Nächtliche Suche nach Taxifahrern ohne Schein

Zoll-Razzia vor der Diskothek Musikpark - Jeder vierte Fahrer bezieht Arbeitslosengeld

Von Manfred Stockburger

Nächtliche Suche nach Taxifahrern ohne Schein
Nächtliche Razzia vor dem Musikpark in Heilbronn: Beamte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit nehmen Taxifahrer unter die Lupe.

Foto: Dittmar Dirks

Wir treffen uns um fünf vor zwölf im Hof, abfahrbereit“, sagt Thomas Wahl. Der Oberregierungsrat und Chef der Heilbronner Zoll-Eingreiftruppe in Sachen Schwarzarbeit hat einen Sinn für Dramatik. Noch sitzen seine Beamten aber im Besprechungszimmer des Hauptzollamtes in Böckingen und hören zu.

Mit einigen Filzerstrichen hat Philipp Trick, der den Einsatz vorbereitet hat, eine Karte des Parkplatzes vor dem Musikpark an die Tafel skizziert: „Hier warten die Taxis“, zeigt er. Genau legt er fest, welcher Streifenwagen wo abgestellt wird, damit keiner der Chauffeure entkommen kann. Denn ihnen gilt der nächtliche Einsatz: Schwarzarbeitern im Taxi.

„Noch eine Bitte“, schließt Trick die Einsatzbesprechung ab: „Bitte schreibt ordentlich. Sonst können wir die Erfassungsbögen nicht auswerten.“ Jetzt gibt es noch eine Tasse Kaffee und ein bisschen Zeit, bis die schusssicheren Westen angezogen werden müssen. Die gehören für die Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit ebenso zur Grundausstattung wie die grüne Zoll-Uniform und die Dienstwaffe.

Ende der Party Dann geht’s los. Damit bloß kein Taxifahrer Verdacht schöpft, fährt der Einsatzkonvoi einen Umweg zur Disko. Abgetanzte Teenager stehen in Grüppchen frierend vor der Türe: Für alle unter 18 ist die Party spätestens um Mitternacht zu Ende. Weil sich um diese Zeit viele per Taxi nach Hause kutschieren lassen, haben die Zollbeamten den Termin ausgewählt. Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Die Streifenwagen werden an den vereinbarten Positionen abgestellt. 18 Frauen und Männer in Uniform steigen aus.

Nur: So ganz geht die Rechnung nicht auf. Statt der erhofften zwei Dutzend Taxis steht nur eine Hand voll vor der Disko. Chef-„Zolli“ Thomas Wahl schaut ein wenig grimmig aus der Uniform. Als dann doch noch ein paar Autos mit den gelben Schildern vorfahren, entspannt er sich wieder.

Ausweis, Führersschein, Personenbeförderungsschein, Taxischein. Viele Dokumente muss einFahrer mit sich führen, wenn er keinen Ärger bekommen will. Außerdem interessiert den Zoll, ob die Fahrer angestellt und auch angemeldet sind. Oder ob sie Arbeitslosengeld beziehen.

Gleichmütig lassen die Fahrer die Kontrolle über sich ergehen. „Können Sie uns fahren“, will eine Gruppe Jugendlicher wissen. Inzwischen regnet es. Der Fahrer winkt ab. „Leider nicht.“ Er hat seinen Pass nicht dabei und muss warten, bis sein Sohn den Ausweis vorbeibringt.

Nach einer guten halben Stunde ist der Spuk vorbei. Etwa 20 Erfassungsbögen haben die Beamten ausgefüllt. Jetzt fahren sie wieder zurück ins Hauptquartier. Für die meisten beginnt der Feierabend, auch wenn der Auftrag noch nicht abgeschlossen ist: Die Angaben der Taxifahrer müssen noch überprüft werden - am Montag, wenn die Arbeitsagenturen wieder erreichbar sind. Erst dann steht fest, ob sich die Nachtschicht gelohnt hat.