Vor Ort Hilfe für Auffällige

Schule für Erziehungshilfe verlagert ihre Arbeit ins Lebensfeld der schwierigen Kinder

Von Gertrud Schubert

Vor Ort Hilfe für Auffällige
Die Alice-Salomon-Schule bleibt bestehen und verstärkt ihre Erziehungshilfe für verhaltensauffällige Kinder in den Grund- und Hauptschulen.Foto: Sattar/Archiv

Heilbronn - Der Bedarf an Erziehungshilfe ist unumstritten. Über 200 schwer verhaltensauffällige Schüler gibt es zurzeit in Heilbronn. Tendenz? Vermutlich steigend. Sonderpädagogische Hilfen sollen in Zukunft dezentral, direkt an den Schulen angeboten werden. Die private Alice-Salomon-Schule für Erziehungshilfe (Schule E) in Sontheim bleibt jedoch weiterhin bestehen.

Modellversuch Ende Oktober kam vom Regierungspräsidium in Stuttgart die offizielle Genehmigung für den Schulmodellversuch der Diakonischen Jugendhilfe Region Heilbronn. Was schon um Ostern mit verstärkter Kooperation mit sechs Schülern und ihrer Klasse in der Staufenbergschule begonnen hat, wird in den nächsten drei Jahren kontinuierlich aus- und umgebaut. Die 25 Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Lehrer der Schule E entwickeln passend zu der jeweiligen allgemeinbildenden Schule und ihren auffälligen Sorgenkindern ein Hilfsangebot. Der Schulversuch läuft ressourcenneutral, sprich: Stuttgart garantiert 313 Lehrerwochenstunden, Heilbronn acht volle Stellen für Erzieher und Sozialpädagogen.

Erst 2001 hat die Schule E ihre Pforten geöffnet. Ohne die großzügige Unterstützung der Dieter Schwarz Stiftung wäre die besondere Ganztagsschule für Kinder mit den schwerwiegenden Verhaltensproblemen nicht eingerichtet worden. Im Lauf der Jahre festigte sich die Schülerzahl, die Zahl der auffälligen Jungen und Mädchen stieg zeitgleich enorm (siehe Grafik). Die Kooperation wurde ausgebaut - auch andere Träger, etwa die Evangelische Jugendhilfe Friedenshort und die Erziehungsberater von Caritas, Diakonie und Stadt sind in den Schulen direkt aktiv.

Alice-Schulleiterin Claudia Fritz erklärt die Kooperation an einem Beispiel: Drei Erstklässler in Frankenbach konnten sich in ihre Klasse nicht einfügen. Neun Stunden pro Woche waren daraufhin Sonderpädagogen in der Klasse präsent - für Sozialtraining mit allen Kindern, das ist beste Prävention. Sie kümmerten sich aber auch individuell um die Auffälligen. Ergebnis: Zwei der drei Kinder sind ohne weitere pädagogische Extras in die Klasse aufgerückt.

Neue Elternarbeit In vier Schulen werden die Alice-Pädagogen besonders präsent sein: Staufenberg- und Fritz-Ulrich-, Gerhart-Hauptmann- und Albrecht-Dürer-Schule. Diese Auswahl richtete sich nach dem Bedarf - wie auch die konkrete Hilfe. So arbeitet die Schule E gerade an einem Programm für die Eltern der Fünftklässler an der Albrecht-Dürer-Schule. „Es wird nicht beim Elternabend bleiben“, verabschiedet sich der Leiter der Alice-Jugendhilfe, Ulrich Oberst, von gewöhnlichen Ratgeberveranstaltungen, die oft schlecht besucht werden. Mit Outdoor-Training und spannenden Kursen wollen sie das Interesse der Eltern an ihren Kindern neu wecken.

Für auffällige Kinder und ihre Klasse gibt es in der Staufenbergschule ein maßgeschneidertes Programm. Vorteil der Kooperation ist: Die Kinder bleiben in ihrer Umgebung, ihre Integration in Schule und Klasse beginnt sofort. Die Pädogogen sprechen sich ab. Und trotzdem reicht solche Hilfe manchmal nicht aus, die Schüler brauchen Schonraum, um Strukturen zu lernen. Deshalb will Schulamtsdirektorin Sonja Buss die Schule E auf keinen Fall abschaffen.