Klares Bild vom Umriss

Luftaufnahmen geben Aufschluss über den Scheinbahnhof

Von Elke Khattab

Klares Bild vom Umriss
In wenigen Minuten kommt der Flieger: Tobias Friebel, Adrian Blatt, Soup-Künstler Uli Bernhard und Volker Friebel (von links) befestigen die Absperrbänder.Foto: Elke Khattab

Lauffen - Der Flieger ist schon in der Luft. Er wird in zehn Minuten hier sein", ruft Volker Friebel durch das Megaphon. Es ist kurz vor zwölf und die Spannung wächst. Endlich ist es soweit: Am strahlend blauen Himmel erscheint die silberglänzende einmotorige Propellermaschine M20T. Wie die britischen Bomber während des Krieges fliegt auch sie aus Richtung Norden ein. Der Unterschied: Statt der einstigen Attrappe des Stuttgarter Bahnhofs sieht der Pilot jetzt nur die Umrisse der Scheinanlage Brasilien − und diese sollen von der Luft aus gefilmt und fotografiert werden.

Markierung Heftig zerrt der Wind an den rot-weißen Absperrbändern hinter dem Siegersgrund auf der Gemarkung zwischen Lauffen, Nordheim und Hausen. Gemeinsam mit Volker Friebel, Leiter des Museums im Klosterhof, haben 15 Schüler der neunten Klasse der Hölderlin Realschule Lauffen hiermit die Umrisse der einstigen Scheinanlage markiert, mit der britische Bomber im Krieg vom Stuttgarter Hauptbahnhof abgelenkt werden sollten (wir berichteten).

Projekt Wegen des Windes müssen die Absperrbänder gut festgehalten werden, denn die Grenzen sollen auf den Luftaufnahmen genau zu sehen sein. Aufgenommen werden sie von zwei Mitgliedern der Künstlergruppe Soup (Stuttgarter Observatorium für urbane Phänomene), die das Projekt ebenso wie die künstlerische Ausstellung begleiten, den Flieger zur Verfügung gestellt haben und an diesem Tag auch die "Bodentruppe" unterstützen.

Um sich ein Bild von den Umrissen des Scheinbahnhofs machen zu können, hat Volker Friebel bei der Royal Air Force in Edinburgh eine alte Luftaufnahme eines Aufklärerfliegers angefordert. "Darauf kann man die Anlage ganz gut erkennen", erläutert der Museumsleiter. Im "Overlay-Verfahren" habe man diese Fotografie dann auf eine Fluraufnahme der Gemarkung gelegt und so die Umrisse abstecken können. "Das Ganze hat viel Zeit gekostet", so Friebel. Aber es hat sich gelohnt: Durch die abgesteckte Fläche von rund 105 Metern Länge und 40 Metern Breite kann man sich die Attrappe gut vorstellen: "Die Anlage war etwa zwei Drittel so groß wie der echte Bahnhof", erklärt Friebel und zeigt die Lage von Front und Turm.

Auch Carmen Schiffmann aus Meimsheim kann die Lage der "Scheinanlage Brasilien jetzt "gut nachvollziehen". Die 15-Jährige gehört zu den freiwilligen Schülern, die sich an dem Projekt beteiligen: "Das alles ist sehr spannend", findet Carmen. "Ich hatte vorher noch nie etwas von der Attrappe gehört."

Modell Unter der Leitung ihrer Kunstlehrerin Brigitte Friebel fertigen die Schüler nun ein Modell des Scheinbahnhofs samt der imitierten Lichtanlage an. Dieses wird dann ebenso wie die Luftaufnahmen in die Ausstellung integriert, die ab Mai zu sehen sein wird. "Alles weitere ergibt sich aus der Zusammenarbeit mit den Künstlern", so Friebel.