Zirkus hat auch ohne Elefanten viel zu bieten

Heilbronn  Am Donnerstagabend fand auf der Heilbronner Theresienwiese die Premieren-Show des Circus Carl Busch statt. Wegen des Heilbronner Wildtierverbots mussten die Artisten ohne Elefanten anreisen.

Von Katharina Loch

 

Bis kurz vor der Show wurden noch die letzten Feinheiten geprobt. Vor allem das Zusammenspiel zwischen Licht, Technik, Musik und Artisten musste noch perfekt abgestimmt werden. Jan Bühring, der Tourchef vom Circus Carl Busch, verrät, „die Aufregung vor dem Auftritt geht nie weg“.

Auch wenn Profis ihr Können in der Manege zeigen, lief nicht alles reibungslos bei der Premiere am Donnerstag. Das Live-Orchester stimmt zweimal das falsche Lied an bei der Performance von Nicol Nicols. Der ausgezeichnete Drahtseilkünstler selbst überzeugt danach aber mit erstaunlichen Salti.

Bei den Kunststücken der acht Schlittenhunde überrascht es, als einer der Hunde plötzlich rückwärts anstatt vorwärts eine Rutsche hinunter gleiten möchte.

Moderator bittet um Verständnis für kleine Missgeschicke

Bühring, auch Moderator des Abends, bittet das Publikum um Entschuldigung: „Das ist heute unsere erste Show der Saison. Das gesamte Team muss sich in den nächsten Tagen noch einspielen.“ Das Publikum zeigt sich verständnisvoll, an Beifall mangelt es nicht.

Die Zuschauer staunen über die unterschiedlichen Darbietungen. Vor allem die Vielfalt der Zirkuskünstler bleibt im Gedächtnis. „Hier leistet eine Familie so viel gleichzeitig, da ziehe ich den Hut davor“, bewundert Wolfgang Brückner.

Die Zirkusfamilie Saabel ist während der zweistündigen Aufführung mehrmals zu sehen. Alexandra Saabel eröffnet den Abend mit einer Flamenco-Show, verbiegt später ihren Körper synchron mit Schwester Kelly, liefert die winterliche Show mit den Schlittenhunden ab und verzaubert zum Schluss als Teil der Illusionsnummer im Las Vegas-Stil von Jimmy Saylon.

Zirkusbesitzer beteiligen sich an der Show

„Wir leben und arbeiten zusammen, jeder muss hier jedem helfen“, erzählt die vielseitige Artistin. Auch die Zirkusbesitzer sind mehrmals vertreten. Jamena Wille-Busch schwebt an seidenen Tüchern akrobatisch durch die Lüfte. Ihre Mutter Natascha beeindruckt mit dem Markenzeichen von Busch: sechs Vollblutpferde.

Zu guter Letzt verzaubert der sechsjährige Alfons Wille-Busch das Publikum. Er weiß mit seinen jungen Jahren schon, wie er die Herzen der Zuschauer gewinnt: mit flotten Sprüchen und einigen Gesangseinlagen. „Er ist ein Charmeur der alten Schule“, weiß Jan Bühring. So viel Mut und Spontaneität sei bewundernswert.

Die Clowns bringen vor allem die kleinen Gäste mit Späßen zum Lachen. Außerdem sind sie die Entertainer des Abends. Viele Plätze sind frei geblieben bei der Premierenvorstellung. Umso wichtiger sei es, dass die Clowns das Publikum zum lauten Klatschen und Jubeln animieren – mit Erfolg.

Die Elefanten sind nicht dabei

Artisten, Tiere, Clowns und Live-Orchester: „Wir sind ein klassischer Zirkus im modernen Stil“, so beschreibt es Bühring. Aber eines fehle ihm am heutigen Abend. „Unsere Elefantendamen, die vermissen wir hier.“ Nach einem Beschluss von 2015 untersagt die Stadt Heilbronn Zirkussen vor Ort Wildtiere auftreten zu lassen. In den nächsten Städten sollen die Elefanten wieder mit dabei sein.

Wie steht das Heilbronner Publikum dazu? „Mir fehlen die außergewöhnlichen Tiere gar nicht. Der Zirkus bietet trotzdem viel. Außerdem ist das eine Entscheidung der Stadt, die muss man eben akzeptieren“, findet Günter Frey. Auch Kerstin und Wolfgang Brückner sind sich bei dem Thema nicht einig. „Generell sehe ich die Haltung von Wildtieren im Zirkus als problematisch an“, meint Kerstin Brückner. Ihr Mann kontert: „Ich als Zirkusfan bin mit den Tieren vor Ort einfach aufgewachsen, das kenne ich gar nicht anders und vermisse die Exoten.“

Die internationalen Artisten und Mitarbeiter freuen sich auf die kommenden Vorstellungen in Heilbronn. „Wir wünschen uns weiterhin ein glückliches und begeistertes Publikum, das ist unser Lohn“, versichert Bühring.

 

Karten

Tickets gibt es vor Ort oder bei allen bekannten Vorverkaufsstellen. Das Gastspiel dauert bis Sonntag, 2. April.