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein, sagt die Fachberaterin für Kindertagesstätten, Sonja Fischer. Wer heimkommt und erst einmal E-Mails checkt, darf sich nicht wundern, wenn seine Kinder auch sofort auf den PC zusteuern.

Fernsehen: Unter vier Jahren kein Fernsehen, gab von Stosch als Regel vor, anschließend muss fernsehen gelernt werden. Polizeichef Roland Eisele mahnte: "Fernsehen ist kein Babysitter." Uneinig waren sich Kluge und von Stosch über die Rolle von "Flimmo.de", das Fernsehsendungen aus Kinderperspektive bewertet. Von Stosch hielt etwa "Sponge Bob" für Verblödung von Kindern, Kluge sagte, die Sendung "bedient, was Kinder gerne mögen".