"Ehevertrag war ein politisches Testament Barbarossas"

Flein  Flein - Einer der Höhepunkte im Festjahr von Flein steht vor der Tür: die Jubiläumsfeier am 20. April. Fast auf den Tag genau vor 825 Jahren war die erste urkundliche Erwähnung. In einem Heiratsvertrag.

Von unserer Redakteurin Sabine Friedrich Einer der Höhepunkte im Festjahr von Flein steht vor der Tür: die Jubiläumsfeier am 20. April. Fast auf den Tag genau vor 825 Jahren war die erste urkundliche

"Ehevertrag war ein politisches Testament Barbarossas"

Flein - Einer der Höhepunkte im Festjahr von Flein steht vor der Tür: die Jubiläumsfeier am 20. April. Fast auf den Tag genau vor 825 Jahren war die erste urkundliche Erwähnung. In einem Heiratsvertrag. Das Jahr 1188 rückt Historiker Peter Wanner in den Mittelpunkt seines Festvortrags. Über die Geschehnisse damals hat Redakteurin Sabine Friedrich mit dem stellvertretenden Leiter des Heilbronner Stadtarchivs gesprochen.

Flein ist ja viel älter als 825 Jahre. Warum wird immer die erste urkundliche Erwähnung herangezogen?

Wanner: Das ist das einzige Datum mit dem man ein Jubiläum feiern kann. Natürlich ist das Dorf älter, vermutlich für sich genommen . Natürlich ist das Dorf älter, vermutlich aus dem 7./8. Jahrhundert.

Flein war Teil des Hochzeitsgeschenks zwischen Konrad, dem Sohn Kaiser Friedrich I. Barbarossa, und Berengaria, der Tochter König Alfons VIII. von Kastilien. Aber sicherlich nur eine unbedeutende Morgengabe.

Wanner: Es sind 30 Orte genannt, und Flein ist nur ein Ort unter vielen. Rothenburg o. d. T., Würzburg und Weinsberg waren die bedeutendsten.

Bekamen die Fleiner davon überhaupt etwas mit?

Wanner: Nein.

Und was hatten die Braut und ihr Vater davon?

Wanner: Es ist ein europäisches Vertragswerk zwischen zwei europäischen Mächten - dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und dem König von Kastilien. Die Kastilier hätten damit eine direkte Verbindung gehabt zum Kaiser und damit eine Unterstützung in ihrer Stellung auf der iberischen Halbinsel. Da gab es noch den Krieg gegen das Kalifat.

Wie bedeutsam war dieser Ehevertrag vom 23. April 1188?

Wanner: Er hätte sehr bedeutend sein können, wenn alles zu Ende geführt worden wäre. Für die Geschichte der Staufer, weil er eine Art politisches Testament von Barbarossa war, bevor er zum Kreuzzug aufbrach. Der brachte ihm den Tod. Der Vertrag beinhaltete viele rechtliche Details, die auf die europäische Struktur damals schließen lassen. Und wenn Konrad Prinzgemahl geworden wäre, war seine Stellung genau geregelt. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein Prinzgemahl aufgeführt wird. Konrad hätte eine Stellung gehabt wie Prinz Philip. Das ist spannend. Konrad wäre nicht König geworden, aber die gemeinsamen Kinder schon.

Es gibt noch zwei Exemplare dieses Heiratsvertrags, beide in Spanien. Sie haben eines schon gesehen.

Wanner: Ja, aber ich bin ein Mensch, der so etwas eher nüchtern erlebt. Der ,Schauer der Geschichte" rührt mich selten an. Die Urkunde aus dem Archiv in Cuenca brachte ein Padre zur 800-Jahr-Feier nach Flein, wo sie einige Tage im Rathaus ausgestellt war.

Konrad war erst 16, seine Braut gerade mal acht, als diese politische Ehe vereinbart wurde. Nichts Außergewöhnliches?

Wanner: Nein. Die Mutter von Berengaria war drei, als bei ihr der erste Ansatz gemacht wurde. Berengaria war noch nicht ehemündig, weshalb der entscheidende Akt, sprich die Hochzeitsnacht, entfiel.

Glücklich war die Verbindung ja nicht. Zwei Jahre später wurde die Ehe für ungültig erklärt. Eine Scheidung 1191: War das ein Skandal?

Wanner: Nein. Es ging um eine politische Ehe, nicht um die Frage, ob sie glücklich war oder nicht. Das ist eine eher bürgerliche Vorstellung seit dem 18. Jahrhundert.

Was ist aus Berengaria geworden?

Wanner: Sie heiratete wieder und bekam fünf Kinder. Sie wurde erneut geschieden, wegen der nahen Verwandtschaft. Ihr Mann war ihr Onkel, Alfons von Leon. Ihr Sohn Fernando war jahrzehntelang König von Kastilien und vereinte das Land mit Leon. Das war dann die Keimzelle des späteren Nationalstaates Spanien.

Und Konrad?

Wanner: Konrad, der Herzog von Schwaben, heiratete nie. Er starb 1196 in Durlach, nachdem er eine Frau vergewaltigt hatte. Eine Chronik sagt, er sei vom Ehemann erschlagen worden, eine andere Überlieferung berichtet, die Frau habe ihn in die Brust gebissen, woran er gestorben sei.

Ihr Festvortrag beschränkt sich auf 1188. Aber was sollten die Fleiner aus 825 Jahren unbedingt noch wissen?

Wanner: Die Big Points? 1385 wurde Flein Heilbronner Herrendorf. Im Bauernkrieg sammelte sich am 2. April 1525 in Flein der Unterländer Bauernhaufen. Ich finde auch das Jahr 1803 wichtig, als Heilbronn seinen Status als Reichsstadt verlor und Flein selbstständig wurde.

"Ehevertrag war ein politisches Testament Barbarossas"

Er kennt die Fleiner Geschichte: Peter Wanner, der in der Gemeinde aufwuchs, widmet seine Rede dem Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung.

?Fotos: Marion Berger