Hoffnung für kleine Patienten

Kinderärztin Monika Golembiewski konzentriert sich auf Indien − Klinik bald fertig

Von Sabine Friedrich

Hoffnung für kleine Patienten
Monika Golembiewski mit ihrem Sohn Nico im Sommer auf der Baustelle in West-Bengalen. Die beiden haben Türen für das Krankenhaus ausgesucht, in dem die Fleinerin Kinder mit Mangelernährung und Infektionskrankheiten behandeln wird.Fotos: privat

Flein - Die Frauen tragen die Ziegelsteine auf dem Kopf, der angemischte Beton wird ebenfalls erhobenen Hauptes in Schalen transportiert. Trotz dieser primitiven Arbeitsweise wachsen die Mauern. "Es geht schnell. Ich staune selber", sagt Monika Golembiewski. An Pfingsten war Spatenstich, im Februar 2011 will die Kinderärztin das Krankenhaus St. Mary im indischen Bolpur für die arme Bevölkerung einweihen.

"Es ist schon eine große Freude, dass es so weit ist und wir vielen Kinder helfen können, die vorher keine Chance hatten", sagt die Fleinerin. Betrieben von den Karmeliterinnen, wird die Klinik finanziert vom Verein Shining Eyes, dem Hilfsprojekt in West-Bengalen, in das Golembiewski seit 16 Jahren Kraft, Zeit und Herzblut investiert.

In Zukunft noch mehr. Die 55-Jährige gibt ihre berufliche Existenz in Deutschland auf, um öfter und länger kleine Patienten zu behandeln, die in bitterer Armut leben, unter schlechter Ernährung, Durchfall- und Atemwegserkrankungen leiden, unter Meningitis oder Lähmungen. "Ich verdiene nichts. Das kostet nur. Aber jedes Kind, das überlebt, ist lohnenswert", beschreibt die Fleinerin ihre Motivation. Auch Sohn Nico (30), Ingenieur, sieht seine Zukunft in der Entwicklungsarbeit beim Santa-Naturvolk. Seine Verlobte Silvia Mangatter (28) aus Untergruppenbach plant ihre Masterarbeit über die Hungersituation bei der UN in Neu Delhi.

Hindernisse Die Golembiewski haben in den vergangenen Monaten viele Hindernisse überwinden müssen. Das Grundstück konnte nicht bebaut, neues Land musste gefunden werden. Das Bauamt war monatelang geschlossen, Wahlen sorgten für weitere Verzögerungen. Im Sommer entwickelten Nico Golembiewski und seine Verlobte vor Ort den maßstabsgetreuen Bauplan samt Einrichtung für vier Behandlungsräume, 18 Betten, Apotheke, Empfang, Aufnahme und Schwesternstation.

Zu den bisher 87 000 Euro kommen 42 000 Euro für die geplante Aufstockung mit Physiotherapie und Entbindungsstation. Eine Stiftung will zwei Drittel der Kosten für den ersten Stock stemmen. Auch sonst ist die Fleiner Ärztin voller Dankbarkeit für die große Unterstützung. Dafür tut sie viel, hält derzeit täglich Vorträge über die Projekte von Shining Eyes. Zudem ist sie in Indien aktiv, hat Kontakte zu Service-Clubs und einer Bankgruppe geknüpft.

Die 3000 Euro monatlich für den Betrieb von St. Mary sollen aus Bettpatenschaften bestritten werden. Mit 30 Euro pro Monat ermöglichen Spender die Behandlung eines Kindes samt Ernährung und Schulung der Mutter in Gesundheitsvorsorge und Heilpflanzenverarbeitung. "Ich finde immer die Unterstützung, die ich gerade brauche. Es steht alles unter Gottes Segen", schöpft Monika Golembiewski Vertrauen und Kraft aus ihrem Glauben.

Start Die 55-Jährige wird den Start der Klinik, auf den sie schon ganz gespannt ist, von Januar bis Mitte April begleiten. Neben der Karmeliter-Ärztin Schwester Pheelima wurden auch ein Kinderneurologe aus Kalkutta und ein pensionierter Kinderarzt für die Mitarbeit gewonnen. Hinzu kommen sieben Krankenhelfer. "Mir ist es wichtig, dass die Kinder in einer liebevollen Atmosphäre aufgenommen sind", betont sie.

Nicht nur auf die Klinik konzentriert sich die Arbeit der Golembiewskis. Weitere Dorfhelfer sollen für die Gesundheitsvorsorge der Santa und das von Nico Golembiewski und Silvia Mangatter initiierte Ernährungsprogramm ausgebildet werden. Das Solarprojekt läuft weiter, eine Dorfschule befindet sich im Aufbau. Mit der Ziegenzucht von fünf Familien soll einmal der Lehrer selbst finanziert werden.

Der Verein hat eine Homepage: www.shiningeyes.de

Hoffnung für kleine Patienten
Monika Golembiewski bei ihrem ersten Besuch in einem Ort, auf den das Ernährungsprogramm für bedürftige junge Einwohner ausgedehnt werden soll.
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Trotz schwerer Last kann die Bauarbeiterin fürs Foto lächeln.
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