Aufregungen, bevor es aufregend wird

Heilbronn - Was auf der Theresienwiese alles passiert, bis übermorgen beim Weihnachtscircus Premiere ist. Bevor es für das Publikum aufregend wird, spielen sich hinter den Kulissen hunderte kleine Aufregungen ab, die zum Zirkusalltag gehören.

Von unserer Redakteurin Franziska Feinäugle

Aufregungen, bevor es aufregend wird
Eisballett: Anfangs probten die Schlittschuhtänzerinnen im Heilbronner Eisstadion, seit knapp einer Woche in der Eismanege auf der Theresienwiese. Ab Mittwoch sind sie in jeder Zirkusaufführung fünf Mal zu sehen.Fotos: Andreas Veigel

Heilbronn - In dem großen Zirkuswagen mit der Aufschrift "Garderobe" sitzt Adela Kaminska an der Nähmaschine und näht. Sie hat viel zu tun: Die elfköpfige Eisballett-Truppe wird während jeder Zirkusvorstellung insgesamt fünf Mal auftreten (oder müsste man sagen: aufgleiten?), natürlich jedes Mal in anderen Kostümen. Macht also alles in allem 55 Kostüme, die die Weihnachtscircusdirektoren Sascha Melnjak und Uwe Gehrmann allein für ihr Eisballett gemietet haben.

Die Glitzeranzüge, Feenhüte und Flügel kommen von einer großen Firma in Belgien, die sich auf Revuekostüme spezialisiert hat. Mit der Auswahl der Kostüme und Ballettmusik haben Melnjak und Gehrmann bereits im Sommer begonnen; jetzt ist der Moment gekommen, in dem die Gewänder den elf Männern und Frauen angepasst werden. Und zwar so, dass sie einerseits perfekt sitzen, andererseits aber genügend Bewegungsfreiheit lassen für bezaubernde Tänze auf dem Eis.

Apropos Eis. Kunsteis wäre für Sascha Melnjak nicht in Frage gekommen als Belag der diesmal so ungewöhnlichen Manege. "Kunsteis ist etwas Totes", findet der 36-Jährige, "bei einer Eisrevue muss man das Eis spritzen sehen!" Deshalb stehen hinter dem Zirkuszelt auf der Theresienwiese dieses Jahr zwei große Kästen: Im einen befindet sich die Kühlflüssigkeit, die durch große, eisbeschlagene Schläuche Richtung Manege gepumpt wird. Der andere Kasten ist das Riesenaggregat, an dessen Seite die gewünschte Temperatur angezeigt wird: minus elf Grad Celsius.

Heißes Wasser

Sobald am Mittwoch die Weihnachtscircussaison begonnen hat, wird nach jeder Vorstellung das Eis aufbereitet werden müssen: Damit sich Löcher und Rillen wieder schließen, sprühen die Requisiteure von Hand heißes Wasser auf die Manege. Heißes deshalb, weil es schneller verdampft und schneller gefriert. Dann ziehen sie die Fläche mit einem riesigen Eiskratzer ab.

Noch ist es nicht so weit. Denn bevor es für das Publikum aufregend wird, spielen sich hinter den Kulissen hunderte kleine Aufregungen ab, die zum Zirkusalltag gehören. Erleichtert deutet Sascha Melnjak auf einen Berg Gepäck, auf den er tagelang nervös gewartet hat: Die Requisiten der chinesischen Artistentruppe lagen von Montag bis Freitag beim Stuttgarter Zoll, weil bei der Gepäckaufgabe in China ein Dokument falsch ausgefüllt worden war.

Wären die Sprungmatten und Masten nicht mehr rechtzeitig in Heilbronn angekommen, hätte das einiges durcheinandergebracht.

Im Lauf des Wochenendes sind nicht nur die chinesischen Artisten, sondern auch alle anderen Künstler in Heilbronn eingetroffen, die teilweise noch bis Sonntag Engagements in Paris oder − so wie der Körperkünstler "Sascha the Frog" − einen Auftritt im Fernsehen hatten.

Heute wird die Gala zum ersten Mal der Reihe nach geprobt. Damit am Mittwoch alles perfekt ist.

Aufregungen, bevor es aufregend wird
Chinesisches Gepäck: Die Requisiten der Artisten lagen tagelang beim Zoll.
Aufregungen, bevor es aufregend wird
Bevor die Kostüme sitzen, sitzt Adela Kaminska an der Nähmaschine.
Aufregungen, bevor es aufregend wird
Kunsteis käme für den Direktor nicht in Frage: Sascha Melnjak am Eisaggregat.