Und im Gepäck ein Bild der Ravensburg
Von Alexander Hettich
Frag zehn Deutsche, die ausgewandert sind, nach dem Grund für ihren Wegzug. Neun davon antworten garantiert: „Die Bürokratie ging mir auf die Nerven.“ Kathinka Forster ist da eine erfrischende Ausnahme. „Wer über die Bürokratie in Deutschland klagt, der kennt Kanada nicht.“ Dorthin folgte die gebürtige Sulzfelderin vor sechs Jahren ihrem Mann Clemens, der bei einem Brauerei-Multi anheuerte. Danach ging es über Belgien nach Österreich. „In Linz“, versichert die Weltenbummlerin, „wird erst einmal unsere Heimat bleiben“. Eine von zweien zumindest.
Kathinka Forster, geborene Rückel, ist selbst Expertin in Sachen Bier. Nach dem Abitur in Eppingen ließ sie sich in Tauberbischofsheim zur Brauerin und Mälzerin ausbilden, studierte dann Brauereiwesen in Bayern, wo sie auch ihren späteren Mann kennen lernte. In Kanada, ihrer ersten Auslandsstation, bewarb sie sich gleich um eine Arbeitserlaubnis. Vergebens. „Da erkundigt man sich bei zehn Leuten und bekommt fünf verschiedene Antworten“, erinnert sich die 38-Jährige, die ihr Geburtsland aus der Distanz in mildem Licht sieht. „Deutschland wird oft schlechtgeredet“, kritisiert sie, „dabei ist es gar nicht so mies.“
Die Forsters mussten sich irgendwann entscheiden: Kanada für immer? „Die alten Kontakte werden ja schnell weniger.“ So zog es das Paar zurück nach Europa. Erst nach Haacht, südöstlich von Brüssel. Aber die Brauerei-Industrie ist international, Manager müssen mobil sein. Der gebürtige Österreicher Clemens Forster fand einen neuen Job in Linz an der Donau, wo sich die kleine Familie mit dem zweijährigen Sohn Maximilian schnell wohl fühlte. „Eine wunderschöne Stadt“, schwärmt Kathinka Forster, die freiberuflich für ein Fachmagazin Artikel übersetzt. Österreich mag nicht das exotischste aller Auswandererziele sein. Unterschiede zu Deutschland gibt es aber durchaus, betont die Wahl-Linzerin. Das fange schon bei der Mode an. „Die Frauen hier kleiden sich gewagter, ausgefallener.“
Was die Kinderfreundlichkeit angeht, könne man sich hierzulande an den Österreichern ein Beispiel nehmen. Der nächste Spielplatz ist nie weit entfernt, Betreuungsmöglichkeiten in Horten oder bei Tagesmüttern gibt es für Kleinkinder reichlich: „Da sind sie hier schon ein Stück weiter.“ Was ihr auch gleich positiv auffiel: „Die Leute sind einfach freundlicher, sie haben mich als Deutsche besonders nett aufgenommen.“
Linz ist der neue Lebensmittelpunkt, „hier zieht mich erstmal nichts fort.“ Aber Sulzfeld, „das wird immer meine Heimat bleiben“. Regelmäßig besucht Kathinka Forster alte Freunde und Verwandte. „Immer wenn ich mit dem Auto über das Weinsberger Kreuz fahre, dann habe ich das Gefühl, daheim zu sein.“ Am Kraichgau fasziniert die Brauerei-Fachfrau die Hügel-Szenerie. Das Flachland war nicht ihr Ding. „In Belgien“, erzählt sie, „war alles ganz platt, das ist schon ungewohnt.“ Die Verbundenheit zu Sulzfeld hat die 38-Jährige von ihrem Vater, einem Mitglied der Heimatfreunde. In Kanada hatte die Auswanderin ein Bild im Gepäck, das ein Panorama mit der Ravensburg zeigte.
Der Kraichgau-Bildband hat immer noch einen Ehrenplatz im Regal. Wenn sie in Deutschland ist, stattet Kathinka Forster gern einmal einer der Besenwirtschaften einen Besuch ab. „Ich bin ein Trollinger-Lemberger-Fan.“ Der badische Wein hat es ihr angetan. Wo es das beste Bier gibt, das wusste die Expertin auch schon, bevor sie anfing, durch die Welt zu tingeln. „In Deutschland natürlich.“
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