Ausgebrochener Zirkus-Elefant tötet Mann

Buchen/Heilbronn  Ein ausgebrochener Zirkus-Elefant hat am Samstagmorgen in Buchen einen 65-Jährigen tödlich verletzt. Es gibt erste Reaktionen von Tierschutzorganisationen.

Von Daniel Stahl und dpa

An dieser Stelle geschah das Unglück. Foto: Ralf Scherer

Das Tier ist laut Polizei am Samstagmorgen aus einem Zelt des Zirkus Luna ausgerissen, in dem es untergebracht war. Gegen 5.30 Uhr war der Elefant dann am nahen Buchener Sportgelände unterwegs.

Nach den bisherigen Informationen griff er dort kurz nach seinem Ausbruch einen 65 Jahre alten Mann an und verletzte diesen tödlich. Zwei Personen sahen den Unfall von der Straße aus und alarmierten die Polizei.

Wie konnte der Elefant ausbrechen?

Der 65-Jährige war laut Polizei wie üblich gegen 5 Uhr spazieren gegangen, um Pfandflaschen und Dosen einzusammeln. Da der Mann nicht zur gewöhnlichen Zeit nach Hause zurückkehrte, machte sich seine Ehefrau auf die Suche. Sie entdeckte dann die bereits eingetroffene Polizei beim Sportplatz, wo ihr Mann gestorben war.

Warum es zu dem Unfall kam, ist noch unklar. Kurz nach dem Unfall beruhigte ein Mitarbeiter des Zirkus das Tier und brachte es in sein Zelt zurück. Ein Veterinär muss das Tier nun untersuchen und entscheiden, ob es eingeschläfert wird.

Reaktionen

Die Tierschutzorganisation Vier Pfoten hat als Reaktion auf den Vorfall in Buchen ein Wildtierverbot für Wanderzirkusse gefordert. „Bewegungsmangel und permanenter Stress führen häufig zu Verhaltensstörungen bei den Tieren, zu deren Folgen aggressives Verhalten gehört“, sagte der Wildtierexperte der Organisation, Thomas Pietsch, laut Mitteilung.

In Zirkussen in Europa und Nordamerika seien seit 1980 mindestens 52 Menschen von Elefanten getötet und fast 150 teilweise schwer verletzt worden. In Deutschland gebe es noch über 140 Wanderzirkusse mit gefährlichen Wildtieren wie Braunbären, Löwen, Tigern und Nashörnern.

Polizei spricht von möglichem Fremdverschulden

Das Zelt, in dem die afrikanische Elefantenkuh namens Baby untergebracht war, war laut Polizei unbeschädigt. Aufgrund weiterer, vor Ort festgestellter Umstände, kann ein Fremdverschulden derzeit nicht ausgeschlossen werden, sagt Yvonne Schmierer, Pressesprecherin der Polizei Heilbronn.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen. Der Zirkus möchte derzeit noch nichts zu dem Vorfall sagen. Er hat alle geplanten Vorstellungen in Buchen abgesagt.

Elefanten haben schon mehrere Menschen verletzt

Schon früher hatte der Elefant des Zirkus Luna Menschen verletzt. Im September 2010 schleuderte er in Leutkirch einen Mann in die Luft und verletzte ihn schwer. Der Vorfall hatte keine strafrechtlichen Folgen, weil der Mann selbst sich zwischen den Elefanten und einen Zaun gedrängt hatte.

Im Oktober 2012 schlug die Elefantendame in Burladingen einen zwölfjährigen Jungen mit dem Rüssel ins Gesicht und brach ihm den Kiefer. Der Zwölfjährige hatte allerdings zuvor eine Sicherheitszone betreten.

Nach Medienberichten führte Stefan Frank, der Junior-Chef des Zirkus, seine Elefantendame in den vergangenen Jahren regelmäßig zu Spaziergängen aus. Dabei war das Tier schon mehrfach ausgebrochen. Noch am Mittwoch war die Elefantendame mit zwei Zirkusmitarbeitern in der Buchener Innenstadt spazieren gegangen.

Anzeigen wegen Haltungsbedingungen

Auch wegen angeblich nicht artgerechter Tierhaltung steht der Zirkus immer wieder in der Kritik. Erst im März erstattete die Tierrechtsorganisation Peta Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen, weil der Zirkus einen Elefanten in einem schlecht beheizten Lastwagen untergebracht hatte.

Das örtliche Veterinäramt ordnete darauf eine bessere Unterbringung an. "Es gab aber unseres Wissens nach keine Vorfälle, die einer Behörde Anlass gaben, Auftritte des Elefanten zu verbieten", heißt es von der Polizei.

In einem anderen Fall im Oktober 2013 attestierte das Veterinäramt Dachau den Tieren des Zirkuses einen "guten Ernährungs- und Pflegezustand". Der Zirkus behauptete immer wieder, Peta führe eine ungerechtfertigte Kampagne gegen ihn. Die Zirkusfamilie Frank sprach in Medienberichten von Rufmord.

Vergangene Woche gab es Meldungen, dass der Zirkus die 28 Jahre alte Braunbärin Bessy eingeschläfert hatte wegen eines Bandscheibenvorfalls. Tierschützer nehmen das als erneuten Beleg für schlechte Haltungsbedingungen.