Zugausfälle bei S4 und Frankenbahn werden nicht weniger

Region  Auf der Frankenbahnstrecke zwischen Stuttgart und Osterburken klagen Fahrgäste seit Monaten über ausfallende Züge. Bei der Stadtbahnlinie S4 fielen im Juli und August besonders viele Verbindungen aus. Schuld sind fehlende Lokführer bei der Deutschen Bahn.

Von Heike Kinkopf

Ohne Lokführer fährt keine Bahn
Fahrgäste warten und viele von ihnen hoffen, dass die Bahn fährt und nicht wie schon so oft in jüngster Zeit ausfällt. Foto: Mario Berger

Die Personalnot der Deutschen Bahn (DB) in Baden-Württemberg führt weiterhin zu Zugausfällen und Verspätungen auf der Frankenbahnstrecke zwischen Stuttgart und Osterburken sowie auf der Stadtbahnlinie S4 im Raum Heilbronn. Die Bahn setzt inzwischen Mitarbeiter aus Bayern ein. Es reicht offenbar nicht.

Welche Auswirkungen der Mitarbeitermangel bei der DB Regio in Baden-Württemberg hat, lässt sich auf einigen Strecken im Land beobachten. Im Raum Heilbronn heißt es allzu oft: "S4 fällt aus." Ein ums andere Mal erscheint die Ansage auf den Anzeigentafeln. Die Zahlen sprechen für sich. Mehr als 440 Verbindungen sind in den zurückliegenden acht Wochen allein auf der Stadtbahnstrecke S4 zwischen Karlsruhe und Öhringen ausgefallen. Dazu kommen weitere 65 Fahrten auf der Strecke der Stadtbahn-Nord.

Die AVG hat die Faxen dicke

Die zuständige Albtal-Verkehrsgesellschaft (AVG) hat die Faxen dicke und spricht Tacheles: "Hauptursache für die derzeit vielen Fahrtausfälle sind die personalbedingten Ausfälle beim Kooperationspartner DB Regio", teilt die AVG auf Stimme-Anfrage mit.

Die AVG setzt inzwischen eigene Mitarbeiter auf der DB-Strecke ein. Ohne den Einsatz der AVG, die "in nicht unerheblichem Maße" mit ihren eigenen Mitarbeitern die Dienste von DB Regio besetze, "würde es zu noch mehr Fahrtausfällen im Raum Heilbronn kommen", macht die Verkehrsgesellschaft deutlich. Im Juli seien 18 und bis Mitte August 14 Dienste abweichend mit AVG-Fahrern besetzt worden, "weil DB Regio trotz klarer vertraglicher Vereinbarungen die Schichten nicht gefüllt bekam". Dabei sei die eigene Personallage ebenfalls angespannt, und der Einsatz für die DB reiße Löcher in das übrige Netz der AVG.

DB gibt sich bei Nachfragen zugeknöpft

DB Regio in Stuttgart übt sich in Zurückhaltung. Wie viele Lokführer sind abgewandert? Gibt es, wie angekündigt, einen Pool von 15 Lokführern, die als Springer eingesetzt werden? Falls ja, wie kommen sie auf der Frankenbahnstrecke zum Zug? Überhaupt: Wie viele Lokführer gab es im August 2016 und wie viele sind es jetzt? Auf Fragen wie diese gibt die DB in Stuttgart keine Auskunft. Sie bestätigt: "Eine Fluktuation ist weiterhin vorhanden." Die Gründe für Ausfälle und Verspätungen seien sehr vielfältig.

Dazu gehören alte Wagen und Loks, die den Geist aufgeben. Im April kündigte die DB an, 20 neue Zugmaschinen in Baden-Württemberg zur Verfügung zu stellen. Mindestens drei davon fahren inzwischen jeden Tag auf der Frankenbahnstrecke, teilt DB Stuttgart mit. Dem Unternehmen zufolge versehen inzwischen auch Lokführer aus Bayern im Ländle ihren Dienst. Sie kommen von der DB Regio Franken und zusätzlich von der Westfrankenbahn. Zudem seien Lokführer aus anderen Regionen Deutschlands ausgewählt. Allerdings benötigten diese zum Teil noch Schulungen. Erste Zugführer seien aber bereits im Einsatz.

Verkehrsministerium sieht Verbesserungen

Das baden-württembergische Verkehrsministerium macht leichte Verbesserungen auf der Frankenbahnstrecke zwischen Stuttgart und Osterburken aus. Die Pünktlichkeit stabilisiere sich, teilt das Ministerium von Winfried Hermann mit. Die Zahl der Ausfälle liegt dennoch überwiegend über dem Durchschnittswert des gesamten DB-Netzes in Baden-Württemberg.

Seit Monaten beschäftigt sich das Ministerium mit den Problemen. So drohte Hermann etwa Strafzahlungen an. Bislang sei keine Strafzahlung der Bahn ans Land geflossen, teilt das Ministerium mit. Wohl aber haben Fahrgäste eine Entschädigung von der Bahn erhalten. Seit Oktober sei eine sechsstellige Euro-Summe an Frankenbahn-Pendler ausgeschüttet worden.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, verstärkte die Bahn ihr Management. Bernhard Weisser ist zum Chef Qualitätsoffensive Baden-Württemberg bestellt worden, Gerhard Schnaitmann wurde Sonderbeauftragter. Welche konkreten Schritte haben die beiden vorgeschlagen? Die DB Stuttgart "kann kein Fazit ziehen".

Neuer Betreiber bei der Frankenbahn ab Mitte 2019 

Das niederländische Unternehmen Abellio und die britische Verkehrsgesellschaft Go-ahead übernehmen Mitte 2019 den Betrieb auf der Frankenbahnstrecke. Abellio hat eine Kampagne gestartet, um rund 250 neue Mitarbeiter für Baden-Württemberg zu gewinnen. Ein Sprecher von Abellio äußert sich zu den Problemen des Mitbewerbers Deutsche Bahn: Dass sich Mitarbeiter aus Frust über den Betreiberwechsel krankmelden und den Dienst nicht mehr zuverlässig versehen, dafür habe er kein Verständnis.

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