Radfahrer kontra Marra-Haus-Gastronomie

Heilbronn  Der Konflikt um den Fuß- und Radweg in der Oberen Neckarstraße im Bereich des gerade entstehenden Marra-Hauses spitzt sich zu. Die Lokale Agenda 21 macht mobil, der Investor spricht von Unwahrheiten.

Von unserem Redakteur Joachim Friedl

Radfahrer kontra Marra-Haus-Gastronomie
Radfahrer und Fußgänger, später auch Besucher der Außengastronomie beim Marra-Haus, müssen sich einmal diesen Fuß- und Radweg teilen.Foto: Mario Berger

Der Arbeitskreis (AK) Mobilität der Lokalen Agenda 21 Heilbronn fordert unter dem Motto "Soll unser wichtigster Radweg gesperrt werden" eine massive Einschränkung der Außengastronomie an diesem Neckaruferabschnitt.

Um Aufmerksamkeit zu erreichen, hat der Arbeitskreis die Online-Petition "Uferpromenade schützen" gestartet, bis Sonntag 969 Unterschriften gesammelt und an die 2000 Flugblätter in Briefkästen und den Fußgängerzonen verteilt. "Ziel sind 1000 Unterschriften, die dann Oberbürgermeister Harry Mergel übergeben werden", sagt AK-Sprecher Roland Arnold.

Ärger

"Es ist sehr schade, dass die Lokale Agenda, bewusst oder unbewusst, mit Unwahrheiten arbeitet, kritisiert Joachim Kruck im Gespräch mit der Heilbronner Stimme die Aktivitäten. Unter der Überschrift "Soll unser wichtigster Radweg gesperrt werden?" und der Forderung "Unser Rad- und Fußweg muss bleiben" werde suggeriert, dass eine Entweder-oder-Entscheidung zwischen Rad- und Fußweg oder Außengastronomie notwendig sei, ärgert sich der Investor des Marra-Hauses: "Da steigt der Blutdruck."

Bedauerlich findet Kruck, dass bislang kein Vertreter der Lokalen Agenda Kontakt gesucht und sich informiert habe. Roland Arnold bestätigt diese Aussage und erklärt ferner, dass auch mit der Bauverwaltung über das Problem bis jetzt nicht gesprochen wurde.

Radfahrer kontra Marra-Haus-Gastronomie

Kompromiss

Der jetzt von der Verwaltung vorgeschlagenen Kompromiss sieht vor, dass im Bereich des Marra-Hauses die Verkehrsregelung "Fußgängerzone/Radfahrer frei" eingeführt wird (siehe Bericht unten). Fahrradfahrer müssen dann in der gesamten Außengastronomie-Zone Schrittgeschwindigkeit fahren. Dies gilt übrigens generell in Fußgängerzonen.

Für Ronald Arnold und Ulrich Baumann vom Agenda-Arbeitskreis Mobilität ist diese geplante Verkehrsregelung ein Unding: "Es ist sehr unverständlich, dass ein Landesradweg mit Gastronomie genutzt werden soll", wundert sich Baumann und ergänzt: "Die Obere Neckarstraße wurde einst mit öffentlichen Geldern saniert. Jetzt wird sie von Privaten genutzt." Mit dieser Maßnahme widerspreche die Stadt ihrem eigenen Ziel, mehr Menschen auf das Rad zu bringen.

Für die Sommermonate, wenn es an der Friedrich-Ebert-Brücke eng wird, erwarten Arnold und Baumann vor dem Marra-Haus "richtig Stress" zwischen Radlern, Fußgängern und Gaststättenbesuchern. Dazu sagt Kruck: "An diesen Tagen ist von Radfahrern Rücksichtnahme gefordert." Im Übrigen gebe es aufgrund des Wetters an etwa 245 Tagen im Jahr kein Konfliktpotenzial.

Interessen

Dass die Radfahrlobby mit Schlagworten wie "Schützt unsere beliebteste Flaniermeile" gegen die Außengastronomie argumentiere, versteht Kruck nicht: "Zu einer Flaniermeile gehört attraktive Gastronomie und Promenade heißt übersetzt Spazierweg." Die Gegner müssten sich vor diesem Hintergrund schon fragen lassen, ob sie "nicht Eigeninteressen über das Gesamtinteresse der Stadt und ihrer Bürger stellen".

Langfristig sieht Kruck wie Baubürgermeister Hajek die Lösung der Radwegproblematik auf der Westseite des Neckars in der Bad- und Kranenstraße und im Neckarbogen. Offen räumt Kruck ein: "Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass einmal eine solche Diskussion geführt wird."

 

Hajek: Fuß-und Radweg hinreichend dimensioniert

Nach einem Vor-Ort-Termin befasst sich am Dienstag, 15 Uhr, öffentlich der Bauausschuss des Gemeinderats mit der Problematik in der Oberen Neckarstraße. Damit folgt die Verwaltung einem gemeinsamen Antrag von SPD, Grüne, FWV, Linke und Bunte. Da die Entscheidung über Sondernutzungen von Straßen gemäß der Hauptsatzung der Stadt Heilbronn dem Oberbürgermeister übertragen ist, hat der Bauausschuss keine Beschlusskompetenz. Die Mitglieder können somit nur Anregungen geben.

Das Konzept des Marra-Hauses zur Belebung der öffentlichen Fläche am Neckar sieht eine umfangreiche Außenbewirtschaftung vor, die Flächen der 14,84 Meter umfassenden, von 3,85 Meter breiten Baumscheiben unterbrochenen Uferpromenade benötigt. "Ziel der Verwaltung ist, eine gute Kompromisslösung zu finden", sagt Baubürgermeister Wilfried Hajek.

Nach Verkehrszählungen wird die Bauverwaltung einen 4,50 Meter breiten Fuß- und Radweg ausweisen. Die ursprünglich definierte Breite von drei Metern war die Minimalforderung der Feuerwehr gewesen, war jedoch von Hajek nicht akzeptiert worden. Die Fußgänger- und Radverkehrsströme sollten nicht zu sehr eingeengt werden. "Die Verwaltung hält es allerdings für vertretbar, in der Oberen Neckarstraße über den kurzen Abschnitt von etwa 80 Metern den Verkehrsraum einzuengen", heißt es in einer von Hajek unterschriebenen Drucksache.

Im Übrigen geht Bürgermeister Wilfried Hajek davon aus, dass die Breite des Weges von 4,50 Metern "hinreichend dimensioniert ist" und setzt auf das Prinzip der Selbstorganisation. Dabei ist der Verwaltung bewusst, dass es sich bei der Oberen Neckarstraße "um eine der wichtigsten und am stärksten frequentierten Fuß- und Radwegachsen im Stadtgebiet handelt.

Um die Verkehrssicherheit zu erhöhen, wird die Verwaltung diesen Teil der Oberen Neckarstraße als "Fußgängerzone/Radfahrer frei" ausweisen. Das heißt, dass hier Radfahrer Schrittgeschwindigkeit fahren müssen. jof