Heute erklingt das Friedenslied

Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn erinnert bei Sommerfest an das israelitische Landesasyl

Von Gertrud Schubert

Heute erklingt das Friedenslied
Kinderfreuden im Kunstsee. Das Boot ist aus Weidenruten, Stoff und Dachlack. Im Strohballenteich kann man nach Schuhen und Fischen angeln.Foto: Marc Schmerbeck

Heilbronn - Die Diakonische Jugendhilfe Region Heilbronn (DJ) feierte Sommerfest: mit Kasperletheater und Reden, Bootsfahrten zwischen Strohballen und Losverkauf - all das in und rund um die Alice-Salomon-Schule in Sontheim (ASS). Stadtarchivar Christhard Schrenk erinnerte an die 100-jährige Geschichte des heute als Schule für Erziehungshilfe genutzten Gebäudes.

„Hevenu Schalom Alejchem“ singt das Saxophon im heutigen Foyer des ehemaligen israelitischen Landesasyls. Wäre doch für die Bewohner des jüdischen Altenheims Ende der 1930er Jahre das Friedenslied erklungen. Geräumt haben die Nationalsozialisten die Zuflucht für Juden aus ganz Württemberg. 150 Menschen hatten gehofft, in Sontheim den NS-Schergen zu entkommen. 118 von ihnen, so berichtete Christhard Schrenk, fanden bei der Deportation und in Konzentrationslagern den Tod.

Im Stadtarchiv liegen Zeitzeugenberichte. Heilbronner erzählen, was sich in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 zutrug. Während die Synagoge in der Stadt in Flammen aufging, stürmten etwa zehn Männer mit Gesichtsmasken das schlossartige Gebäude am Rande von Sontheim. Fotoapparate wurden eingezogen - um die Entstehung von Beweismaterial zu verhindern. Telefonkabel wurden durchgeschnitten - damit keine Hilfe herbeigerufen werden konnte.

Am andern Morgen war kein Fenster mehr ganz. Das Mobiliar kurz und klein geschlagen. Sämtliche Waschbecken zerstört. Die Lebensmittelvorräte und 300 Gläser Eingemachtes auf einen Haufen geworfen.

Später sah das Haus wieder bessere Zeiten. Völlig überbevölkert war es in der Nachkriegszeit - bis zu 500 Menschen, Flüchtlinge aus Lettland und Slowenien, waren hier untergebracht. Ab 1946 Frauenklinik, kamen hier bis 1964 fast alle „echten“ Heilbronner auf die Welt. Nachsorgeklinik war das Haus dann bis 1991, seit 2001 ist es Schule.

Doch auch sie wird sich, kaum hat sie ihr pädagogisches Profil ausgefeilt, wieder ändern. „Erneuerung und Veränderung ist permanenter Teil sozialer Arbeit“, versucht Siegfried Gruhler vom DJ-Vorstand den Wandel zu beschreiben. Integration ist das Stichwort: Pädagogen der ASS werden nach den Sommerferien die verhaltensauffälligen Kinder und Jugendlichen in der Regelschule begleiten. Kooperiert und integriert wird in der Gerhart-Hauptmann-, der Fritz-Ulrich-, der Albrecht-Dürer- und der Staufenbergschule. Etwa die Hälfte der Schüler findet, so sagt Schulleiterin Claudia Fritz, dennoch in der Sontheimer ASS dichte pädagogische Begleitung und Schulbildung.