Das Maimotto ist "Wir grüßen uns freundlich"

Musik, Deutsch und Sozialkompetenz - Die Silcherschule Heilbronn gibt sich ein Profil mit drei Säulen

Von Gertrud Schubert

Das Maimotto ist "Wir grüßen uns freundlich"

Ferdinand ist bei den Kindern sehr beliebt. Deshalb darf das Chamäleon auch kritisieren und Punkte verteilen fürs Mitmachen. (Foto: Ulrike Kugler)

Schwierigkeiten, schlicht Schwierigkeiten hatte die Silcherschule mit einer Klasse. Die Kinder waren unaufmerksam, unkonzentriert, konnten nicht sitzen bleiben, Arbeitsaufträge wurden nicht erledigt. Es war schrecklich für alle Beteiligten. Drei Jahre ist das jetzt her. Übers Schul(aufsichts)amt organisierte Rektorin Doris Klotz Hilfe. Seitdem kooperiert die Grundschule im Heilbronner Osten mit der Alice-Salomon-Schule für Erziehungshilfe in Sontheim. In vier Stunden pro Woche glätteten Gespräche, Rollenspiele, Konflikttraining die Probleme im Klassenzimmer.

Und dann wurde für die 100 Erstklässler das Verhaltenstraining eingeführt. Mit der Jugend- und Heimerzieherin Susanne Drauz kam Ferdinand in die Silcherschule. Einmal pro Woche wird jede der vier ersten Klassen für eine Stunde geteilt. Bei einer großen Schatzsuche, das ist die Rahmenhandlung, lernen die Kinder, dass ihr Gegenüber auch Gefühle hat, und wie man die erkennt. Sie üben, wie man Ärger besiegt. Und wie man Konflikte löst, ohne handgreiflich zu werden.

Anfangs waren einige Lehrerinnen skeptisch. "Da fehlt uns eine Stunde", fürchteten sie. Doch die Rektorin versicherte ihnen: "Ihr könnt viel schneller unterrichten, wenn die Atmosphäre stimmt." Und Dr. Andreas Quintela-Schneider beobachtete zuhause einen "neuen" Buben. Nicht mehr so aufbrausend sei er gewesen, er kann sich selbst - und andere - wahrnehmen, andere ausreden lassen.

Davon sollen alle Kinder profitieren. Deshalb suchte der Arzt Sponsoren - das Sozialtraining läuft weiter. 20 Ärzte machen sich jetzt beim Trollinger Marathon auf die Strecke - für das Sozialtraining. Und 150 bis 200 Silcher-Kinder machen beim Bambini-Lauf mit. Auch das Faustlos-Programm der Bürgerstiftung hält in der Silcherschule Einzug.

Sozialkompetenz will Doris Klotz zu einer Säule im Profil der Schule machen - neben Musik und Deutsch ("Jede Stunde ist eine Deutschstunde."). Kleine Schritte bringen die Schule voran. Im Treppenhaus hängt seit kurzem eine Wolke und verkündet das Monatsmotto: "Wir grüßen uns freundlich", hieß es vor den Pfingstferien. Ein Sozialteam aus Lehrern und Eltern erstellt Regeln - für jede Altersstufe passend und verbindlich.

Nach den Sommerferien wird in der Silcherschule "geklippert", das heißt in zwei Eingangs- und zwei dritten Klassen unterrichten die Lehrerinnen mit neuen Methoden nach Heinz Klippert. Im Herbst startet die Kinderakademie, nach Lauffen und Neckarsulm die dritte in der Region. Für begabte Acht- bis Zwölfjährige gibt es an Nachmittagen und samstags ein interessantes Kursprogramm.