Von einer, die ins Geisterland zog

    Von Steffan Maurhoff

    Von einer, die ins Geisterland zog
    Da lässt es sich leben: Melissa Messerschmidt mit ihrem Neffen Ryley in einem Park in ihrer Heimatstadt Brisbane, der Hauptstadt von Queensland in Australien. Sie besucht ihre Familie in Australien, so oft sie kann.

    Foto: privat

     

    BAD RAPPENAU - Australien, China, Frankfurt, Türkei, Rom - die Liste der Länder und Orte, an denen sich Melissa Messerschmidt (30) zuhause fühlt, ist lang und international. Einer davon wird ihr zeitlebens in Erinnerung bleiben: Bad Rappenau. Hier hat sie einige Jahre verbracht und Freunde fürs Leben gefunden.

    Geboren und aufgewachsen ist der blonde Wirbelwind in Australien, genauer gesagt in Brisbane, der Hauptstadt des Bundesstaats Queensland, der mit seinen 1,7 Millionen Quadratkilometern ungefähr siebenmal so groß wie Deutschland ist. Doch der Kontinent „down under“ war Melissa schon nach der Schule zu eng geworden. Sie zog es im Rahmen eines Austauschprogrammes nach Europa: „Ich wollte eigentlich nach Italien - und in Deutschland bin ich gelandet.“ Ihre ersten Eindrücke waren alles andere als warmherzig: „Es war Januar, es war saukalt und es hat geschneit.“

    Seitenverkehrt Der Tanz der Flocken war faszinierend für sie, denn Schnee hatte die junge Australierin bis dahin nur einmal gesehen: als geschlossene Decke bei einem Skiurlaub in den Blue Mountains. Der zweite Eindruck von Deutschland ließ ihr kurzzeitig das Blut in den Adern gefrieren. Entsetzt stellte sie auf der Autobahn fest, dass die sie mit Geistern reiste, denn die Sitze hinter den Lenkrädern waren leer: „Da fährt ja keiner“, glaubte die junge Frau für einen kurzen Augenblick, die in Australien eben keine Links-, sondern Rechtslenker gewohnt war.

    Wer Australien hört, denkt spätestens wenn er Durst bekommt an Fosters, das Bier mit dem blauroten Etikett. Wer Kraichgau hört, kennt den Stolz dieses Landstrichs. Welches der beiden Biere der Australierin besser geschmeckt hat? Ihre Antwort ist salomonisch: „Ich trinke gar kein Bier.“ Sie zieht stilles Wasser vor - übrigens auch dem hierzulande üblichen kohlesäurehaltigen Blubbersprudel.

    In Bad Rappenau hat sich Melissa Messerschmidt ein paar Jahre lang wohl gefühlt. Sie war in Vereinen aktiv, ging offen auf ihre Mitmenschen zu. Dabei war ihr deutscher Wortschatz zunächst ein sehr dürftiger: „Ich konnte bis zehn zählen und ,Guten Tag’ sagen.“ Fleißig lernte sie die neue Sprache und unterhielt sich auf die australisch-lockere Art mit jedermann: „Ich habe jeden geduzt.“ Die deutsche Höflichkeitsform „Sie“ lernte sie erst mit der Zeit kennen. Im nachhinein muss sie grinsen: „Das war mir total peinlich, weil ich wirklich jeden geduzt habe.“

    Freiheitsdrang Inzwischen spricht Melissa Messerschmidt perfekt Deutsch, arbeitet auf dem Frankfurter Flughafen in einem Cargo-Unternehmen. Nicht nur für Handelsgüter, sondern auch für sie selbst ist der Airport das Tor zur Welt geblieben. Schließlich besucht sie nach Möglichkeit einmal pro Jahr ihre Eltern in Australien, ihre Zwillingsschwester Danielle und die Neffen Tye und Ryley.

    Die Kosmopolitin ist noch nicht sesshaft geworden, kann sich vorstellen, eines Tages in London oder irgendwo sonst zu leben. Lachend gesteht Melissa Messerschmidt: „Ich brauche sehr viel Freiheit.“ Nach Australien möchte sie möglichst bald wieder. Wenn es geht, im Bauch einer A 380. Für das neue Riesen-Passagierflugzeug verlost unter anderem ein Frankfurter Sender gerade Tickets. Messerschmidt muss allerdings als erste Hürde nur schlappe 380 Gründe fürs Mitfliegen finden, wenn sie Glück haben soll. Die Globetrotterin erschrickt davor nicht und setzt auf ihren unverwüstlichen Optimismus: „Ich versuch’s.“




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