Türkische Gemeinde will Stadt unterstützen (27.11.2009)
Von Adrian Hoffmann
Neckarsulm - Der Umgang mit einer vorwiegend türkischen Jugendbande ist weiter Thema in Neckarsulm. Innerhalb der türkischen Gemeinde wurde in den vergangenen Wochen viel darüber gesprochen, wie auf die Situation angemessen reagiert werden kann. Wie berichtet sollen drei Jugendliche Ende Oktober ein 14-jähriges Mädchen und dessen 15-jährige Freundin auf dem Gelände des Neckarsulmer Jugendhauses sexuell genötigt haben. "Wir verurteilen das aufs Schärfste", sagt Yilmaz Kocak, Vorsitzender des Islamischen Kulturzentrums, am Rande des muslimischen Opferfestes am Freitag.
Allerdings seien die Familien der betroffenen Jugendlichen in der Regel gar nicht in der türkischen Gemeinde präsent. Nur weil es sich um türkische Jugendliche handele, heiße das nicht, dass die Gemeinde Zugang zu ihnen habe. "Natürlich können wir nicht für jeden Jugendlichen verantwortlich sein", sagt Kocak. Am Samstag, 5. Dezember, wird es im Teehaus der alten Moschee ein weiteres Gespräch zwischen Jugendarbeitern, Eltern und Vertretern der türkischen Gemeinde geben. "Wir wollen mit der Stadt zusammenarbeiten und helfen, wo wir können", so Kocak.
Eine solche Tat sei nicht zu akzeptieren, sagt auch Mustafa Kara, ehemaliger CDU-Stadtrat - die Jugendlichen sitzen in Untersuchungshaft. Allerdings müsse man sehen, dass das "ein gesellschaftliches Problem" sei. Mit der Nationalität habe das nichts zu tun. "Man darf da nicht verallgemeinern", warnt Kara. Insgesamt sei der jüngste Vorfall im Zusammenhang mit den Jugendlichen, die sich selbst als Devil Türken bezeichnen, eine traurige Sache. "Aber die Werte bröckeln überall, nicht nur bei uns, sondern auch bei den Deutschen", sagt Mustafa Kara. Er kritisiert auch die Stadt: "Wieso gibt es erst eine Zusammenarbeit, wenn etwas passiert ist?" Es müssten prinzipiell mehr türkisch sprechende Angestellte in städtischen Einrichtungen gefördert werden, meint er.
Zum morgendlichen Gebet am ersten Tag des Opferfests - das höchste islamische Fest - sind mehr als 1000 Muslime ins Islamische Kulturzentrum gekommen. Die meisten Besucher kennen die jugendliche Gruppe, die aufgrund von Straftaten in der Vergangenheit immer wieder in die Schlagzeilen geriet. "Das gab's zu unserer Zeit nicht", sagt Ercan Oruc, 22. Von dieser Gruppe seien die ältesten höchstens 17 Jahre alt.
Im neuen Islamischen Kulturzentrum in Neckarsulm soll es künftig mehr Angebote für Jugendliche geben. "Es soll ja auch ein Integrationszentrum werden", sagt Vorsitzender Mehmet Kayali. Er hatte bei einem ersten Gespräch mit Eltern in der vergangenen Woche den Eindruck gewonnen, dass sich etwas zum Besseren entwickeln kann. "Die Eltern sind sehr traurig und suchen auch nach eigenen Fehlern", sagt Kayali. "Es sind alle bereit, etwas zu ändern."
Auch Oberbürgermeister Joachim Scholz hat sich bereits im Rahmen des Freitagsgebets in der Moschee zur Thematik geäußert. „ Ich habe den Eindruck, dass die türkische Gemeinde ebenso wie die Stadt froh darüber ist, dass man versucht, diese Situation gemeinsam zu meistern“, sagt er. Es gebe ein große Betroffenheit.
Opferfest
Zur Feier des höchsten Fest des Islam opfern viele gläubige Muslime ein Tier, oftmals Lämmer. Das Fleisch soll auch unter den Armen verteilt werden. Es ist Brauch, allen Freunden zum Opferfest die besten Wünsche zu versichern. In den vier Tagen, an denen Muslime feiern, wird des Propheten Ibrahim (Abraham) gedacht. aho
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