"Beziehung ist das A und O"

Region Heilbronn - Förderschüler haben kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Sie wechseln normalerweise geschlossen ins Berufsvorbereitungsjahr.

"Beziehung ist das A und O"
Ganztagsbetreuung inklusive. In der ehemaligen Nachsorgeklinik südlich von Sontheim betreibt die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn eine Schule für Erziehungshilfe für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche.Fotos: Dittmar Dirks

Region Heilbronn - Förderschüler haben kaum eine Chance auf einen Ausbildungsplatz. Sie wechseln normalerweise geschlossen ins Berufsvorbereitungsjahr. Wenn sie dann noch von der Schule für Erziehungshilfe kommen, scheint alles aussichtslos. Nicht so in der Alice-Salomon-Schule in Sontheim. Vier der 14 Neuntklässler haben eine Lehrstelle. Wie haben sie das geschafft? Gertrud Schubert sprach mit Rektorin Claudia Fritz und der Sozialarbeiterin Elke Hagner über ihre "Neuner".

Was für Jugendliche sind auf der Alice-Salomon-Schule?

Claudia Fritz: Schulschwänzer, Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, traumatisierte Kinder, Kinder mit starken Lernproblemen, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom und Lese-Recht-Schreibschwäche, mit Asperger-Syndrom.

Sind Betriebe da nicht schon bei Praktikumsanfragen abwehrend?

Elke Hagner: Über Jahre hinweg haben wir ein Netzwerk aufgebaut mit den Betrieben hier in Heilbronn, die bereit sind, auch E-Schüler zu nehmen.

Fritz: Die wissen: Da steht jemand hinter dem Schüler. Der Kontakt ist sehr eng. Sie haben immer Ansprechpartner. Nicht nur die Jugendlichen werden betreut, auch die Betriebe.

Ihre vier Azubis, was machen sie?

Hagner: Einer wird Maler, wenn er sein Praktikum in den Pfingstferien gut absolviert. Einer hat nach einem vierteljährigen Praktikum eine Ausbildungsstelle als Kfz-Mechatroniker. Ein Mädchen geht an die Kinderpflegeschule nach Bretten, sie hat sich auch über ein Praktikum bewährt. Und einer wird Elektriker.

Und die anderen?

Hagner: Einer macht die zweijährige Berufsfachschule. Wer ins Berufseinstiegsjahr geht, wählt die Richtung konkret nach seiner Neigung. Einer kommt auf die Sonderberufsfachschule, einer ins Berufsbildungswerk Mosbach.

Wie kommt es zu dem Erfolg?

Fritz: Die Kollegen sind dahinter her. Das gibt es nicht: "Ich habe kein Passbild." Dann wird es eben in der Schule gemacht. Die Eltern werden konsequent miteinbezogen und zum Teil nachhaltig bearbeitet, dass sie ihre Kinder unterstützen. Da gibt es schon hin wieder kritische und auch sehr deutliche Gespräche mit den Eltern. Wir brauchen eben die Aktivität der Eltern. Hagner: Wir fangen schon in Klasse 7 mit Berufsbildung an: Interessen, Stärken finden, Eltern fragen. Im zweiten Halbjahr machen die Siebener eine Woche Praktikum. Außerdem hatten wir sieben Neuner aus unseren Koop-Schulen. Dort hatten sie keine Chance. Bei uns schaffen sie den Hauptschulabschluss. Das A und O ist aber die Beziehungsarbeit, also wenn die Beziehung aufgebaut ist und stimmt, dann läuft es auch.

Ist der große Unterschied die dichte Begleitung?

Hagner: Schon. Ja. Man geht schon mal mit zum Vorstellungsgespräch, schreibt mit an der Bewerbung, geht zum Telefonieren mit hier her. Und aufs Arbeitsamt gehen wir mit. Fritz: Wir können das leisten, weil wir die Schüler hier auch in einer Jugendhilfemaßnahme haben. Es ist erklärter Wille der Stadt und konzeptionell verankert, dass der berufliche Übergang ein Arbeitsschwerpunkt von uns ist.

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Elke Hagner fördert 15 Schüler.

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Claudia Fritz leitet die Schule E.