C&A schließt die Pforten in der Kaiserstraße

Heilbronn - Wenn C&A an diesem Samstag sein Bekleidungshaus an der Kaiserstraße nach fast 50 Jahren schließt, ist fraglich, ob es eine rasche Lösung für das leerstehende Gebäude geben wird.

Von unserer Redakteurin Bärbel Kistner

C&A Kaiserstraße

 

Heilbronn - Wenn C&A an diesem Samstag sein Bekleidungshaus an der Kaiserstraße nach fast 50 Jahren schließt, dann kann sich Thomas Gauß einen Blick in die Vergangenheit nicht verkneifen. 2009 öffnete das Kaufhaus Klosterhof – ausnahmslos bestückt mit Filialisten, die bereits ein Geschäft in der Heilbronner Innenstadt betrieben.

C&A ist das letzte Unternehmen, das seinen ersten Standort nun dicht macht, Drogeriemarkt Müller und New Yorker hatten damit nur wenige Monate gewartet. „Die Blauäugigkeit, mit der man damals nicht nur bei der Verwaltung glaubte, dass die Firmen Doppelstandorte in Heilbronn besetzen, ist im Nachhinein immer noch schwer nachvollziehbar“, betont der Vorsitzende der Stadtinitiative.

 

Beim Blick in die Zukunft erwartet Gauß keine rasche Lösung. „Einige Heilbronner nehmen sich des Objekts an, es gibt Ideen, nicht nur für Einzelhandel.“ Näheres ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Erfahrung zu bringen. Es sei jedoch fraglich, ob ein tragbares Konzept für eine Einzelhandelsnutzung gefunden werden kann. „Wenn, dann muss es ein Konzept sein, das als Solitär funktioniert.“ Die Anbindung an die Innenstadt hält Gauß für schwierig. Nach wie vor für sinnvoll hält er einen Teilabriss, dadurch könnten Parkplätze geschaffen werden. „Das ist die Grundvoraussetzung für jede neue Nutzung.“
 
Kranenstraße
 
6000 Quadratmeter Fläche hat das C&A-Haus. Den Flächenzuschnitt hält Gauß für gut, auch wenn die Raumhöhe nicht optimal sei. Auch die hohe Kaufkraft der Heilbronner dürfte einen möglichen Investor interessieren. Stirnrunzeln bereite dagegen vielmehr die Verkehrssituation. Ungeklärt sei nach wie vor, was mit der Kranenstraße passiere, etwa, ob diese geschlossen werde. „Verkehrsentscheidungen müssen jedoch so getroffen werden, dass der Standort leicht anfahrbar bleibt“, fordert Gauß. Von der Verwaltung erhofft sich zumindest in diesem Punkt Engagement: „Man muss Investoren vermitteln, dass es Sinn macht, in dieses Objekt zu gehen.“
 
Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach hatte jüngst in einem Stimme-Interview bekräftigt, dass die Stadt mit C&A im Gespräch sei. Der OB wünscht sich eine Handelsnutzung für Erdgeschoss und erstes Obergeschoss, in den zwei weiteren Geschossen kann er sich auch eine andere Nutzung vorstellen. In erster Linie sei jedoch der Eigentümer für seine Immobilie verantwortlich. Das Gebäude ist im Besitz des C &A-Schwesterunternehmens Redevco. Neues zur künftigen Nutzung ist dort derzeit nicht zu erfahren.
 
Laufwege
 
Einzelhändler in der westlichen Innenstadt üben sich angesichts des Leerstands und der Verschiebung der Laufwege vorerst in Gelassenheit. Irmgard Schilling vom Porzellangeschäft Seltmann in der Kramstraße setzt auf das Experimenta-Kaufhaus, das viel genutzt werde. „Die Schließung wird der Kirchbrunnenstraße Abbruch bringen“, sagt Karl-Josef Jochim von Tee Gschwendner. „Aber ich wähne mich deshalb nicht in Existenzängsten.“ Er hofft auf die positiven Veränderungen der künftigen Lösung. Zunächst aber freut er sich auf die Gebrüder Pfeffer im Fleischhaus, die zum Weihnachtsgeschäft 2012 öffnen wollen: „Davon wird die Kirchbrunnenstraße profitieren.“ 
 
Ungewissheiten
 
In Einzelhandelskreisen wurde von Anfang an bezweifelt, dass C&A sein Stammhaus an der Kaiserstraße auf Dauer halten werde. Denn die neue Filiale im Klosterhof ist mit 6300 Quadratmetern sogar noch etwas größer, zudem keine 300 Meter entfernt und verfügt über das gleiche Sortiment. Bis zum Sommer 2010 wurde von C&A jedoch stets dementiert, dass der Standort Kaiserstraße geschlossen wird. Unklar ist, ob das Gebäude verkauft oder an einen neuen Nutzer vermietet wird.