Kletterer bremsen Castor-Schiff aus

Bad Wimpfen  Naturschützer haben es geschafft, den Castor-Transport auf dem Neckar für mehr als eine Stunde aufzuhalten. Mit einem Trick überlisteten sie die Polizei an einer Neckarbrücke in Bad Wimpfen.

Von Adrian Hoffmann und Daniel Stahl

Um 11.21 Uhr meldeten Gegner des Castor-Transports zum ersten Mal, dass Kletterer sich von der Brücke der L1100 in Bad Wimpfen abgeseilt haben. 

Vier Männer hatten es trotz großem Polizeiaufgebot geschafft, sich mit einem Plakat an die Brücke zu hängen. 

Spezialkräfte der Polizei entfernen die Kletterer

Castor-Transport auf dem Neckar
Atomkraftgegner der Umweltschutzorganisation "Robin Wood" seilen sich in Bad Wimpfen von einer Brücke über dem Neckar ab und enthüllen ein Transparent mit der Aufschrift "Verhindern statt verschieben". Die Aktivisten stoppten mit der Aktion zwischenzeitlich den Transport mit hoch radioaktivem Atommüll. Foto: Christoph Schmidt/dpa  

Kurz danach stoppte das Schiff mit dem Atommüll auf dem Neckar. Mehrere Dutzend Polizisten waren zu der Zeit rund um die Brücke in Bad Wimpfen im Einsatz. Sie forderten die Kletterer zunächst auf, die Brücke zu verlassen. Dem kamen die Aktivisten nicht nach. "Wenn das nichts hilft, kommen Spezialkräfte zum Einsatz."

Diese entfernten schließlich gegen 12.45 Uhr einen der vier Kletterer und nahmen ihn fest. Das habe störungsfrei geklappt, sagte ein Sprecher der Polizei vor Ort. Deshalb habe man entschieden, dass das Castor-Schiff an den übrigen drei Kletterern vorbeifahren könne. Nach mehr als einer Stunde Unterbrechung fuhr das Schiff mit dem Atommüll weiter.

Aktivisten hatten unter der Brücke übernachtet

Die Polizei gab bei der Aktion keine gute Figur ab. Mit Kletteraktionen hätten die Beamten im Vorfeld rechnen können. Die Brücke war noch für den Verkehr freigegeben, das müssen die Demonstranten genutzt haben, sagt ein Sprecher der Polizei dazu auf Anfrage unserer Redaktion. Noch wenige Minuten vor der Abseilaktion hatte die Polizei die Brücke kontrolliert, aber die Kletterer offenbar übersehen.

Die Kletterer hatten einen anderen Trick. Gemeinsam mit weiteren Aktivisten der Umwelt- und Naturschutzorganisation Robin Wood haben sie unter der Brücke übernachtet, sagt einer der Naturschützer. Versteckt waren sie in Nischen der Stahlkonstruktion, ausgestattet mit Zahnbürste und Schlafsäcken.

Polizei prüft, ob Kletterer Kosten des Einsatzes bezahlen müssen

Aus Sicht der Atomkraftgegner war die Aktion ein Erfolg. Die gewünschte Aufmerksamkeit haben sie erhalten. Mehrere Kamerateams begleiteten die Abseilaktion in Bad Wimpfen. Der Zwangsstopp für das Atommüll-Schiff beeinflusst der Polizei zufolge auch den Ablauf des Transports. „Wir haben zwar Puffer eingeplant, aber eine Verzögerung ist nicht wegzudiskutieren“, sagte ein Polizeisprecher.

„Es handelt sich um eine Straftat. Die Demonstranten erwartet eine Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Verkehr sowie wegen Nötigung“, sagte er. "Das wird rechtlich geprüft." Die Organisatoren des Transports würden möglicherweise zudem eine Erstattung der Kosten fordern. Die Aktivisten selbst rechnen nach eigener Aussage aber nicht damit, dass sie Kosten übernehmen müssen.

 

Atommüll-Transport auf dem Neckar

Aktuelle Entwicklungen zum Castor-Schiff, das auf dem Neckar von Obrigheim nach Neckarwestheim fährt, berichten wir in einem Live-Blog.