Leuchtturm - flach oder hoch?

Brackenheim - Der Architektenwettbewerb für die künftige Weinerlebniswelt endet mit zwei ersten Preisen. Die Entscheidung, wessen gestalterische Handschrift das auf knapp 2,4 Millionen Euro veranschlagte Weinkompetenzzentrum mit Ausstellung, Gastronomie und Vinothek trägt, wird der Gemeinderat wohl im März oder April fällen.

Von Herbert Kaletta

Brackenheim - Es ist wie mit dem Stuttgarter Bahnhof. Einen Kompromiss zwischen oben und unten gibt es nicht: Der Architektenwettbewerb um Brackenheims "WeinZeit im Schloss" hat zwei Sieger. Die Entscheidung, wessen gestalterische Handschrift das auf knapp 2,4 Millionen Euro veranschlagte Weinkompetenzzentrum mit Ausstellung, Gastronomie und Vinothek trägt, wird der Gemeinderat wohl im März oder April fällen.

Zuvor werden die beiden Siegerbüros Änderungswünsche der Jury einarbeiten. Brackenheims Bürgermeister Rolf Kieser hofft, dass das auch von der Weinwirtschaft im Land vielbeachtete Projekt im Jahr 2012 fertiggestellt werden kann. "Hier soll ein Leuchtturm für den Weinbau in Baden-Württemberg gesetzt werden", setzt der Stadtchef eine hohe Messlatte an.

Zehn Arbeiten

Die Siegerentwürfe unterscheiden sich "diametral", wie Juryvorsitzender Professor Peter Cheret betonte. Das Wiener Architekturbüro Gerner, Gerner plus setzt das Weinkompetenzzentrum flach mit viel Glas in den Schlossgraben, die Stuttgarter Architektin Christine Remensperger setzt einen hohen Bau an einen der beiden Flügel des Schlosses an. Je 4700 Euro netto an Preisgeld erhalten sie.

26 Jurymitglieder, darunter auch der Leiter der Weinbauschule Weinsberg, Dr. Günter Bäder, hatten den ganzen Freitag intensiv über die zehn eingereichten Entwürfe beraten. Der Wettbewerb ist mit 14 500 Euro netto dotiert. Weil es zwei erste Preise gibt, fällt der zweite aus, der dritte, vom Büro Bayer und Strobel aus Kaiserslautern, ist mit 2200 Euro dotiert. Zwei Anerkennungspreise zu je 1450 Euro gehen an zwei Stuttgarter Büros: Zoll sowie Leder/Ragnarsdottir/ Oei.

Seit drei Jahren ist die Stadt Brackenheim schon mit dem Projekt beschäftigt. Im Zentrum der künftigen Weinerlebniswelt steht die Ausstellung "Reinen Wein einschenken, Weinwelt im Wandel", die im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart gezeigt wurde und von der Stadt Brackenheim erworben wurde. Sie soll im 36 Meter langen und 11,5 Meter breiten Gewölbekeller unterm Schloss eine dauerhafte Bleibe finden. Mit einer Vinothek und einer Gastronomie, die in dem neuen Bau am Schloss Platz finden soll, erhofft man sich nicht nur im ganzen Zabergäu eine Attraktion. 10 000 Besucher pro Jahr, so erwartet es Bürgermeister Kieser, sollen einmal herbeiströmen. "Beim Heuss-Museum haben wir 5000 geschafft. Touristiker sagen mir, unsere Annahmen für die ,WeinZeit im Schloss" seien realistisch."

Leuchtturm - flach oder hoch?
Der Entwurf der Stuttgarter Architektin Christine Remensperger.
Leuchtturm - flach oder hoch?
Das Brackenheimer Schloss. In den großen Gewölbekeller des Brackenheimer Schlosses soll die Wein-Ausstellung kommen, in den Neubau, für den es nun den Wettbewerb gab, Vinothek und Gastronomie.Fotos: Andreas Veigel
Leuchtturm - flach oder hoch?
Schultes Rolf Kieser (links) und Juryvorsitzender Peter Cheret.Foto: Mugler