Bubeln und backen

Integrative Freizeit für behinderte und nicht behinderte Kinder

Von Katja Feiler

Bubeln und backen
Cem und Kevin backen für sich und die anderen Muffins zum Nachtisch. Insgesamt kümmern sich 13 Mitarbeiter um die 18 Kinder der Freizeit. So kann jeder das machen, was seinem Können entspricht.Fotos: Guido Sawatzki

Offene Hilfen - Vom anderen Ende des Ganges her trommelt es durchs Haus. Wer seine afrikanische Trommel fertig hat, probiert sie aus. Wer der 15 zum Teil schwerst behinderten Kinder und Jugendlichen nicht selbst die Farbe auf das Butterbrotpapier auftragen kann, das den ehemaligen Blumentopf umspannt, dem führen die Mitarbeiterinnen der Offenen Hilfen die Hand. So wird eine schöne afrikanische Trommel daraus. Zum zweiten Mal organisieren die Offenen Hilfen zwei je einwöchige Stadtranderholungen für behinderte Kinder und Jugendliche in der Alice-Salomon-Schule in Heilbronn.

Neu ist in diesem Jahr, dass pro Woche auch je drei Schüler der Schule für Erziehungshilfe mit dabei sind. Hartmut Seitz-Bay, Geschäftsführer der Offenen Hilfen Heilbronn, ist schon jetzt von der integrativen Freizeit begeistert: „Da haben beide Seiten etwas davon. Die Behinderten haben Kontakt mit Nicht-Behinderten, sind aber nicht wie sonst in den meisten Fällen in der Minderheit.“

Bubeln und backen
Maren Koppenhöfer bemalt Leonie die Hand für einen Abdruck auf Papier.
Freunde Die Erzieherin der Salomon-Schule, Katrin Müller, beschreibt den Erfolg aus ihrer Sicht: „Viele unserer Schüler haben ablehnend reagiert, als wir ihnen vorgeschlagen haben, bei der Stadtranderholung mit Behinderten mitzumachen. Aber den Sechs, die jetzt dabei sind, gefällt es sehr gut. Sie haben überhaupt keine Hemmungen und Berührungsängste.“ Die Behinderten wiederum wissen nicht, was die Schule für Erziehungshilfe ist, und haben keine Vorurteile gegenüber den Neulingen.

Die Heilerziehungspflegerin Ute Schwarz von den Offenen Hilfen erzählt zum Beispiel von Leon, der beim Spaziergehen gleich einen Rollstuhl schieben wollte. „Dann wollte er es unbedingt selbst ausprobieren, wie es ist, im Rollstuhl zu sitzen.“

Aus dem ersten Stock duftet es nach frisch Gebackenem. Zwei Mitarbeiterinnen haben mit drei Kindern Schoko-Muffins gemacht. Cem bietet jedem eifrig das süße Gebäck an. Dazwischen bubelt er mit Kevin. Vor der Freizeit kannten sich der behinderte und der schwer erziehbare Junge noch nicht. Jetzt sind sie Freunde.

Für alle Von 8.30 Uhr bis 17.30 Uhr erleben die 18 Kinder von sieben bis 20 Jahren noch in dieser Woche ein Rundum-Freizeitprogramm für jede Fähigkeit. Werkzeuge, Instrumente - alle Spielsachen der Schule sind im Einsatz. Mit Fingerfarben setzen Leonie und ihre Freunde den Abdruck ihrer Hand auf Papier. „Jeder macht, was er kann.“ 13 teils ehrenamtliche Helfer pro Freizeitwoche machen das möglich. Dass es das Angebot wieder geben wird, steht so gut wie fest. Nicht erst, seit Florian Ute Schwarz gefragt hat: „Kommt ihr nächstes Jahr wieder?“