Stuttgart-21-Gegner: Mit Volldampf auf die Straßen

Vor dem Volksentscheid neues regionales Bündnis gegründet − Mitstreiter wollen vor allem Probleme im Nahverkehr beleuchten

Von Carsten Friese

Stuttgart-21-Gegner: Mit Volldampf auf die Straßen
Werben vor der Volksabstimmung für ein Ja zum Ausstieg aus Stuttgart 21 (v.l.): Birgit Brenner, Gottfried May-Stürmer, Hasso Ehinger, Silke Ortwein.Foto: Friese

Heilbronn - Sie haben nicht mehr viel Zeit und wollen die nächsten Tage konzentriert durchstarten. Rund sechs Wochen vor der ersten Volksabstimmung in Baden-Württemberg über das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 hat sich auch in Heilbronn ein regionales Bündnis aus Gegnern gegründet.

Im Gewerkschaftshaus steckten Vertreter von Parteien, Verbänden und engagierte Bürger am Mittwochabend Ziele ab und planten erste Aktionen, um vor dem Urnengang mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen. Klare Vorgabe: Nach dem monatelangen Ringen um technische Details des Projekts soll es jetzt auf keinen Fall mehr um "Fachchinesisch" gehen. "Wir müssen bestehende Probleme im Nahverkehr in der Region thematisieren", forderte VCD-Vertreter Hans-Martin Sauter. Und dann "eine Verknüpfung mit den horrenden Kosten für Stuttgart 21 deutlich machen". Frankenbahn, Hauptbahnhof-Service, Stadtbahnverspätungen − überall tue sich nicht viel, weil "kein Geld da ist".

32 Interessierte waren am Mittwoch zur Gründungsversammlung gekommen. Der Name des neuen Bündnisses war rasch gefunden: "HN − JA zum Ausstieg" heißt es.

Symbol-Schecks Neben Kritik am "absurden Quorum" der Volksabstimmung und heftiger Schelte von DGB-Regionsvorsitzendem Bernhard Löffler an der Pro-Stuttgart-21-Kampagne ("da ist so viel Unwahrheit unterwegs, unglaublich") gingen die Mitglieder konzentriert ans Ausloten der Strategie. Viel Geld ist nicht da, ein "deutlich vierstelliger Betrag", wie BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer feststellte. Wenn man etwas bewegen wolle, "müssen wir jetzt unter Volldampf anfangen" − und raus auf die Straße gehen. Flugblätter, Plakate, Infostände, eine Facebookgruppe und Veranstaltungen mit Referenten wollen die S-21-Gegner im Stadt- und Landkreis organisieren. Symbolische Scheckübergaben an Nahverkehrsbrennpunkten sollen dem Wahlkampf Würze verleihen. Hoffnung auf einen Erfolg ist da. "Fünf Prozent der Wähler sitzen in Stuttgart, 95 Prozent im Land draußen", stellte Ulrich Stein (ÖDP) fest.

Pikante Konstellation am Rande: DGB-Regionssekretärin Silke Ortwein ist neben May-Stürmer Sprecherin des Lenkungskreises. Sie ist SPD-Mitglied und wirkt hier entgegen der Landeslinie der Partei bei den Gegnern von Stuttgart 21 aktiv mit. Für Ortwein kein Konflikt. Denn: Sie sei auch Mitglied im Bündnis SPD-Mitglieder gegen Stuttgart 21 und habe "die Freiheit", eine eigene Meinung zu haben. Die Partei tue sich "sehr schwer mit dem Thema". Ihr Standpunkt: Es gibt für Stuttgart "eine bessere praktikable Lösung für weniger Geld".

Im Lenkungskreis des Bündnisses sind: Birgit Brenner (Bahnwende), Susanne Lederer (VCD), Hasso Ehinger (Linke), Ulrich Schneider (Grüne), Ulrich Stein (ÖDP), Silke Ortwein (DGB) und Gottfried May-Stürmer (BUND).

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